Zürich
Was ist eigentlich ein Pfafferöhrli?
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 28.07.2009
«Vieles ist Faulheit in der Entwicklung einer Sprache»: Heinz Gallmann.
Heinz Gallmann
Der Meilemer Heinz Gallmann hat das «Zürichdeutsche Wörterbuch» neu erarbeitet. Mehr als 600 Seiten stark ist das Werk, das laut einem Bericht in der NZZ ab 24. September 2009 im Handel erhältlich sein wird. Der 72-jährige Heinz Gallmann ist selbst in Meilen aufgewachsen. Vier Jahre lang hat er für das Werk geforscht. Entstanden ist ein Nachschlagewerk mit zahlreichen Tabellen, Grafiken, Rezepten aus dem Kanton und Geschichten rund um die Eigenheiten Zürichs.
Das «Zürichdeutsche Wörterbuch» erscheint im Verlag NZZ Libro und kostet 54 Franken.
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Sie haben Züritüütsch vier Jahre lang erforscht. Welche Wörter sollte man als Nicht-Zürcher unbedingt kennen, damit man überhaupt verstanden wird?
Das lässt sich nicht so leicht beantworten. Es gibt grosse regionale Unterschiede punkto Dialekt und Aussprache. Viele glauben beispielsweise, dass das typische Zürcher Wort für Butter Anke ist. Aber nördlich der Thur sagt man eben doch Butter.
Also ist Züritüütsch ein Allerweltsdialekt?
Nein, aber im Gegensatz zu anderen Kantonen hat Zürich keine für den Dialekt relevante topografische Gliederung: Es gibt keine Bergketten oder Wasserläufe, die die unterschiedlichen Sprachregionen trennen und zu markanten Eigenheiten der Dialekte führen. Einzig die Thur, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein eigentlicher Sumpfstreifen war, bildete eine geografische Sprachgrenze.
Was hat Sie am Zürcher Dialekt überrascht?
In einzelnen Berufsgattungen existiert ein eigentlicher «Slang». Es gibt viele Bauern im Kanton. Sie haben Dialektausdrücke gepflegt, so konnten sie sich gut halten. Löwenzahn heisst zum Beispiel Chrotteblume, Chrottepöschen, Chrottestöck, Pfafferöhrli, Söistöck, Söiblueme, Milchlig, Buggele, Chettlestöck und so weiter. Das sind noch nicht einmal die Hälfte aller Ausdrücke, die ich gefunden habe. In anderen Bereichen konnten sich eigenständige Dialektausdrücke durch die zunehmende Mobilität und den Austausch zwischen den Kantonen und Nationen kaum halten.
Macht die Globalisierung der Mundart den Garaus?
Das ist wohl etwas hoch gegriffen. Viele Ausdrücke kennt man noch. Sie sind aber nicht mehr Teil des aktiven Wortschatzes. Gewisse Dinge gehen verloren. Das ist zwar schade, lässt sich aber nicht aufhalten. Pflüge in herkömmlicher Art gibt es beispielsweise nicht mehr, deswegen sind die Begriffe dafür auch obsolet geworden.
Haben sich durch den internationalen Austausch neue Begriffe gebildet?
Ja, sie stammen vor allem aus dem Deutschen Sprachraum und aus dem Englischen. Nicht immer ist die Bedeutung des Wortes die gleiche. Man spricht zum Beispiel davon, dass man einen Computer bootet. Im Züritüütsch gab es den Ausdruck «buute» schon lange. Hier bedeutet es allerdings ein Kind auf dem Arm wiegen.
Gibt es eigentlich eine Rechtschreibung im Züritüütsch?
Es gibt keine fixen Regeln sondern Anregungen. Die Worte sollen die Lautung, die Aussprache möglichst genau ausdrücken und das Schriftbild soll dem vertrauten Hochdeutsch möglichst ähnlich sein.
Und warum ignorieren Zürcher bei der Aussprache Doppelkonsonanten ständig? Ist es pure Faulheit?
Ja, vieles ist Faulheit in der Entwicklung einer Sprache – es ist aber auch eine Vereinfachung. In der Mundart kann sich etwas einfach abschleifen.
Glauben Sie, dass Ihr Buch dazu beitragen kann, Zürcher besser zu verstehen?
Ja, sicher. Aber ich würde mich freuen, wenn sich die Leser nicht nur für das Wort interessieren, sondern auch für das Drumherum, für die Geschichte. Es enthält viele Tabellen, Grafiken und Hintergrundinformationen. Ich hoffe, dass man so die Zürcher Sprache besser verstehen kann – auf eine vergnügliche Art, die zum Schmunzeln verleitet.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2009, 14:03 Uhr
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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