SBB garantieren nur 44 bediente Bahnhöfe

Die SBB rationalisieren ihren Betrieb immer mehr. Jetzt zeigen bisher geheim gehaltene Listen, wo die SBB ihr Schalterpersonal ebenfalls noch abziehen können.

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Die SBB stehen unter Kostendruck. Deshalb stellen sie ihren Bahnbetrieb zunehmend auf Fernsteuerung um. Damit können sie an vielen Bahnhöfen auf Schalterpersonal verzichten. Die Fahrgäste müssen sich ihre Billette, Abonnemente und Informationen über Automaten, Callcenter und Internet beschaffen. Das sei kein Problem, argumentieren die SBB, weil sie so die Qualität ihrer Beratung über Telefon und an den Bahnhöfen mit Schalterpersonal erhöhen könnten.

In der Bevölkerung wird aber regelmässig ein Aufschrei der Empörung laut, wenn die SBB an einer Station den Schalter ersatzlos schliessen. Seit 2003 war dies in Seebach der Fall, in Henggart, Hettlingen, Pfungen-Neftenbach, Töss, Wülflingen, Marthalen, Embrach-Rorbas, Wollishofen, Rüschlikon, Buchs-Dällikon, Otelfingen und Urdorf. Als bekannt wurde, dass auch in Eglisau der Rollladen unten bleibt, wurden die Kantonsräte Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) und Hans Meier (GLP, Glattfelden) aktiv. Sie haben den Regierungsrat gefragt, ob ihre Informationen stimmten, dass es einen Vertrag des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) mit den SBB gebe, in dem aufgeführt sei, welche Stationen bedient bleiben müssten. Und weshalb dieser Vertrag geheim sein solle.

Eine Minderheit der Bahnhöfe bleibt sicher besetzt

Der Regierungsrat bestätigt nun die Informationen und legt die Namen der Stationen offen. Fazit: Nur 44 von 133 SBB-Bahnhöfen im engeren ZVV-Gebiet bleiben sicher besetzt. Die Listen basieren laut Regierung auf einem Konzept, in das auch andere ZVV-Transportunternehmen eingebunden sind. Mit dem 2003 abgeschlossenen Vertrag habe der ZVV mehr herausgeholt, als in der übrigen Schweiz üblich sei; dort bestimmen die SBB nach Anhörung der Kantone laut Transportgesetz allein, wenn sie das Personal von einer Station abziehen wollen.

Bei den Bahnhöfen ohne garantierten Schalterservice (Liste C) handle es sich um solche, auf denen die SBB den bahndienstlich nicht notwendigen Personaleinsatz nicht wirtschaftlich betreiben könnten, schreibt die Regierung. Nach Möglichkeit würden Lösungen mit Partnern gesucht, oder die Gemeinden könnten sich finanziell engagieren, wie dies Dachsen 2001 versuchte – allerdings erfolglos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2008, 22:56 Uhr

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17 KOMMENTARE

Hans Schmid

21.12.2008, 12:06 Uhr

Das Callcenter ist leider keine Alternative, denn dort wird man bereits in der Warteschlaufe mit CHF 1.19/Minute abgezockt und im Internet lassen sich nicht alle Billette, vor allem nicht ins Ausland lösen. Wenn ich nicht zum Glück in der Nähe von 2 bedienten Bahnhöfen wohnen würde, dann würde ich mit Sicherheit viel öfters das Auto statt den Zug nehmen.


Patrick Fluckiger

20.12.2008, 22:20 Uhr

Vielleicht waere mal der ueberissene Lohn von Meyer zu ueberdenken. Stellen abbauen hat in der Regel nur eine kurzfristige Wirkung. Laengerfristig fuehrt dies zu eine massiven Umsatzeinbusse.


Joseph Fischer

20.12.2008, 18:53 Uhr

es gibt halt doch ein paar sachen, die nicht privatisiert werden sollten, weil es sich um natürliche monopole handelt. infrastruktur gehört dazu. dass das renditeunternehen sbb die kosten senken will ist verständlich. dass die bevölkerung den servicelevel erhalten will auch. bei einem staatsbetrieb könnte so was mit subventionen ausgeglichen werden. private subventionieren ist aber problematisch.


Heiny W. Dürr

20.12.2008, 17:55 Uhr

Dieser Artikel überzeugt mich einmal wieder, dass ich bis zum Umfallen (wegen des hohen Alters) mit meinem Auto in der Gegend herumfahren werde. Wenn ich dann schon mit dem Auto was weiss ich wohin fahren muss um eine Bahnauskunft oder Abo zu bekommen, dann werde ich nie auf die SBB umsteigen


Peter Vogt

20.12.2008, 16:36 Uhr

Liebe Herren der SBB führt doch den totalen Drämmlibetrieb ein... Dann können Sie wirklich sparen - sogar ganze Verwaltungen, sogar Ihre Inkassobureaus.


D. Vollenweider

20.12.2008, 15:18 Uhr

Kurz-Lagebeurteilung: - Transportangebot/Fahrpläne = hervorragend. - Kosten = entsprechend. - Kundennähe = fraglich. Empfehlung: Separierung des Städte- bzw. Fern-Verkehrs vom Aglo- bzw. S-Bahn-Verkehr. - für Städte/Fern-Verkehr: in entsprechenden Zentren hervorragenden pers. Kunden-Dienst. - für Aglo/S-Bahn: Gratis-Trsp. und damit Einsparung von X-Mio. für Automat-Invest/Unterhalts- & Ktr-Pers.


Geri Imbach

20.12.2008, 13:03 Uhr

Wieso will die SBB unbedingt den Kontakt zu den Kunden vereiteln? So wird doch am Umsatz gespart. Ich fahre doch nicht mehrere Kilometer mit dem Auto um am nächsten Bahnhof beraten zu werden oder benütze die teure Info-Line. Ich habe mal kurz überlegt, wie viel Mal ich anstatt die Bahn das Auto genommen habe, nur weil ich Infos von der Bahn gebraucht hätte. Es waren bestimmt Fr. 800 in diesem Jahr


Ralf Kocher

20.12.2008, 12:12 Uhr

Liebe SBB; Ich brauche keine minimalsten Portionen im Speisewagen. Habe mehr an mitgenommenen Äpfeln, Käse und Brot. Und einen Zug ohne Ruhewagen kann ich nicht geniessen. Und für was brettert Ihr mit veralteten EW IV-Wagen mit 200 Km/h? Die bislang ausbleibende Entgleisung spricht (noch) zugunsten Eures Schicksales. Lasst wenigstens die 4. Klasse den Handy-Benützern! Die Dritte den Tierfreunden.


Monika Balle

20.12.2008, 11:40 Uhr

Na super, die SBB will immer mehr rationalisieren und immer mehr Bahnhöfe schliessen. Ich glaube, an die Kunden wird heute nur noch an 2. Stelle gedacht, es muss einfach, auf Teufel komm raus, rentieren. Gerade ältere Leute haben es schwer keine Ansprechsperson auf dem Bahnhof mehr zu haben, sondern nur 2 Automaten (von denen meistens einer - in Pfungen ist das so - defekt ist).


Alexander Meier

20.12.2008, 11:18 Uhr

wieso eigentlich immer der aufschrei?!? überlegen sie sich doch mal wann sie zum letzten mal einen bedienten schalter benötigt haben - ticketautomaten mit zahlungsmöglichkeit per karte, abobestellungen im internet und die soderfälle können bequem per telefon erledigt werden


Alfredo Garcia

20.12.2008, 11:01 Uhr

Die SBB tanzen blind um das goldene Kalb des Kostendrucks und verlieren dabei vollends den Realitätsbezug. Ich würde gerne mal die WIRKLICHEN Kosten kennen, welche unbemannte Züge und Bahnstationen an Sicherheitpersonal und Vandalismusschäden generieren. Ferner sollte der Kostendruck dazu führen, die Bezüge der SBB Nomenklatura zu hinterfragen; da gibt es ein beträchtliches Einsparpotential.


Heinz Aronsky

20.12.2008, 10:03 Uhr

In Graubünden sind nur noch wenige Bahnhöfe bedient. Dank GPS werden meist von Landauqrt aus die Züge angesagt und die Billettautomaten sind so gut, dass auch Nicht-PC- Freaks sie bedienen können.


Tek Berhe

20.12.2008, 09:42 Uhr

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass SBB und ZVV noch viele viele Geheimnisse haben. Vor allem beim Bouns-/Malus-System, leidet die übrige Schweiz darunter, dass die Pünktilichkeit der S-Bahnen nur zu Lasten der Nicht-Zürich-Schweiz geht. Es passiert noch häufig, dass Intercitys auf der Strecke St. Gallen - Genf rasch angehalten werden um lokale S-Bahn-Züge vorbeizulassen.


Ernesto Tschumi

20.12.2008, 09:34 Uhr

Der Bund baut immer mehr Stellen ab, sei es bei der Post oder wie jetzt bei de SBB. Für den Bund ist dies die einfachste Lösung. Dieälteren Leute und auch Junge müssen Mühsam an den Billeten-Automaten stehen,weil diese teilweise kompliziert zu Bedienen sind.Es haben nicht all Generalabonemente oder Halbtax.Die bisheigen Bahnhofvorsteher müssen nun auch um Ihre Job bangen,dies ist sicher nicht gut


Dominik Ruf

20.12.2008, 09:26 Uhr

Die Erfahrung zeigt: Nur der Mensch, nicht die Technik, kann uns vor seelenlosen und/oder verunstalteten Bahnhöfen bewahren. Und die SBB lebt durch und von den Menschen, also soll sie Ihre Kunden auch durch Menschen empfangen!


Alex Meyer

20.12.2008, 08:43 Uhr

In den USA hat der zukünftige Präsident gerade verkündet, dass er mit einem Programm zur Verbesserung der (auch öffentlichen) Verkehrsinfrastruktur der Wirtschaftskrise begegnen will.Bei uns wird aus Spargründen der Service abgebaut. Der neue SBB Chef hat dies vermutlich bei der DB gelernt, wo sämtliche Strecken, die nicht den kurzfristigen "Return on Investment" gebracht haben, stillgelegt wurden


guido bitter

20.12.2008, 05:25 Uhr

Fuer computer-orientierte Reisende mit Internet Anschluss stellen die unbedienten Bahnhofschalter keine unueberwindliche Huerde dar. Anders ist es mit der aelteren Generation welche die oeffentlichen Transportmittel regelmaessig benuetzt, aber weder im Umgang mit computern geschult, noch Internet Anschluss hat.



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