Schwulenhetze im Kantonsrat führt zu Eclat

Die EDU wirft Zürich vor, mit der Euro-Pride 09 eine gottlose Werbeplattform für Schwule zu unterstützen. Das sei empörende Diskriminierung, konterten die anderen Parteien.

Homosexuellen-Event-Euro-Pride: Der EDU ein Dorn im Aug.

Homosexuellen-Event-Euro-Pride: Der EDU ein Dorn im Aug. Bild: Daniel Ochoa de Olza/Keystone

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Zum Eclat kams gestern im Kantonsrat direkt vor der Kaffeepause. Landwirt Michael Welz (Oberembrach), Sprecher der religiös-konservativen EDU, baute in seiner Fraktionserklärung alle Vorurteile gegen Schwule ein. Homosexualität sei nicht gottgewollt und «mit vielen gesundheitlichen Risiken behaftet». Wenn mit der Euro-Pride 09 in den nächsten Wochen schwul-lesbische Festivitäten unterstützt würden, sei das ein Propagandafeldzug «zur Beeinflussung unserer Jugend und Gesellschaft».

Die Stadt Zürich werde fünf Wochen lang zu einer Werbeplattform für den homosexuellen Lebensstil umfunktioniert und wende sich damit «vom Segen Gottes ab», sagte Kantonsrat Welz. Völlig unverantwortlich sei deshalb, dass mit der Unterstützung durch Zürich Tourismus, der SBB und der Stadt Zürich «staatliche Sponsorengelder» in diesen verwerflichen Anlass flössen. «Gott schenke Befreiung aus der Homosexualität», rief er vor konsternierten Zuhörern in den Saal.

EDU-Tirade «diskriminierend»

Der bekennende schwule Kantonsrat und Bankdirektor Hans Peter Portmann (FDP, Thalwil) nahm nun Kontakt mit den Fraktionspräsidenten der anderen acht Parteien auf. Und erklärte dann im Namen aller, die Tirade der EDU sei «empörend, diskriminierend und verfassungswidrig». In der Verfassung seien andere Lebensformen geschützt. Man habe zuerst schweigen wollen, dann aber beschlossen, «den Anfängen zu wehren». Wozu es führe, wenn man solche Exzesse toleriere, habe die europäische Geschichte gezeigt. Portmann erhielt vom Rat einen langen Applaus, was in politischen Debatten absolut unüblich ist.

Nun meldete sich EDU-Fraktionspräsident Stefan Dollenmeier (Rüti) zu Wort. Gleich wie Alkohol und Nikotin sei auch die schwule Lebensform gesundheitsgefährdend. Die Raten für Suizid, Depressionen und Aids seien bei Schwulen nachweislich höher. Nun entzog Kantonsratspräsidentin Regula Thalmann dem EDU-Fraktionspräsidenten das Wort. Sie toleriere nicht, dass religiöse und gesellschaftliche Grundsätze in dieser Art diskutiert würden. «Solche Voten lasse ich nicht mehr zu.»

Euro-Pride-Organisatoren empört

Michael Rüegg, Sprecher der Euro-Pride, bezeichnete das EDU-Votum als ehrverletzend und menschenverachtend. «Das ist unterste Schublade und tiefstes Mittelalter.» Für die von der EDU als Sponsor bezeichneten SBB stellte Sprecher Roland Binz klar: «Die SBB betreiben weder ein Sponsoring, noch bieten wir ermässigte Tickets an.» Einziger Vorteil: Die Tickets zur Euro-Pride sind drei Tage lang gültig - wie beim Autosalon oder einem grossen Konzert.

Auch Frank Bumann von Zürich Tourismus stellte klar: «Kein Geld von Stadt oder Kanton fliesst in diese Veranstaltung.» Bei der Stadt Zürich sagte Sprecher Nat Bächtold: «Die Stadt unterstützt die Abschlussveranstaltung der Euro-Pride als Anlass von internationalem Interesse. Wie bei solchen Anlässen üblich, werden diverse städtische Dienstleistungen zu einem Sondertarif oder unentgeltlich erbracht.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.04.2009, 10:08 Uhr)

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