Wenn Pferdeäpfel die Hündeler nerven

Mancherorts gleicht der Waldspaziergang einem Slalomlauf um Pferdeäpfel. Trotzdem bezahlen die Reiter weder Pferdesteuern noch müssen sie den Mist selbst entfernen. Für viele Hündeler eine Ungerechtigkeit.

Hundehaufen müssen weg: Halter sind mit Robidog-Säcken ausgerüstet.

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Mund zu und durch. Ein Schwarm blau glänzender Schmeissfliegen stiebt von den Rossäpfeln auf, die mitten auf dem Waldweg liegen. In manchen Naherholungsgebieten in und um Zürich gleicht der Waldspaziergang einem Slalom um Pferdemisthaufen. «Und ich packe bei jedem Pfupf, den mein Hund macht, ein Säckli aus und entsorge den Kackel», schimpft eine Frau mit Dackel, welche gleich zwei gefüllte Plastiktütchen umständlich mit sich trägt, weil der nächste Robidog-Kübel erst am Waldrand steht. «Weshalb müssen die Rösseler nicht auch den Mist ihrer Tiere entsorgen?»

Pferdebesitzer bezahlen keine Steuer

Angelika Nido aus Wallisellen, Chefredaktorin des Schweizer Pferdemagazins «Kavallo», wird regelmässig mit solchen Klagen konfrontiert: «Vor allem Hundehalter fühlen sich ungleich und ungerecht behandelt.» Stimmt. Die Frau mit Dackel wettert nämlich weiter: «Dann bezahlen wir erst noch Hundesteuern und die Rösseler nichts.» Tatsächlich kennen landesweit bisher nur wenige Gemeinden eigentliche R0ssbölle-Steuern. Im Kanton Zürich wurde im Juni 2005 eine Einzelinitiative für eine Pferdesteuer mit zu null Stimmen bachab geschickt. Auch der Aargauer Grosse Rat hat 2002 eine Pferdesteuer abgelehnt.

In Zürich scheiterte der Vorstoss nicht zuletzt, weil der Verein Pferd und Umwelt im Vorfeld für eine freiwillige Abgabe von 100 Franken pro Reiter weibelte, welche tatsächlich seither in verschiedenen Regionen wie im Tösstal und im Raum Winterthur und Uster eingeht. Wie Werner Hürlimann, Alt-Kantonsrat aus Freudwil und Kommissionspräsident von Pferd und Umwelt, erzählt, kommen so jährlich gut 60'000 Franken zusammen, die vor allem für den Wegunterhalt eingesetzt werden.

Vier-Liter-«Robihorse»-Säcke

In der Region Heitersberg zwischen Dietikon und Mutschellen, wo viele Pferdestallungen stehen, federn Waldläufer zuweilen über einen Teppich von Pferdedung. Laut Revierförster Peter Muntweiler fällt auf den Waldwegen tatsächlich viel Pferdemist an. «Aber Probleme damit haben wir eigentlich nicht.» In den umliegenden Gemeinden gehen zwar wegen «Rossbölle» regelmässig Reklamationen ein, doch ist das Auflesen der Äpfel nirgends Pflicht. Nicht praktikabel, heisst es allenthalben.

Angelika Nido unterstreicht diese Aussage: «Pferde hinterlassen nicht kleine Haufen, über die man ein Säckchen stülpen könnte - wir müssten drei bis vier Liter fassende Taschen und zudem Schaufeln mittragen.» Doch was spricht gegen Pferdewindeln wie bei den Fiaker-Pferden? «Das geht bei Kutschenrössern, aber nicht bei trabenden Pferden.» Könnte man dann nicht wenigstens die Pferde hinhalten, bis sie am Wegrand oder im Wald sind. «Schwierig: Pferde können während des Gehens koten. Es ist oft beim besten Willen unmöglich, sie davon abzuhalten. Wenn es den Schweif hebt, kommts.»

Auch beim Dackel kommts, wenn er das Bein hebt. Doch kleine Tiere, kleine Sorgen, grosse Tiere, grosse Sorgen, müsste man seinem Frauchen entgegnen. Und die Waldläufer seien so weit beruhigt: Inhalieren sie einmal versehentlich eine jener von Pferdeäpfeln aufstiebenden Schmeissfliegen, ist das zwar eklig, aber nicht gesundheitsschädigend. Die Fliegen übertragen laut Beat Wermelinger, Insektenforscher an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf, keine ernsthaften Krankheiten.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.06.2009, 08:40 Uhr)

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