Lahme Ticketautomaten nerven Zugreisende

Von Felix Schindler. Aktualisiert am 10.12.2008 163 Kommentare

Seit einem Jahr ist die neue Software der SBB-Ticketautomaten in Betrieb. Doch gerade zu Stosszeiten lahmt das System. Für Bahnreisenden heisst das oftmals: Zug verpassen oder Zuschlag in der Bahn zahlen.

Genug Zeit für den Ticketkauf einplanen: Auch ein Jahr nach der Einführung ist die Kritik an der neuen Software der SBB-Billetautomaten nicht verstummt. (Bild: Dominique Meienberg

Genug Zeit für den Ticketkauf einplanen: Auch ein Jahr nach der Einführung ist die Kritik an der neuen Software der SBB-Billetautomaten nicht verstummt. (Bild: Dominique Meienberg

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«Verdammter Mist, mein Zug fährt gleich», wettert die Frau vor dem Ticketautomaten im Zürcher HB und tippt energisch auf das Display. Nichts regt sich. Die Software hängt. Auch Marco Freudiger, der hinter ihr in der Schlange steht, will seinen Zug nicht verpassen. Er entschliesst sich, sein Ticket in der Bahn zu kaufen. Dort muss er allerdings einen Zuschlag von fünf Franken bezahlen. «Wenn die SBB funktionierende Infrastruktur bereitstellen würden, hätte ich mein Ticket rechtzeitig gekauft», protestiert er. Doch der Kondukteur lässt sich davon nicht erweichen und beharrt auf dem Zuschlag.

Zu Stosszeiten überlastet

Die Kritik an der neuen Software der SBB-Ticketautomaten reisst nicht ab. Viele Benutzer beklagen sich darüber, die Automaten seien langsam und die Bedienung kompliziert. Dabei versprachen die SBB genau das Gegenteil, als die neue Software vor einem Jahr eingeführt wurde. «Noch mehr Benutzerfreundlichkeit und einen schnelleren Zugriff auf die gewünschten Billete» hiess es damals in der Medienmitteilung.

«Die Geräte sind nicht autarke Systeme, sie greifen auf einen zentralen Server zu», erklärt Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB. «Zu Stosszeiten kann die Datenübertragung auch mal ein paar Sekunden länger dauern.»

Schuld an den manchmal langsamen Automaten sei laut Pallecchi der starke internationale Datenverkehr und der Run zu Stosszeiten – etwa am Freitagabend. «Selbst schnellere Server würden das Problem nicht lösen.» Für den Ärger der Bahnkunden hat er Verständnis, «doch jeder ist selbst dafür verantwortlich, genügend Zeit für den Billettkauf einzuplanen.»

Automaten ersetzen Ticketschalter

Ein weiterer Kritikpunkt an den Automaten betrifft die Benutzerfreundlichkeit. Nicht versierte Zugreisende sind mit der Bedienung oft überfordert. «Die Tickets, die am häufigsten benötigt werden, können in wenigen Schritten gekauft werden», sagt Pallecchi. «Dagegen braucht man für die Bestellung eines speziellen Tickets natürlich etwas mehr Zeit.»

Das liege daran, dass die Automaten «ein Stück weit» die Ticketschalter ersetzen und das Angebot entsprechend ausgebaut wurde. «Diese Automaten müssen über 4000 verschiedene Tickets verkaufen können», sagt Pallecchi. Dass ungeübte Benutzer damit überfordert sind, lässt Pallecchi nicht gelten. «Die meisten unserer Kundinnen und Kunden machen die Erfahrung, dass man nach einer kurzen Angewöhnungszeit die Tickets ohne Probleme lösen kann. Wenn Sie etwa eine neue Kaffemaschine kaufen, müssen sie auch erst lernen, wo man drücken muss.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2008, 11:37 Uhr

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163 Kommentare

Giovanni Baptista

10.12.2008, 12:19 Uhr
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Die beste Antwort der SBB auf das IT-Zeitalter sind die On-Line-Tickets. Dahinter klafft gähnende Leere. Verursacht durch ein fossiles Management, welchem das Mindset für IT-basierte Prozesse fehlt und eine Horde unfähiger, selbstverliebter IT-Freaks, welche in ihrer SBB-Laufbahn noch nie Feindkontakt mit einem echten Kunden hatten. Löst die Fossilien und die Freaks endlich ab. lumifer@gmx.net Antworten


Jens Müller

10.12.2008, 12:22 Uhr
Melden

Herr Pallecchi weiss offensichtlich nicht was einen kundenfreundlichen, effizienten Automaten ausmacht: er muss intuitiv bedienbar und strukturiert sein, also weder Angewöhnung noch Lernzeit erfordern. Ein weiterer Nachteil der SBB-Automaten, über den ich mich ärgere: man kann keinen Fahrplan abrufen. Was nützts ein Billet zu haben, wenn man dann nicht weiss, wann und wie die Verbindung dafür geht Antworten



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