Zahl deutscher Zuwanderer bricht alle Rekorde

Über 14'000 Deutsche sind innerhalb eines Jahres in den Kanton Zürich gezogen. Der sprunghafte Anstieg macht die Deutschen zu der mit Abstand grössten Ausländergruppe.

Zuwanderung deutscher Staatsangehöriger in Zürich

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Die Zahl deutscher Staatsbürger im Kanton Zürich explodiert förmlich: Allein im Zeitraum von August 2007 bis August 2008 sind laut dem Bundesamt für Migration in Bern 14 332 Deutsche in den Kanton Zürich gezogen. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl der Stadt Opfikon. In den zwölf Monaten zuvor waren noch 5424 Deutsche nach Zürich eingewandert.

Gemäss den neuesten erhältlichen Zahlen vom September wohnten und arbeiteten im Kanton Zürich total 66 112 Deutsche. Das sind so viele, wie die Städte Dübendorf, Dietikon und Wetzikon zusammen Einwohner haben. Die Deutschen hatten erst vor einem Jahr die Italiener als grösste Ausländergruppe in Zürich abgelöst. Jetzt setzen sie sich an der Spitze der Ausländerrangliste immer deutlicher ab. Die Deutschen stellen nun auch mehr Ausländer im Kanton Zürich als die Einwanderer aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien zusammen.

Der Hauptgrund für die weiter beschleunigte Zuwanderung aus Deutschland liegt nach Angaben von Alfred Schmutz, dem Statistiker des Bundesamts für Migration, in der vollständigen Personenfreizügigkeit. Diese gilt für die Bürgerinnen und Bürger der 15 «alten» EU-Staaten (sowie für Malta und Zypern) seit dem 1. Juni 2007. Vollständige Freizügigkeit heisst, dass es keine zahlenmässige Begrenzung für die Zuwanderung von Personen aus diesen Staaten gibt, die in der Schweiz eine Arbeitsstelle erhalten. Bereits vorher hatten besonders viele Deutsche von der damals noch durch Kontingente geregelten Freizügigkeitsregel profitiert. Das hängt mit der Nähe und – was die Deutschschweiz und damit auch Zürich betrifft – mit der Sprache zusammen.

Auch das Missbehagen steigt

SVP-Alt-Bundesrat Christoph Blocher hatte letzte Woche bei einem Vortrag bei Türken in Zürich vor Integrationsproblemen gewarnt – aber nicht wegen der verhältnismässig wenigen Türken in der Schweiz, sondern wegen der Deutschen. «Integration ist immer vor allem eine Frage der Zahl», sagte Blocher.

An der Uni Zürich hat die grosse Zahl deutscher Professoren und Assistenten im vergangenen Winter bereits zu einem handfesten Krach geführt, als ein Studentenvertreter die «Germanisierung» der Uni beklagte.

Die vor acht Jahren aus Deutschland in die Schweiz gezogene Kommunikationsfachfrau Susanne Franke beobachtet, dass sie selber und ihre schon seit längerem in der Schweiz wohnenden Landsleute ebenfalls ein zunehmendes Missbehagen fühlen: «Wenn ich im Zug ein überlautes Telefongespräch höre, weiss ich genau, dass das ein Landsmann ist.» Sie getraue sich dann gar nicht mehr, jemand anders anzusprechen, um nicht mit «den Deutschen» in einen Topf geworfen zu werden: «Viele Deutsche in der Schweiz sind sich über die kulturellen Unterschiede gar nicht bewusst und werden darum als arrogant wahrgenommen.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.11.2008, 22:58 Uhr)

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