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Rezession: Jetzt geht es den kleinsten Firmen schlecht

Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 16.05.2009 5 Kommentare

Bis vor kurzem kamen vor allem Banker. Nun suchen jene Leute den psychiatrischen Krisendienst auf, die selber ein kleines Geschäft aufgebaut haben und unter der Wirtschaftskrise leiden.

Krisenintervention rund um die Uhr

Jugendliche ab 16 Jahren sowie Erwachsene haben die Möglichkeit, sich in akuten Lebenskrisen im Kriseninterventionszentrum an der Militärstrasse 8 in Zürich telefonisch für eine ambulante Beratung anzumelden. Jede Behandlung erfolgt nach den Richtlinien psychiatrischer Therapie. Die maximale Aufenthaltsdauer beträgt 5 Tage, es werden auch rein ambulante Behandlungen durchgeführt.

Geleitet wird der 24-Stunden-Dienst von Wolfram Kawohl und einem Team aus den Berufssparten Psychiatriepflege, Medizin, Psychologie und Sozialarbeit. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse gemäss kantonaler Pflegetaxordnung mit Selbstkostenanteil.

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Wer plötzlich in eine belastende Lebenssituation gerät, findet mitten in der Stadt Zürich einen direkten Ansprechpartner. Das Kriseninterventionszentrum der Psychiatrischen Universitätsklinik an der Militärstrasse gegenüber der Kaserne ist darauf spezialisiert. Während der Finanzkrise melden sich dort deutlich mehr Personen, die mit beruflichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, welche auf die Psyche schlagen. Depressionen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit sind die typischen Symptome.

Überdurchschnittlich viele Banker

Bis Anfang Jahr waren es überdurchschnittlich viele Banker und Leute aus der Finanzindustrie, die psychotherapeutische Hilfe suchten. Laut Wolfram Kawohl, Leitendem Arzt des Krisenzentrums, ist ein klarer Rückgang dieser Kunden «auf das normale Mass» zu verzeichnen. Gleichzeitig spricht er von einem neuen Trend. «Wir stellen derzeit einen Anstieg bei jenen Patienten fest, die während des Aufschwungs selbstständig ein kleines Geschäft aufgezogen haben und zum Beispiel luxuriöse Nischenprodukte anbieten wie sehr teure Weine oder exklusive Zigarren.»

Häufig handelt es sich dabei um Einmannbetriebe. Diese seien durch die Rezession in finanzielle Schieflage geraten, häufig gar zahlungsunfähig geworden. Denn Spezialitäten, die man nicht täglich braucht und sehr viel Geld kosten, seien weniger gefragt. Wolfram Kawohl sagt: «Diesen Leuten geht es schlecht.»

Geschäfts- und Privatfinanzen schwierig zu trennen

Ein Team von Fachleuten leistet den Hilfesuchenden therapeutische Betreuung. Hinzu kommt die Sichtung der Finanzlage durch Sozialarbeiter sowie professionelle Beratung. Denn kleine selbstständige Unternehmer zahlen keine Beiträge an die Arbeitslosenversicherung. Sie haben es dementsprechend schwer, beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum zügig Ansprüche geltend zu machen, da sich häufig Geschäfts- und Privatfinanzen schlecht trennen lassen.

Nach dem Ausstieg aus der Selbstständigkeit oder dem Konkurs müssen sie direkt den Gang ins Sozialamt antreten und dort um Unterstützung ersuchen, damit sie wieder auf die Beine kommen. Einfach ist dieser Weg nicht. Er ist an klare Bedingungen geknüpft. «Alleinstehende, selbstständig erwerbende Personen haben keine Rückversicherung», sagt Urs Leibundgut, Departementssekretär des Stadtzürcher Sozialvorstehers Martin Waser (SP). «Nur wer belegen kann, dass seine Vermögensgrenze den Betrag von 4000 Franken nicht überschreitet, kommt in den Genuss der Sozialhilfe.»

Richard Späh, Präsident des Stadtzürcher Gewerbeverbands, bestätigt den neuen Trend. Er kann sich gut vorstellen, dass Leute, die in den letzten Jahren mit relativ wenig Startkapital eine eigene kleine Firma gründet haben, jetzt Existenzängste plagen. Auch wenn der Privatkonsum noch nicht am Zusammenbrechen sei, sinke die Nachfrage nach Luxusgütern namentlich im Kleider- und Schmuckbereich. Laut Späh sind in Zürich an die 14'000 Einmannfirmen ansässig. Die Statistik zeige, dass sehr viele selbstständig erwerbende Personen innert fünf Jahren wieder aufhören, weil sie mit den unsicheren Perspektiven emotional nicht zu Rande kommen.

Enormer Druck am Arbeitsplatz

Wie aber lässt sich erklären, dass weniger Patienten aus dem Bankensektor im Wartezimmer der psychotherapeutischen Anlaufstelle sitzen? Psychiater Wolfram Kawohl sagt: «Die Banker haben das Börsendebakel sehr früh gespürt, als es in der Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen wurde.» Sie hätten gewusst, in welche Richtung sich die Börse bewegt. Der enorme Druck am Arbeitsplatz habe ihnen schon vor einem Jahr zu schaffen gemacht. Und sie veranlasst, Hilfe zu holen, um den beruflichen Alltag psychisch zu bewältigen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2009, 00:02 Uhr

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5 Kommentare

Sibylle Weiss

16.05.2009, 15:54 Uhr
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Falls es noch keinen Fond für Selbständigerwerbstätige gibt,sollte vielleicht ein solcher für die Zukunft gegründet werden, da es auch schon zu guten Zeiten Firmenpleiten gab.Bis zur Konkursveröffnung wird die Insolvenzentschädigung 4 Mt. vor KK-Eröffnung das Geld rückwirkend eingeschossen.Dieser Fond würde bis zu diesem Zeitpunkt das Loch stopfen und auffangen. Antworten


Sibylle Weiss

16.05.2009, 15:57 Uhr
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Wenn ein Insolvenzantragsteller weniger als 6 Jahre gearbeitet hat, in einer Festanstellung war und in die ALV einbezahlte, hat er vielleicht noch Glück und kann dennoch stempeln (in Basel ist dies so)! Antworten



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