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Sexberatung für Schüler: Nachfrage zu hoch

Interview: Felix Schindler. Aktualisiert am 09.01.2009

Um zu verhindern, dass Kinder Kinder kriegen, braucht es vor allem eines: Wissen. Der Bereichsleiter der Zürcher Fachstelle für Sexualpädagogik spricht über die brennensten Fragen und übervolle Auftragsbücher.

«Von einem flächendeckenden Unterricht in Schulklassen sind wir weit entfernt»: Lukas Geiser von der Fachstelle Sexualpädagogik. (Bild: pd)

«Von einem flächendeckenden Unterricht in Schulklassen sind wir weit entfernt»: Lukas Geiser von der Fachstelle Sexualpädagogik. (Bild: pd)

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Stadt und Kanton finanzieren die Fachstelle Sexualpädagogik «Lust und Frust». Die Berater unterrichten Kinder und Jugendliche an Schulen und beantworten ihre Fragen rund um Sexualität in Einzelgesprächen. Doch die Fachstelle stösst ständig an ihre Kapazitätsgrenzen und muss immer wieder Aufträge ablehnen. «Lust und Frust»-Berater Lukas Geiser würde sich wünschen, dass alle Kinder und Jugendlichen über die notwendigen Informationen zum Thema Sexualität verfügen.

In Solothurn hat ein 13-jähriges Mädchen ein Kind geboren, ohne ihre Schwangerschaft bemerkt zu haben. Wissen gleichaltrige Kinder in Zürich, wie eine Frau schwanger wird?
Tatsächlich gibt es Kinder in diesem Alter, die noch nie mit Eltern, Lehrern oder einer Fachperson über Sexualität gesprochen haben. Sie wissen oft einige Wahrheiten und Unwahrheiten von Kollegen, aber einordnen können sie sie nicht. Doch die meisten Kinder hatten Gespräche mit Erwachsenen. Wenn die nicht erzählten, die Kindern kämen vom Storch, dann wissen sie, wie eine Frau schwanger wird.

Einerseits unterrichten Sie Schulklassen, andererseits kommen Jugendliche direkt auf Sie zu, die Ratschläge in Sachen Sexualität brauchen. Was wollen die Kinder von ihnen wissen?
Die häufigste Frage in der Beratung auf der Fachstelle lautet: Bin ich schwanger oder nicht? Viele Jugendliche haben auch allgemeine Fragen zur Sexualität. Wie verhüte ich richtig? Wie schütze ich mich vor HIV? In Schulklassen kreisen schliesslich viele Fragen um Normalität. Bin ich normal, wenn ich einen Porno schaue? Ist es ungesund, Selbstbefriedigung zu machen?

Ihre Fachstelle für Sexualpädagogik wird von Stadt und Kanton finanziert. Wie gross ist die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen?
Wir sind sehr gefragt. Wir machen Einzelberatungen und Schuleinsätze. 2007 haben wir 84 Mal einen Morgen mit einer Schulklasse verbracht und über Sexualität diskutiert. Zudem führen wir jährlich zwischen 250 und 300 Einzelberatungen mit Jugendlichen durch. Seit die Beiträge von Stadt und Kanton erhöht wurden, konnten wir unsere Einsätze verdoppeln. Aber von einem flächendeckenden Unterricht in Schulklassen sind wir weit entfernt.

Sollte das nicht das erklärte Ziel sein?
Es wäre erstrebenswert, dass jeder Schüler einmal pro Schulstufe eine externe Fachperson im Unterricht erlebt. Bei der HIV-Prävention schreibt der Kanton eine flächendeckende Versorgung vor. Jeder Berufs- und Mittelschüler wird in zwei Lektionen unterrichtet, wie er sich vor HIV schützen kann.

Hat ihre Fachstelle Kapazität für zusätzliche Beratungen?
Nach dem Fall Buhnrain wurden wir richtiggehend von Anfragen überrannt und mussten vielen Anfragen eine Absage erteilen. Auch im Moment sind wir ausgelastet und müssen Aufträge abweisen. Wir erachten es als wichtig, dass unser Angebot ausgebaut wird und jeder Schüler und jede Schülerin alle notwendigen Informationen über Sexualität erhält.

Lukas Geiser ist Fachmann für sexuelle und reproduktive Gesundheit «Planes», diplomierter Erwachsenenbildner HF und Sexualpädagoge. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2009, 12:04 Uhr

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