UBS-Kadermann darf nicht Schweizer werden
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Angespannt und mit einem gequälten Lächeln im Gesicht steht Massimiliano Luzio in der Abstellkammer der Turnhalle Steg. Wer wie er in Freienbach Schweizer werden will, muss auf der letzten Etappe im Putzraum warten, damit die Bürger in der Halle ohne seine Einflussnahme über die Eignung diskutieren. Als er kurz nach 23 Uhr am Freitagabend in die Turnhalle eintritt, teilt ihm der Gemeindepräsident Kurz Zurbuchen den Entscheid mit: «Herr Luzio, es tut mir leid.» Zwei Tage später sagt Luzio am Telefon: «Ich kann es immer noch nicht nachvollziehen. Ich werde mich über das weitere Vorgehen erkundigen müssen.»
Als Einziger zurückgewiesen
11 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei, Sri Lanka und Frankreich hat die Gemeindeversammlung eingebürgert, nur den italienischen Secondo Massimiliano Luzio, der bei der UBS in Zürich als IT-Projektleiter arbeitet, nicht. Fünf Redner hatten sich vergeblich für ihn starkgemacht: «Das Einbürgerungsverfahren in Freienbach ist härter als das Auswahlverfahren des Armeechefs im VBS», hatte einer mit ironischem Unterton gesagt. Ein anderer betonte, dass sich Luzio stets an die verfassungsmässige Ordnung gehalten habe. «Gebt ihm eine Chance», forderte ein dritter. Von der schweigenden Mehrheit trat lediglich die Ortsparteipräsidentin der CVP, Petra Landolt, ans Rednerpult: «Der Entscheid der Einbürgerungskommission, die das Geschäft vorbereitet hat, ist transparent und nachvollziehbar.» 67 stimmen an der Gemeindeversammlung schliesslich gegen Luzio, 39 für ihn.
Während die Gemeindeversammlung vor den Einbürgerungsvorlagen über den Voranschlag und den Steuerfuss debattierte, bereitete in den Gängen ausserhalb der Turnhalle der Verein «Dorfgemeinschaft Freienbach» den Apéro vor.
«Luzio wird ganz sicher nicht eingebürgert», sagt einer.
Warum nicht?
«Weil die Gemeindeversammlung immer den Anträgen der Einbürgerungskommission folgt.» Was spricht gegen ihn?
«Das fragen wir uns alle auch. Es heisst, dass er mit den Schweizer Sitten nicht vertraut ist.» Was sind die Schweizer Sitten?
«Er arbeitet in Zürich und ist hier in keinem Verein. Sein Lebensmittelpunkt ist nicht in Freienbach. Sie müssen wissen, dass hier 150 Vereine existieren.» Nebst den 150 Vereinen besteht Freienbach auch noch aus einer Reihe von Millionären und Dutzenden Firmen, die das globale Kapital ins Dorf bringen. Mit rund 15'000 Einwohnern ist Freienbach die zweitgrösste Gemeinde im Kanton Schwyz. Die meisten Menschen arbeiten in Zürich und schlafen in Freienbach, so wie Massimiliano Luzio. Rund die Hälfte der Einbürgerungsgesuche werden von der Einbürgerungskommission abgelehnt. Massimiliano Luzio war der Erste, der gegen den Entscheid rekurrierte und seinen Antrag vor die Gemeindeversammlung brachte.
Wer kann das verstehen?
Der 35-Jährige wurde in Horgen geboren. Die Primarschule besuchte er in Locarno, das Gymnasium in Zug. Später studierte er an der ETH Zürich. Seit acht Jahren wohnt er in Freienbach. Er spricht perfekt Hochdeutsch. Gemeindepräsident Kurt Zurbuchen, der auch der Einbürgerungskommission vorsteht, schaltete sich an der Gemeindeversammlung mit folgenden Worten ein: «Bei ihm ist keine Integration spürbar. Er macht den Eindruck, durch und durch ein Italiener zu sein und aus zweckdienlichen Gründen Schweizer werden zu wollen: Würde er einmal längere Zeit im Ausland arbeiten, würde seine C-Bewilligung verfallen.»
Wir fragen: Herr Zurbuchen, hat sich die achtköpfige Einbürgerungskommission einstimmig gegen die Einbürgerung von Massimiliano Luzio ausgesprochen?
«Ich darf Ihnen das exakte Stimmenverhältnis nicht sagen, das untersteht dem Amtsgeheimnis. Nur so viel: Der Entscheid fiel deutlich aus.» Inwiefern verstösst Massimiliano Luzio gegen die Sitten und Gebräuche der Schweiz?
«Auch die genaue Begründung der Einbürgerungskommission untersteht dem Amtsgeheimnis. Nur so viel: Angesichts seiner Ausbildung hatte er erschreckend schwache Kenntnisse in Staatskunde. Jeder Hilfsarbeiter aus Kosovo weiss mehr.» Bevor Gemeindepräsident Zurbuchen den Einbürgerungsantrag zur Abstimmung brachte, sagte er zur Gemeindeversammlung: «Ich kann verstehen, wenn Sie das nicht verstehen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.12.2008, 21:55 Uhr
Zürich
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