Zürich
Westumfahrung: Die Ruhe vor dem Sturm
Von Hélène Arnet. Aktualisiert am 01.04.2009
Dossier
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Hallende Schritte, endlose Gänge, fernes Rumoren aus der Aussenwelt. Irgendwo tropfts. Würde Graham Greenes Novelle «Der dritte Mann» neu verfilmt, müsste sich der Showdown statt in Wiens Kanalisation in den Eingeweiden des Uetlibergtunnels abspielen. Der 4,4 Kilometer lange Tunnel bietet alles, was Klaustrophobe fürchten, und viel mehr, als der Laie ahnt. Das Schlüsselbauwerk der Westumfahrung Zürich durchfährt die zwei parallel verlaufenden Hügelzüge Ettenberg und Uetliberg teilweise mehr als 300 Meter unter Boden und senkt sich von der Filderen bei Wettswil in Richtung Brunau mit 1,6 Prozent.
Im Reppischtal unterquert der Tunnel den Bach nur durch eine 1,4 Meter starke Betondecke getrennt. Diese 220 Meter im Tagbau erstellte Tunnelstrecke bietet eine Kreuzungsmöglichkeit des Verkehrs zwischen den beiden Röhren - ein Unikum in der Schweiz. Ist eine Röhre unpassierbar, kann der Verkehr mitten im Tunnel in die Gegenröhre geleitet werden. Ausserdem befindet sich hier die Lüftungszentrale. Vier Axialventilatoren, gross wie Lastwagenräder, starren hinter Gittern. Drehen sie los, muss der Sog gewaltig sein. Und der Lärm ohrenbetäubend. «Zu laut», sagt Otto Schnelli, Projektleiter des Uetlibergtunnels. Bei einem Probelauf beschallten sie die Häuser am Wettswiler Hang. Nach Lärmmessungen vor Ort wurden Schalldämpfer eingebaut.
12 Meter Tunnel pro Tag
Hier unten ist die Welt in Schwarzweiss. Harte Schatten und irgendwie surreal. Ein langer Stollen endet in einem senkrechten, sechzig Meter hohen Schacht, der ans Tageslicht führt. Als ob man in einem gewaltigen Ziehbrunnen sitzen und gegen den Himmel schauen würde. Der Abluftkamin Eichholz. Ist die Luft im Tunnel zu belastet oder brennt es gar, gehen die Turbinen in Betrieb und saugen die Luft ab, damit sie aus dem Kamin entweichen kann. Im Normalfall sollte aber die Entlüftung durch die Tunnelportale ausreichen. «Die Fachleute gehen davon aus, dass bereits in ein paar Jahren die Autos so sauber sind, dass eine Umweltlüftung in solchen Tunnels nicht mehr nötig sein wird», sagt Schnelli. «Gebraucht wird sie dann nur noch für den Brandfall.»
Tunnel mit einzigartigem Verfahren gebohrt
Die unterschiedlichsten Ausbruchverfahren fanden beim Uetlibergtunnel Anwendung, weil der Berg ein vielfältiges Innenleben hat. Gesprengt, gebohrt, ausgebrochen. Durch die 2800 Meter lange Molassestrecke unter dem Uetliberg wurde zuerst mit einer Tunnelbohrmaschine ein Pilotstollen mit fünf Meter Durchmesser erstellt, der anschliessend mit einer Ausweitungsbohrmaschine in der Hinterschneidtechnik auf das Vollprofil von 14,4 Meter ausgeweitet wurde.
«Diese Hinterschneidtechnik für einen solch grossen Durchmesser kam weltweit das erste Mal zum Einsatz und hat funktioniert», erzählt Schnelli. Hinterschneidtechnik? Ein Versuch, Schnellis begeisterte Ausführungen zusammenzufassen: Herkömmliche Tunnelbohrmaschinen lösen das Gestein mit senkrecht auf die Tunnelbrust gerichteten Rollenmeisseln. Bei der Hinterschneidtechnik sind die Schneidrollen so angeordnet, dass sie sich im Fels festkrallen und ihn nicht unter Druck, sondern unter Zug belasten. Dadurch löst sich Gestein mit tieferem Energieaufwand.
50 Meter unter Häusern gesprengt
In gebückter Haltung eilt Schnelli in ein niederes Gewölbe. Alle 100 Meter steht ein Kistchen. Brandklappen. Er öffnet eine, und wir schauen direkt auf die Fahrbahn hinunter. Im Notfall kann hier Rauch abgesogen werden. Doch hat der Tunnel nicht nur einen «Estrich», sondern auch einen «Keller», durch den in einem Werkleitungskanal sich endlose Kabelstränge ziehen.
«Tunnelbau ist nie eine 08/15-Arbeit», betont Schnelli. So unterquert der Uetlibergtunnel mit nur sieben Meter Abstand den bald 150 Jahre alten Landikontunnel der SBB. Ein schwieriges Unterfangen. Im Raum Heidenchilen in Wettswil musste fünfzig Meter unter einem Wohnquartier gesprengt werden. Die Anwohner erlebten den Tunnelbau wegen der Erschütterungen hautnah mit. Und das Portal in der Brunau liegt im Gebiet des einstigen Waffenplatzes Zürich. Als Altlast mussten 40'000 Kubikmeter Material abgetragen werden. Unter grössten Vorsichtsmassnahmen, weil mit Blindgängern zu rechnen war. Explosionen gab es keine, doch stiess man überraschend auf drei 50-Pfünder-Mörserkugeln aus dem Jahr 1844.
Am 7. Juni 1999 war Spatenstich für den Uetlibergtunnel, der Durchschlag im Vollprofil erfolgte am 1. Februar 2005. Der Bau war im letzten Herbst bis auf die Elektronik fertig. Er kostet 1169 Millionen Franken. Schnelli erzählt von der anspruchsvollen und bereichernden Zusammenarbeit mit den Behörden von Bund, Kanton und Gemeinden. Von den interessanten Gesprächen mit Anwohnern. Vom grossen Respekt gegenüber den unzähligen Fachleuten und Mitarbeitern der Ingenieur- und Baufirmen. Für ihn selbst war es der letzte Tunnel. Er geht demnächst in Pension, und sein Fazit lautet: «Es war mir nie langweilig.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.04.2009, 14:27 Uhr
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



