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Was wäre, wenn? Zürich im Zeichen der Schweinegrippe

Von Liliane Minor und Roger Müller. Aktualisiert am 21.07.2009 2 Kommentare

Wenn die Schweinegrippe voll zuschlägt, funktioniert nicht mehr alles wie gewohnt. Doch der Güsel wird weiter zuverlässig abgeholt.

Zuerst springen Aushilfen ein. Reicht das nicht mehr, gibt es einen Notfall-Fahrplan. Die Abfuhr hingegen kommt wie gewohnt, denn Hygiene ist wichtig. A-Post braucht möglicherweise zwei Tage.

Zuerst springen Aushilfen ein. Reicht das nicht mehr, gibt es einen Notfall-Fahrplan. Die Abfuhr hingegen kommt wie gewohnt, denn Hygiene ist wichtig. A-Post braucht möglicherweise zwei Tage.
Bild: Beat Marti, Tom Kwara/Keystone

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Bis zu 1,5 Millionen Schweizerinnen und Schweizer könnten im Herbst an der Schweinegrippe erkranken, schätzt der Bund. Nun kommen die Pandemiepläne zum Einsatz, die seit der Vogelgrippe im Jahr 2006 in den Schubladen vieler Betriebe bereit liegen. Mitarbeiter sind mit Schutzmasken versorgt worden, vor allem dort, wo die Angestellten direkten Kontakt zu Kunden haben.

Bei der Zürcher Kantonalbank und am Flughafen dürfen die Mitarbeitenden auf Wunsch heute schon Masken tragen. Bricht die Epidemie voll aus, soll der Kundenkontakt vielerorts eingeschränkt werden. Bei den Check-in-Schaltern am Flughafen soll beispielsweise ein Tröpfchenschutz montiert werden; die ZKB will persönliche Beratungsgespräche reduzieren; Pöstler sollen den Kontakt mit Briefempfängern kurz halten und Handschuhe und Masken tragen.

Drei Monate mit der Hälfte des Personals

Oberstes Ziel vor allem für Dienstleistungsbetriebe ist es, die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Die Betriebe der Stadt Zürich etwa müssen in der Lage sein, während dreier Monate mit nur der Hälfte des Personals zu funktionieren.

Die Abfallentsorgung hat eine wichtige Rolle, nur schon, weil sich die Krankheit beispielsweise über gebrauchte Taschentücher weiterverbreiten kann. Abfuhr, Kehrichtverbrennung, Strassenreinigung und Abwasserreinigung dürfen möglichst nicht eingeschränkt werden. «Die Hygiene hat auf öffentlichem Grund hohe Priorität», erklärt Leta Filli von Entsorgung und Recycling Zürich. Andere Dienste der Stadt könnten eingeschränkt werden, etwa private Aufträge oder die Altpapiersammlung.

Die Grossverteiler Migros und Coop haben bereits bekannt gegeben, dass sie auf jeden Fall die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aufrechterhalten werden. Welche Lebensmittel zum Notvorrat gehören, hat der Bund festgelegt. Fallen zu viele Verkäuferinnen und Verkäufer aus, wollen die Grossverteiler in erster Linie Läden schliessen, die keine Nahrungsmittel verkaufen, damit die Lebensmittelgeschäfte genügend Personal zur Verfügung haben. Eingeschränkt werden könnte auch der Offenverkauf.

Die Fahrpläne im öffentlichen Verkehr könnten im schlimmsten Fall auch ausgedünnt werden. Während die SBB den Verkehr nur auf wenig frequentierten Linien reduzieren wollen, würden die VBZ alle Linien leicht einschränken. Das ist aber vorerst noch ein Extremszenario. Die VBZ wollen zuerst mit Aushilfen über die Runden zu kommen. «Wir haben Angestellte, beispielsweise im Büro, die wir im Notfall auch in der Leitstelle oder im Fahrdienst einsetzen könnten», sagt Pressesprecher Andreas Uhl. Sollte das nicht reichen, gibt es bereits fertige Notfall-Fahrpläne, die mit den SBB abgestimmt sind.

Im Flugverkehr gäbe es wahrscheinlich mehr Einschränkungen, weil beispielsweise Piloten und Fluglotsen nicht so einfach durch Hilfspersonal ersetzt werden können. «Für die Passagiere gibt es hingegen keine speziellen Vorkehrungen oder Einschränkungen, weil die Schweinegrippe nicht so gefährlich ist wie etwa die Lungenkrankheit Sars», sagt Unique-Sprecherin Sonja Zöchling. Erkrankt also jemand auf einem Flug, werden die übrigen Passagiere nicht gewarnt.

Die Post geht davon aus, dass der Betrieb Ausfälle von bis zu 25 Prozent verkraften kann, ohne dass die Grundversorgung gefährdet ist. «Wir müssten dann aber Abstriche bei der Qualität machen», sagt Richard Pfister, Leiter der Medienstelle. «Beispielsweise könnten wir kaum mehr alle A-Post-Briefe am nächsten Tag zustellen.» Andere Sendungen hingegen würden mit höherer Priorität ausgeliefert, etwa Medikamente.

Die Stromversorgung ist kaum gefährdet, heisst es bei den EKZ. «Das Netz kann von relativ wenig Personen von einer Leitstelle aus gesteuert und überwacht werden», sagt Pressesprecherin Ladina Camenisch. Auch Notreparaturen, etwa nach einem Blitzschlag oder einem Sturm, seien sichergestellt. Reduziert werden könnten etwa die Arbeiten am Netzausbau, wenn nicht mehr genügend Mitarbeiter einsatzfähig sind.

In den Alters- und Pflegeheimen könnte die Lage schwierig werden, denn die Pflege kann nicht beliebig reduziert werden. «Wir würden von drei achtstündigen auf zwei zwölfstündige Schichten umstellen, um Personal zu sparen», sagt Marlies Petrig, Geschäftsleiterin des Krankenheimverbands Zürcher Unterland. Alle Heime vorsorglich unter Quarantäne zu stellen, sei aber vorerst kein Thema. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2009, 23:14 Uhr

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2 Kommentare

ruth leemann

21.07.2009, 10:21 Uhr
Melden

Ferner sollte man auch ein Ein-/Ausreise-Verbot / Stop's verhängen. sowie Grossanlässe verbieten, nur so kann man die Schweinegrippe unter Kontrolle bringen. Antworten


Hanspeter Ehrat

24.07.2009, 11:03 Uhr
Melden

Man kann so eine Grippe mit ihren Horrorszenarien auch richtiggehend heranschreiben. Jeden Tag neue noch schrecklichere Meldungen, was dann alles verboten wird. Am besten man geht gar nicht mehr aus dem Hause. Nur was ich vermisse bei den vielen Meldungen ist. Wie lange wird die Pandemie anhalten? Wer kann mir das sagen? Ich jedenfalls nehme jeden Tag wie er kommt. Antworten



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