Zürich
Vierter schwerer Rolltreppen-Unfall: SBB sehen keinen Handlungsbedarf
Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 27.04.2009 14 Kommentare
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In der Nacht auf den vergangenen Samstag ist ein 23-jähriger Mann mit seiner Freundin und einem Kollegen unterwegs. Auf der Rolltreppe zum Perron 21/22 verliert er das Gleichgewicht und stürzt rund 4 Meter auf das Perron hinunter. Noch immer liegt er schwer verletzt im Spital. Warum er das Gleichgewicht verlor, ist noch nicht geklärt.
Ähnliches ereignet sich in der letzten Silvesternacht. Ein 22-Jähriger bleibt nach einem 5-Meter-Sturz regungslos liegen, die Sanität fährt ihn mit schweren Kopfverletzungen ins Spital. Der junge Mann hatte sich vor dem Sturz auf den Handlauf der Rolltreppe gesetzt. Rückwärts auf der Rolltreppe unterwegs war ein 19-Jähriger, der am 24. September 2006 über sechs Meter in die Tiefe stürzte, und sich dabei schwere Kopfverletzungen zuzog.
Polterabend endet tödlich
Sogar tödlich endete am 2. Juni 2007 ein Sturz für einen 30-Jährigen. Er stürzte nach einem Polterabend acht Meter in die Tiefe, am Unfall beteiligt war eine Gruppe von sechs Männern, welche offenbar mit einem Einkaufswagen herumalberten.
Wie gefährlich lebt man, wenn man im Zürcher Hauptbahnhof die Rolltreppe benutzt? Für Polizeisprecher Martin Sorg stellen sie keine Gefahr dar: «Wenn man die Rolltreppe benutzt wie vorgesehen, passiert in der Regel nichts. Wer die Rolltreppe missbraucht oder leichtsinnig benutzt, indem er beispielsweise auf den Handlauf sitzt, riskiert zu stürzen und bringt sich in Gefahr.»
Alkohol und Leichtsinn als Unfallursache
Die SBB bedauern diese Unfälle am Hauptbahnhof. Doch gefährlich seien die Rolltreppen nicht, betont SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch: «Es ist auch für die SBB schmerzhaft, dass sich immer wieder Leute schwer verletzen. Wir haben dieses Problem mit der Suva angeschaut, die Rolltreppen entsprechen allen Sicherheitsvorschriften.»
Dass trotzdem immer wieder Menschen schwer oder sogar tödlich verletzt würden, hat mit dem leichtsinnigen Umgang mit Rolltreppen zu tun. Zur Aufklärung des Unfallhergangs greifen die SBB jeweils auf die Bilder der Überwachungskameras zurück: «Wie wir auf unseren Überwachungsvideos sehen können, handelt es sich meist um Kapriolen junger Männer, die am Wochenende stattfinden. Oft ist dabei Alkohol im Spiel», so Pallecchi weiter.
Für die SBB kommen Auffangnezte nicht in Frage
Über bauliches Massnahmen wie Netze habe man trotzdem ernsthaft nachgedacht: «Auffangnetze schützen weder vor Leichtsinn noch vor Verletzungen. Im Gegenteil: Sie könnten gar als Aufforderung missverstanden werden. Eine Idee wäre es, auf Schildern vor den Gefahren zu warnen. Doch würden wir den Leuten Dinge vorschreiben, die eigentlich klar sind. Es fönt sich auch niemand in der vollen Badewanne die Haare.»
Und auch eine Verstärkung der Patrouillen kommt gemäss SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi nicht in Frage: «Wenn eine unserer Patrouillen sieht, dass eine Rolltreppe zweckentfremdet wird, macht sie den Betroffenen natürlich auf die Gefahren aufmerksam. Wir können jedoch nicht an jeder Rolltreppe eine Wachperson stationieren.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.04.2009, 15:20 Uhr
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14 Kommentare
Diese Rolltreppen im HB sind gefährlich, weil sie extrem hoch sind und ohne Geländer. Ich fand schon von anfang an die SBB sollte da Plexiglas Schutzwände oder Netze anbringen. Da sollten architektonische Bedenken hintangestellt werden. Wir alle waren mal jung und übermütig ... ein SBB sollte nicht solche Gefahren auf die Benutzer abschieben, sondern handeln .. mit bestem Dank Antworten
Viel Getöse um nichts. Ich hoffe die Krankenkasse/SUVA ist schlau genug und macht Regress auf den Verusacher. Da hier von Selbstverschulden und leichtsinnigem Verhalten auszugehen ist soll er Verursacher seinen Krankenhausaufenthalt auch selber bezahlen, und nicht die Allgemeinheit. Zeit dass hier auch unsere Versicherungen ein Zeichen setzten. Antworten
Die Leute sind auch nach meiner Meinung selber verantwortlich. trotzdem gibt es einen massiven Unterschied zwischen einem privaten Einkauszenter und dem öffentlichen Bahnhof. Vier Schwerverletzte und ein Toter sind meine Meinung nach zuviele und wenn sich diese Zahl durch bauliche Massnahmen reduzieren lassen, dann sehe ich nicht ein, warum man dies nicht machen sollte. Antworten
Sicher, mehr Eigenverantwortung. Aber es hätte auch nicht geschadet, wenn sich die Architekten etwas mehr Gedanken gemacht hätten. Zur Zeit kann man von oben nach unten spucken und auch Sachen werfen. Auch wenn dies nicht 'erlaubt' ist, könnte man mit einfachen baulichen Massnahmen die normalen Bahnbenutzer schützen. Auch ein Rolltreppen-Surfer kann auf jemand drauf fallen. Antworten
Da sehe ich auch keinen Handlungsbedarf. Höchstens von Seiten der Alkoholisierten und Leichtsinnigen. Letztens sah ich eine Mutter, die seelenruhig zusah, wie ihr kleiner Knirps auf dem Gummilaufband der Treppe rumturnte. Da fasse ich mich an den Kopf. Aber nicht wegen der SBB... Antworten
diese entscheidung finde ich auch richtig! wenn sich leute durch akrobatische kundegebungen profilieren wollen/müssen ist das deren sache, ebenfalls die konsequenzen. der/die eine benutzt den handlauf der rolltreppe und fällt runter, der andere springt ins bärengehege und wird verletzt - keiner hat sie dazu gezwungen! sonst bracuht es bald noch eine sicherheitsleine an jedem trottoir Antworten
Dazu sollte es überhaupt keine Diskussion geben. Es kommt sicher noch so weit, dass die SBB Verbotsschilder anbringen müssen, die zeigen, dass es nicht sinvoll ist, auf die Gleise zu sitzen. @ Klaus Wrenker: Die Rolltreppen diverser Einkaufszentren sind ählich gebaut wie diejenigen am HB und auch dort besteht kein Handlungsbedarf, weil ja man ja von einem gesunden Menschenverstand ausgehen darf. Antworten
Hätte man bei der SBB zu Beginn daran gedacht, wären die baulichen Massnahmen minimal. Da sich aber auch bei der SBB Architekten verwirklichen wollen, steht eben oft Ästhektik über Sicherheit oder Nutzen. Ausserdem wenn es nicht die SBB wären, sondern zum Beispiel ein privat betriebenes Einkaufzentrum, wäre schon längst Klage eingereicht worden. Die heilige Kuh SBB. Antworten



Leo Stern
Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich: Wenn ich die bauliche Situation im Hauptbahnhof mit der z.B. dem Glattzentrum vergleiche, dann sehe ich keinen gravierenden Unterschied. Aber im Glattzentrum treiben sich keine angeheiterten Ausgänger herum, die spätabends in massloser Selbstüberschätzung an den Rolltreppen herumturnen. Antworten