Zürich

Vorbestrafte Prügler: Einer war bereits in Therapie

Die drei mutmasslichen Schläger von München sind in der Schweiz bereits verurteilt worden. Einer des Trios musste zudem in eine Therapie. Diese war vor der jüngsten Tat noch nicht abgeschlossen.

1/31 Müssen für ihre Tat ins Gefängnis: Mike B. (rechts) für sieben Jahre, Ivan Z. (Mitte) für knapp drei Jahre, Benji D. (links) für knapp fünf Jahre.
Grafik: Linda Graedel

   

Bürger fordern unterschiedliche Strafen

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Der Fall und die Betroffenheit der Klasse

Der Vorfall ereignete sich auf einer Abschlussfahrt einer zehnten Klasse der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) nach München. Fünf Schüler der WBK – drei stammen aus der Schweiz und je einer aus Slowenien und aus Portugal – überfielen in der Münchner Innenstadt fünf Männer. Dabei prügelten sie einen 46-jährigen Geschäftsmann beinahe zu Tode. Gegen drei der Schüler ist Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Weil es sich um ein massives Kapitaldelikt handelt, droht ein Strafrahmen von bis zu 10 Jahren. Die drei Schüler befinden sich im Untersuchungsgefängnis München-Stadelheim.

Klasse traf sich am Freitag

Die aus München zurückgekehrten Schüler der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) haben sich am Freitag in der Schule getroffen. Sie hätten damit begonnen, die Ereignisse der vergangenen Tage zu diskutieren und zu verarbeiten, teilte die Schulpflege Küsnacht mit.

Die Schüler der WBK würden von Fachleuten der Krisenintervention Schweiz und der Schulsozialarbeiterin begleitet. Auch am dritten Tag nach den schrecklichen Vorfällen in München sei die Erschütterung gross. Schüler, Eltern, Lehrpersonen und Schulbehörden zeigten ihre grosse Betroffenheit und suchten nach Erklärungen.

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Die drei 16-jährigen Schüler aus Küsnacht sind in der Schweiz bereits für verschiedene Delikte verurteilt worden. Einer der mutmasslichen Prügler musste als Strafe nicht nur einen Arbeitseinsatz leisten, sondern wurde zudem in eine Therapie geschickt. «Diese ist noch nicht abgeschlossen», wie der leitende Jugendstaatsanwalt Marcel Riesen auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch sagt. Die Therapie soll beim Jugendlichen dazu führen, dass er seine Aggressionen in den Griff kriegt.

Bestraft wurden die Schüler für unterschiedliche Taten. Einer des Trios wurde wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt, ein zweiter Schüler wegen einfacher Körperverletzung (Nasenbeinfraktur), der dritte Jugendliche wegen Raubversuchs und Angriffs (Faustschlag und Tritte).

Alle Strafuntersuchungen sind durch die Jugendanwaltschaft See/Oberland durchgeführt und abgeschlossen worden. Die Jugendlichen wurden mit persönlichen Leistungen zwischen neun Tagen und vier Wochen bestraft. Für einen Angeschuldigten wurde im September 2008 mit Erziehungsverfügung zudem eine ambulante Behandlung in Form einer deliktorientierten Therapie angeordnet.

Vater will nichts von Vorstrafen wissen

Das Opfer tue ihm unsagbar leid, sagte der Vater eines mutmasslichen Schlägers gegenüber «Radio 1». «Ich möchte mich in aller Form entschuldigen und irgendwie helfen, falls das möglich ist.»

Dass sein Sohn gewalttätig sein könnte, hätte er nie gedacht. Zweimal sei er in eine Schlägerei verwickelt gewesen, einmal habe er auch ein blaues Auge davongetragen. Im ersten Fall habe der Sohn erzählt, er sei zusammengeschlagen worden. Beim zweiten Vorfall habe er einen Streit schlichten wollen. Im Nachhinein betrachtet, stimme das wohl nicht. Von Vorstrafen wisse er trotzdem nichts, sagte der Vater weiter. «Mein Sohn hat mit 12 Jahren einmal Kaugummi gestohlen, aber das ist wohl kaum gemeint.» Auch dass sein Sohn viel Alkohol trinke, sei ihm nicht bekannt. Nur hin und wieder an einem Fest oder an einem Grümpelturnier «wie andere auch».

Insgesamt fünf Opfer

Im aktuellen Fall von München sind die Ermittlungen noch in vollem Gange. Die Polizei von München sucht Hinweise auf weitere drei Opfer der fünf jungen Männer. Offenbar haben die Jugendlichen bei ihrem Schulausflug noch weitere Passanten verprügelt. Die Teenager hatten nach ihrer Festnahme selbst zugegeben, neben einem Geschäftsmann und einem Studenten drei weitere Menschen geschlagen zu haben.

Dies schreibt die Münchner Polizei in einer Mitteilung vom Freitag. In einer Reihe von Gutachten soll zudem geklärt werden, ob die Jugendlichen bei ihrer Tat betrunken waren.

Für die Lehrer hat der Gewaltexzess keine strafrechtlichen Folgen. Wie Anton Winkler, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, gegenüber der Agentur AFP erklärte, werde es keine Ermittlungen gegen die Begleitpersonen geben. Es sei durchaus vertretbar, Jugendliche in diesem Alter nicht permanent zu beaufsichtigen.

Schlimmer als Münchner U-Bahnschläger

Die Münchner Ermittler halten die Überfälle der Jugendlichen aus Küsnacht für noch alarmierender als den Fall der Münchner U- Bahnschläger vor eineinhalb Jahren. «Das hat noch einmal eine höhere Dimension», sagte Winkler gegenüber der Agentur dpa. Es sei das Bedenklichste überhaupt, wenn man nur aus «Lust am Klatschen» einen Mann fast zu Tode prügle.

Vor eineinhalb Jahren prügelten ein 21-jähriger Türke und ein 18-jähriger Grieche in der Münchener U-Bahn auf einen Rentner ein. Der Mann hatte sie auf das Rauchverbot aufmerksam gemacht. Der pensionierte Schulleiter erlitt einen dreifachen Schädelbruch und eine Blutung im Gehirn. Die beiden Schläger wurden zu zwölf und achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. (ep)

Erstellt: 24.02.2010, 10:53 Uhr

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