Warum wir das neue Zürcher Radio hören sollten

Am 4. Juni startet Radio 105 auf UKW. Sein Gründer, Giuseppe Scaglione, hat einiges im Köcher und er will seine Hörer zum Lachen bringen.

Will Musik abseits vom «Einheitsbrei» senden: Giuseppe Scaglione.

Will Musik abseits vom «Einheitsbrei» senden: Giuseppe Scaglione. (Bild: Dominique Meienberg)

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Am 4. Juni legt Radio 105 mit seinem Musikprogramm im Raum Zürich los, ab dem 9. September kommt das moderierte Vollprogramm hinzu. Giuseppe Scaglione (39) ist Initiant und Betreiber von Radio 105, Radio Monte Carlo (ab Herbst 2009), Rock Nation, diversen Internet-Radiostationen und dem Onlinesender 105TV.

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Endlich kann sich Giuseppe Scaglione ganz auf das konzentrieren, worum es ihm eigentlich geht: aufs Radiomachen. Er hat zwei UKW-Frequenzen in der Tasche, und sein Studio im World Trade Center in Leutschenbach ist startklar. 1998 lancierte der Basler das erste sprachregionale Jugendradio der Schweiz via Kabelnetz, danach hat er mit Gesuchen und Rekursen zehn Jahre für eine UKW-Frequenz gekämpft und gleichzeitig mehrere Internetsender aufgebaut und geführt.

Herr Scaglione, Sie haben zehn Jahre um eine UKW-Konzession gerangelt und wurden dabei stets belächelt. Was hat Sie angetrieben, dranzubleiben?
Genau das. Je mehr man mir sagte, das kannst du vergessen, das klappt sowieso nicht, desto mehr hat mich das angespornt. Trotz technischer Hürden erreichten wir via Kabelnetz täglich 100'000 Hörer und so wussten wir stets: Das Interesse für unser Radio besteht!

Nach Erhalt der Konzession sagten Sie: «Ich fühle mich wie ein legaler Radiopirat.»
Durch den UKW-Segen sind wir jetzt gewissermassen im Klub aufgenommen und plötzlich möchten ganz andere Sponsoren mit uns zusammenarbeiten. Ich bin dadurch aber nicht zahmer oder weniger rebellisch geworden und habe meine Anti-Establishment-Haltung bewahrt. Ich will unabhängig bleiben und gutes Radio machen.

Was ist für Sie ein gutes Radio?
Ein gutes Radio ist eines, bei dem die Hörer denken: «Wow! Ich entdecke neue Musik, kann den ganzen Tag Radio hören und muss nicht abschalten, weil es mich nervt.» Ein Radio, das nicht peinlich ist, ist heute bereits eine Leistung, verrückt, nicht? Vor allem die Musik ist in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt worden.

Auch bei den Diskussionen um die UKW-Konzessionen?
Niemand sprach da über die Musik, obwohl die bis 90 Prozent eines Programms ausmacht. Man kann noch so tolle News haben, Radio ist ein Musikmedium. Mit Radio 105 und Radio Monte Carlo haben wir dasselbe vor: Wir wollen die Leute abholen, die mit dem Einheitsbrei unzufrieden sind und nicht den Mainstream suchen. Das ist nicht eine Frage des Alters, sondern der Lebenseinstellung.

Bei welchem Song würden Sie gleich abschalten, bei welchem weiterhören?
Ich bin diesbezüglich ziemlich tolerant. Bands wie Franz Ferdinand, Kings of Leon, oder Kaiser Chiefs finde ich toll, zeitgemäss, gut gemacht und auch nicht zu abgefahren, aber auch Exotischeres wie Sébastien Tellier oder Röyksopp gefällt mir. Es geht nicht um einzelne Titel. Was mich fertigmacht ist ein Musikprogramm, das die immer gleichen Songs laufen lässt und diese kaputt spielt. Als Band würde ich da auf Schadenersatz klagen. Wir werden Songs senden, die bei uns etwas auslösen – Verkaufszahlen, Covers und Namen interessieren uns nicht.

Nach den Sommerferien läuft das moderierte Vollprogramm, was erwartet uns?
Wir werden die Hörer informieren, unterhalten und überraschen – und den Mut haben auszubrechen. Unsere Moderatoren werden so direkt sein wie das Zielpublikum. Redet ein Politiker in PR-Sprache an der Sache vorbei, muss es möglich sein, zu sagen: «Sorry, das ist einfach Bullshit, das glauben Ihnen die Jungen da draussen nicht.» Man darf nicht Angst haben, den gesunden Menschenverstand zu brauchen. Natürlich gehört auch Légères dazu, wie Comedy-Formate.

Saulustige?
Auf Sauglattismus bin ich allergisch! Das Schlimmste finde ich langweilige Menschen, die versuchen, lustig zu sein. Leider bevölkern solche Moderatoren die Radiolandschaft: Ich lache selten, wenn ich Radio höre. Vieles ist einfach zu konstruiert. Ein gutes Jugendradio muss authentisch sein: Kommt mir ein guter Spruch in den Sinn, bringe ich ihn, sonst sage ich lieber nichts. Sieht ein Konzept vor, dass ich um viertel nach acht glatt bin, tönt das auch so. Wir werden nicht Achtung, fertig, lustig und Achtung, fertig, seriös sein – und uns selbst auch nicht allzu ernst nehmen. Aber: Wir wollen Stadtgespräch sein, sei es wegen der Musik, den DJ-Sendungen oder den Moderatoren.

Wer moderiert auf Radio 105?
Wir wollen spannende Leute auf dem Sender, denen wir vertrauen und die gewisse Freiheiten geniessen. Sie sollen nicht wie Mc Donald’s-Angestellte immer dieselben Abläufe ausführen. Sie dürfen anecken – und nerven. Hauptsache, sie haben Charakter. Wir haben bewusst niemanden von der Konkurrenz übernommen, schliesslich wollen wir uns eine eigene Identität schaffen. Ich bin mit Quereinsteigern immer gut gefahren.

Werden Sie auch zum Mikrofon greifen?
Nein, dieses Bedürfnis habe ich nicht. Ich halte den Kopf hin, wenn es sein muss, sonst walte ich lieber im Hintergrund. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2009, 21:18 Uhr

10 KOMMENTARE

zita zanier

27.05.2009, 13:41 Uhr

@fredy hutz: anscheinend sind sie mit den fakten nicht vertraut. primär hat sich nicht energy, sondern roger schawinski jahrelang 105 in den weg gestellt. zudem ist es eine tatsache, dass trotz angebote seitens 105 keine energy-mitarbeiter abgeworben werden konnten. energy kämpft weiter für seine mitarbeiter und über 270'000 zuhörer!


fredy hutz

26.05.2009, 13:45 Uhr

Nein, nein. Zynismus ist etwas ganz anderes: Energy hat jahrelang versucht, 105 zu verhindern (durch kräftiges Lobbying hinter den Kulissen). Paralell dazu hat Energy damals einen Hobbysender Namens DJ Radio künstlich aufgebaut, in der Meinung, man hätte dann zwei Konzessionen bzw. zwei Sender. Und nun hat man nicht mal eine und Scaglione hat zwei! Das ist Zynismus...oder Gerechtigkeit....


Fredy Hitz

26.05.2009, 12:58 Uhr

@ Hr. Hutz: haben Sie das Interview oben GELESEN??? Nix falsche Thesen: Im November hat Scaglione NRJ Leuten Jobs angeboten...und jetzt sagt er er WOLLTE BEWUSST keine einstellen. Nur um den Zynismus geht's. Wünsche 105 trotzdem viel Erfolg


fredy hutz

26.05.2009, 12:50 Uhr

Wieso NRJ4EVER? Energy hat doch gar keine Konzession mehr? Akzeptiert das doch, statt hier falsche thesen über 105 in die Welt zu setzen. Und: Wieso sollte Scaglione keine Mitarbeiter von der Konkurrenz bekommen haben, wenn er gewollt hätte? So arrogant könnte ja niemand sein, einen Job bei 105 abzulehnen, wenn er bei seinem alten Sender bald arbeitslos ist, oder?


Fredy Hitz

26.05.2009, 12:39 Uhr

Scaglione sagt, dass er BEWUSST niemanden von der Konkurrenz übernommen hat. Ist ja OK so! Aber: war es nicht er selber, der nach dem Konzessionentscheid Inserate geschaltet hat, in denen es hiess: "Liebe Radio Energy Mitarbeiter, auch ihr müsst nicht traurig sein. Es gehen für Euch neue Türen auf." Doch eher zynisch aus meiner Sicht. Ob er wohl besser ankommt als Radio1 bei den Alten? NRJ4EVER


daniel stern

26.05.2009, 11:38 Uhr

tja, genau solche versprechen haben wir schon mal vor kurzem gehört. nämlich von roger schawinski. eingehalten hat er sie aber nicht mal im ansatz. bleibt abzuwarten was scaglione abliefert... ach ja: könnte es auch sein dass scaglione keine moderatoren von der konkurrenz übernommen hat weil er niemand gekriegt hat?


zita zanier

26.05.2009, 10:03 Uhr

wir werden sehen inwiefern sich das "neue" radio tatsächlich abhebt und inwieweit es die konzession erfüllt. man muss sich aber bewusst sein, dass wir und über 200'000 hörer mit radio energy ein gut funktionierendes radio verlieren, über 60 arbeitsplätze gehen drauf und auch das gratis-konzert "energy stars for free". sowas gibts nur in der schweiz! tragisch! es müsste doch beides möglich sei!


Andreas Bannwart

26.05.2009, 07:59 Uhr

Endlich! Ein belohnter Kämpfer für geplagte Ohren, dem einiges zuzutrauen ist! Nur; der kleine Schlag ins Gesicht für jeden neugierigen Hörergeist folgt umgehend: Kaiser Chiefs & Konsorten. Wär hätte den "Ruby" nicht am liebsten selbst schon erlegt. Dennoch; Die angekündigte Authentizität mit der Portion Frechheit rockt. Sinnbildlicher Bandtipp: "Schrottgrenze". Ab UKW 105 Qualität durch Vielfalt.


Mark Reiber

26.05.2009, 07:57 Uhr

klingt vernünftig, was Scaglione hier sagt, und es lässt natürlich hoffen. ich bin musikfan, versorge mich tagsüber aber schon seit längerer zeit via ausländische internetradios mit guter, abwechlungsreicher musik. was der deutschschweizer popradiomarkt zu bieten hat, ist mehr als jämmerlich, so auch Schawinski mit seinem neuen (uralten) radio. werde sicher erwartungsfroh bei radion 105 reinhören.


sebastian schmid

26.05.2009, 05:57 Uhr

ich freue mich riesig auf das neue radio! endlich ist es soweit! die konkurrenten von radio 105, allen voran radio energy, haben lange genug versucht, dieses neue radio zu verhindern. aber der durchhaltewille von 105 hat sich gelohnt. nun kann es losgehen. die zürcher jugend freut sich!



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