Radio Energy: Vierte Frequenz machbar, aber . . .
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«Es gibt keine vierte Frequenz für einen weiteren Privatsender im Raum Zürich-Glarus.» Er habe dies von Fachleuten seriös abklären lassen. Mit diesen Aussagen in einem TA-Interview von Mitte November untermauerte Medienminister Moritz Leuenberger (SP) seinen Entscheid, Radio Energy keine Konzession mehr zu geben. Der Ringier-Sender hat jedoch stets angezweifelt, dass technische Gründe gegen die Schaffung einer vierten Frequenz sprechen – und sieht sich nun in seiner Vermutung bestätigt.
Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), zwei unabhängigen Frequenzspezialisten und einem Energy-Vertreter kommt zum Schluss, dass eine vierte Frequenz «grundsätzlich technisch machbar ist». Dies geht aus dem Bericht hervor, der dem TA vorliegt. Für eine Versorgung eingeschränkt auf die Agglomeration Zürich prüften die Experten drei Varianten: Die Umnutzung der DRS-2-Frequenz 106,7 MHz (Uetliberg), die Nutzung von ehemaligen Frequenzen von Radio Zürisee ab Zürichberg und Albis sowie der Entzug der LoRa-Frequenz 97,5 (Uetliberg).
Teuer, zeitintensiv, störungsanfällig
Der Bericht verschweigt die Schwierigkeiten nicht: Für alle Varianten gilt, «dass sie nicht auf einen Schlag realisiert werden können». Die Rede ist von einem Zeitraum zwischen fünf Monaten und einem Jahr. Es sei mit «delikaten und bisweilen kostspieligen Übergangslösungen» von mehreren Hunderttausend Franken zu rechnen. Zudem sei zu befürchten, dass die heute bereits vorhandenen Frequenzstörungen «tendenziell noch zunehmen werden».
Trotz dieser Einschränkungen spricht Energy-Geschäftsleiter Dani Büchi von einem «Etappensieg». Es habe immer geheissen, dass eine vierte Frequenz nicht machbar sei. «Nun ist das Gegenteil bewiesen», sagt Büchi, der der besagten Expertengruppe angehört. Keine Stellung nehmen will Büchi zur Frage, ob Leuenberger mit seinen Aussagen gelogen habe. Er zeigt sich zuversichtlich, dass sich eine Lösung im Zürcher Radiostreit findet lässt. Im Oktober hatten für das Gebiet Zürich-Glarus Radio 1, Radio 24, das wie der «Tages-Anzeiger» zur Tamedia gehört, sowie Radio Zürisee eine Konzession erhalten. Gegen diesen Entscheid Leuenbergers hat Energy Rekurs eingelegt. Der Fall liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht.
«Nicht bereit, Spielregeln zu ändern»
Auf den Expertenbericht hat das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Freitag Abend reagiert. «Neben allen technischen Bedenken» zeigt sich das Departement von Leuenberger insbesondere aus medienpolitischen und rechtsstaatlichen Gründen nicht bereit, von sich aus eine vierte und damit zusätzliche Frequenz einzurichten. Die Konzessionen für die Lokalradios im Raum Zürich-Glarus seien in einem demokratisch breit abgestützten Rechtsverfahren vergeben worden, das aufgrund von Beschwerden immer noch im Gang sei. «Wir sind nicht bereit, in dieses laufende Verfahren einzugreifen und damit die Spielregeln mitten im Spiel zu ändern», sagt Uvek-Sprecher Daniel Bach. Dies hätte nicht zuletzt wirtschaftliche Auswirkungen für die übrigen Radiostationen. Dass Leuenberger mit seiner Aussage nicht die Wahrheit gesagt hat, bestreitet Bach: «Wir haben nie gesagt, ein Frequenzabtausch sei nicht realisierbar.» Energy habe jedoch behauptet, es seien noch freie Frequenzen vorhanden. Der Expertenbericht zeige nun aber, dass keine zur Verfügung stünden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.02.2009, 22:03 Uhr
Zürich
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