Sprayer toben sich in der Roten Fabrik aus
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Auf den Protest der Aktivisten, die vor Ostern die Fassaden der Roten Fabrik geweisselt hatten, haben 65 Graffiti-Künstler eine farbenprächtige Antwort gesprayt - völlig legal. Die Rote Fabrik hat dem Verein Meeting of Styles Switzerland im Innern des Geländes die Fassaden für den Event «Beyond Materialism» zur Verfügung gestellt.
Auf Leitern und auf fahrbaren Gerüsten stehen oder kauern am Samstag die Sprayer-Profis aus Schweden, Polen, Deutschland, Portugal, Italien, Österreich und der Schweiz. Sie recken sich, ziehen mit ihren Spraydosen schwungvoll schwarze oder graue Outlines, füllen mit knalligem Rot, Orange, Grün oder Blau Schriftzüge, Figuren oder 3-D-Styles aus. Am Boden stehen Sporttaschen voller Dosen. Das Stück kostet 8 Franken. Auf der Passerelle beim Eingang ist der bekannte Zürcher «Cruze» am Werk. Graffiti von ihm sind auch auf den Blumentöpfen am Paradeplatz zu sehen. «Soup», auch bekannt in der Zürcher Szene, turnt auf dem Gerüst, betrachtet sein Bild aus Distanz. Es wächst über 4 Meter die Wand hoch. Mit sicherem Zug sprayt er Rot über einen Kobold mitten in saftgrünen Schlingpflanzen. Daneben grinst ein fratzenhaftes riesiges Gesicht.
Urbane Reliefs und fantastische Pilze
Auf 1000 Quadratmetern wachsen knallige, bunte Figuren, urbane Reliefs, Schlingpflanzen, fantastische Pilze oder Schriftzüge hoch. Viele Neugierige, vor allem junge Männer und Frauen, bummeln bei dem Prachtswetter die Fassaden entlang. Sie beobachten die Sprayer und kommentieren eifrig. Was wollen die Künstler aussagen? Sie lassen es offen; jeder darf frei interpretieren. «Graffiti sind vergänglich, es entsteht immer wieder Neues», sagt Claudia Mazzanti. Die 36-jährige Stadtzürcherin sprayt unter einem Fenster neben dem Clubeingang ein Gemälde mit ihrer Freundin Eleonora Agagiù. Claudia kniet und sprayt eine Figur aus. Die 34-jährige Eleonora zieht schwarze Outlines an einem nashornartigen Kopf. Die beiden sprayen seit anderthalb Jahren zusammen. «Aus Spass und Leidenschaft», sagt Claudia. Ihr Graffito verwirklichen sie nicht spontan aus dem Kopf, sie arbeiten mit einer Skizze. «Wir ergänzen uns prima», sagt Claudia. Sie ist als Bauzeichnerin in der Feinarbeit gut. Eleonora, Optikerin mit eigenem Brillenlabel, ist farbtechnisch versiert.
Die beiden Zürcherinnen sind in der männlich dominierten Graffiti-Szene eine Minderheit. «Bei den älteren Profis sind wir willkommen; jüngere Sprayer haben noch Mühe mit uns Frauen», sagt Claudia. Diese Einschätzung teilt Maaret Mayr, Sprecherin des Vereins Meeting of Styles Switzerland. «Wir möchten mehr Frauen. Viele sprayen, aber sie haben oft nicht den Mut, sich zu exponieren.»
Die Events Meeting of Styles gibt es jährlich weltweit in verschiedenen Ländern. Zelebriert wird jeweils die Hiphop-Kultur mit Graffiti, DJs, Rappern und Freestyle-Sessions. Der Schweizer Verein, entstanden 2003, hatte in den vergangenen sechs Jahren Meetings im Industriequartier Grüze in Winterthur organisiert. Für den Anlass in der Roten Fabrik hat der Verein mit einem Budget von 40 000 Franken bewusst Künstler ausgewählt, die verschiedene Stilrichtungen repräsentieren.
Hiphop trifft Tango
Die Rote Fabrik gibt sich an diesem Samstag kunterbunt und lebt von Kontrasten. Das stört niemanden. Auf dem Openair-Platz das pulsierende Staccato der Rapper, vor dem Segelclub am See tanzen Pärchen Tango Argentina. Die Tango-Stiftung Zürich gibt einen Schnupperkurs. «Die Stimmung ist doch wunderbar», sagt Graffiti-Künstler Soup. «Wir sind tolerante, friedfertige Kerle - keine Vandalen, die illegal Wände verschmieren.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.07.2009, 11:00 Uhr
Zürich
- 19:4695 Jahre und kein bisschen müde
- 16:13Die meisten Federer-Fans hatten keine Chance auf ein Ticket
- 15:42Wald: Noch eine Polizei-Abstimmung
- 14:33Krach um Zürichs schönstes Schloss
- 11:26EU setzt sich für Vorarlberger Taxifahrer in Kloten ein
- 10:41«Mainstation»-Party im HB: sehr hohes Sicherheitsrisiko
Wohnen in und um Zürich
Meistgelesen in der Rubrik Zürich
Die 3 Top-Themen im 
Hildegard Schwaningers Notizen zu Namen
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.
Cool bleiben, Mund halten, besser pendeln
Hohe Ansprüche bei der Partnersuche
Märchenprinzen gibt es nicht! Wie Sie trotzdem dem passenden Partner finden, erklärt Ihnen ElitePartner.ch.








