Zürich
Zürich will 80 Meter langes Haus verschieben
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 16.04.2009 18 Kommentare
Das markante Backsteinhaus neben dem Bahnhof Oerlikon muss zwei neuen Gleisen weichen. Um den historischen Bau aus der Industriezeit von Zürich Nord zu retten, will die Stadt das Haus um 63 Meter nach hinten versetzen.
Der Aufwand, um das 5600 Tonnen schwere Gebäude zu verschieben, ist nicht nur technisch enorm (siehe Artikel links). Die Zügelaktion ist auch teuer: Auf rund 7 Millionen Franken schätzt das Hochbaudepartement die Kosten. Darin enthalten sind auch der Keller und die Instandsetzung am neuen Ort, wie Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, sagt.
Denkmalschutz fehlt
«Es ist ein wichtiger Zeitzeuge und optisch ein starker Bezugspunkt», begründet Spinner das aufwändige Vorhaben. Geschützt ist das 80 Meter lange Haus jedoch nicht. Der Denkmalschutz hat es nicht einmal in das Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen. «Das hätte wenig gebracht, da der Planungsperimeter der SBB seit längerem vorsieht, dass die Gleisfelder auf das betroffene Gebiet erweitert werden können», sagt Spinner.
Auf die Verteilung der Zügelkosten hätte ein Schutz keinen entscheidenden Einfluss. Grund: Eine Hausverschiebung ist nicht im Sinn und Geist des Denkmalschutzes, da die Ursprünglichkeit eines Objektes sehr stark mit dem Standort verbunden und für sein Verständnis wesentlich ist, wie Spinner sagt.
Die Zeit drängt
Wer wie viel für die Verschiebung bezahlt, verhandelt die Stadt derzeit mit den Beteiligten. Der ABB gehört die heutige Liegenschaft, der Swiss Prime Site der neue Standort und die SBB bezahlen zumindest für das benötigte Gelände.
«Über die mögliche Finanzierung können wir erst nach Abschluss der Verhandlungen informieren», sagt Urs Spinner vom zuständigen Hochbaudepartement. Offen ist auch, wie viel die Stadt für den Erhalt des historischen Gebäudes aus dem Jahr 1892 bezahlt.
Wenn sich die Parteien nicht bald über die Verschiebung einigen, droht dem Haus der Abbruch. Spätestens bis im Sommer muss die Planung beginnen, damit eine Verschiebung im nächsten Jahr möglich ist. Die Mieter - ein Restaurant sowie Kommunikations- und Werbefirmen - sind informiert, dass ihre Räume auch verschwinden könnten. Die SBB will auf jeden Fall 2011 mit der Erweiterung der Gleise beginnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.04.2009, 08:14 Uhr
WRITE A COMMENT
18 Kommentare
Der allerletzte Zeuge der Industriegeschichte, die uns reich gemacht hat, ist sehr wohl etwas wert. Das Haus soll ja nur abgerissen werden, weil mehr Geleise gebaut werden sollen für die Durchmesserlinie, die ja dann mehr als 3000 Millionen kosten soll - da sollte für damit verbundene "Schäden" schon etwas übrig sein - sonst verliert Oerlikon bald endgültig seine Seele. Welcome to Suburbia ! Antworten
Das Haus ist das älteste Haus der damaligen MFO und wohl auch bald das letzte. Darum ist ein erhalt erstrebenswert und es darf nicht am Geld scheitern. Ansonsten wird diese Seite vom Bahnhof nur noch von Neubauten über deren ästetischen Wert diskutieren kann dominiert. Aber das ist nur meine Persönliche Meinung als Einwohner (seit 30 Jahren) von dem Gebiet. Antworten
Das ist eine tolle Idee, ich schlage aber stattdessen vor, das Haus entsprechend auszuhöhlen, so dass die Eisenbahn durch das Gebäude hindurch fährt. Für diese Variante müsste nur das Parterre sowie das erste Obergeschoss geopfert werden. Dies brächte viel mehr Vorteile: Das Haus könnte so belassen werden / die Kosten wären drastisch geringer / die SBB bekämen so zu einem neuen aufregenden Sujet. Antworten
Es ist überhaupt nicht einzusehen, weshalb ein Gebäude, das nicht einmal ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen ist, auf Kosten der Allgemeinheit "verschoben" werden soll. Die ABB ist als Eigentümer der Immobilie nicht arm und kann den Stutz selber aufbringen. Ständen an gleicher Stelle Hütten armer Bürger, würden diese vom Bund (SBB) einfach enteignet und die Häuser abgebrochen. Antworten
Das ehemalige Verwaltungsgebäude soll für viel Geld verschoben werden. Eine teure aber gute Lösung für Oerlikon. Wenn nämlich dereinst die sogenannte Eventhalle 550 abgerissen wird, werden künftige Generationen noch sehen können, wie ein Backsteingebäude ausgesehen hat. Inmitten neuerster Bautechnik ist dieses Gebäude nach wie vor sehenswert. Antworten
Zweckbauten müssen den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Bloss weil etwas alt ist und Bausubstanz, ist es noch lange nichterhaltenswert. Wo Wohnungen und 3000 Krippenplätze fehlen, kann man mit den 7 Millionen Franken Gescheiteres bewegen als ein altes Gemäuer. Antworten
Schaut doch mal z.Bsp. Shanghai oder Dubai an: Dort wird geklotzt was das Zeug hält. Millionen in neue Gebäude gesteckt, anstatt dass der Staat das Geld für 'Notwendigeres' gebraucht. In der Schweiz hingegen haben wir ein funktionierendes Sozialsystem, darum darf man auch einen Schritt weiter gehen und historische Gebäude schützen. Shanghai hat alles Historische zerstört: Modern aber ohne Charme! Antworten
Wie dekadent muss eigentlich unsere Gesellschaft noch werden? Da will man um's verecken jeden Hasenstall erhalten (wie z.B. auch das unselige Kongresshaus). Man erstarrt für unschöne Gebäude in der Vergangenheit. Ich stelle mich nicht dagegen, dass man wirklich wertvolle, schöne Bausubstanz erhält aber irgendwelche mittelmässige Hütten kann man wirklich abreissen. Antworten
Finde ich ein tolle Idee. Das Gebäude ist ein der letzten Zeugen der Industrie in Neu Oerlikon.Wenn wir genügende Geld haben um bei Schwammedingen für mehrere hundert Millionen einen Deckel auf die Autobahn zu setzen, dann können wir uns auch das leisten. Antworten
Ich finde es sinnvoll, dass man aucheinmal ein Gebäude erhalten will, das nicht im Inventar steht. Wenn man die Umgebung des Bahnhofs Oerlikon kennt kann man sich nicht vorstellen was ein Abriss des Gebäudes bedeuten würde. Sicher sind die meisten "Oerliker" gleicher Meinung. Ich hoffe, dass es zu einer Einigung kommt und der Gemeinderat den Kredit bewilligt. Antworten



Robert Maag-Bach
Grandios,wenn die Ingenieure dieses historische Gebäude so verschieben können. Viele Generationen von Mitarbeitern der MFO,BBC und ABB haben in diesem Bürogebäude gearbeitet.Ich selbst bin dort acht Jahre in der Personaleinstellung für BBC tätig gewesen.Beim Vorbeifahren mit der SBB bewundern meine beiden Enkel immer das historische Bürohaus.Ich wünsche gutes Gelingen für eine gute Sache! Antworten