Peter Spuhler investiert in Winterthur

Für 28 Millionen baut Stadler Rail eine Fabrik in Winterthur, in der Zug-Drehgestelle gefertigt werden. Für Stadler-Chef Peter Spuhler ein Vernunftentscheid.

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«Mit Nostalgie hat das nichts zu tun», sagte Peter Spuhler gestern Donnerstag beim Spatenstich für die neue Produktionshalle. Zwar liege ihm der Werkplatz Schweiz am Herzen, doch für Oberwinterthur habe er sich aus Vernunftsgründen entschieden, erklärte der Inhaber von Stadler Rail und SVP-Nationalrat. «Wir haben Standorte bis nach Rumänien evaluiert.»

Am Schluss sei Winterthur nur gerade rund 10 Prozent teurer gewesen als die billigsten Varianten im Ausland. Dort sind Rohstoffpreise und Transportkosten höher und machen einen Teil der tiefen Lohnkosten wett. Spuhler rechnet damit, dass der Unterschied in den nächsten Jahren noch kleiner wird, weil die Billigländer teurer werden.

Tradition wird weitergeführt

Für Winterthur hat dann letztlich doch auch die Tradition gesprochen. Hier gründete Charles Brown 1871 die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM, die 1961 an Sulzer überging. Als Sulzer zerfiel, entstand 2001 mit einem Management Buy-out die Winpro, die drei Jahre später wiederum von Stadler Rail übernommen wurde. Deshalb seien das Fachwissen und das Rekrutierungspotenzial in Winterthur gross, sagte Spuhler.

Auf dem alten Industrieareal in der Stadtmitte sind heute rund 180 Personen für Stadler tätig. Dort wird der Platz knapp; zudem will Sulzer das Gelände umnutzen. Als Ersatz bot Sulzer das Grundstück in Oberwinterthur an, wo früher die Kohle gelagert wurde und heute noch ein Gaskessel steht. Die grosse Industriehalle, die Stadler nun erstellt, wird mit einer Hektare einiges grösser als ein Fussballfeld sein. Halle und Grundstück kosten 22 Millionen Franken, weitere 6 Millionen investiert Stadler in den Maschinenpark.

Bis zu 200 Arbeitsplätze

Ab Ende 2009 wird Stadler am neuen Ort Zug-Drehgestelle mit modernsten Fertigungstechniken und Industrierobotern produzieren. 120 bis 140 Mitarbeiter werden aus dem bisherigen Werk in der Stadtmitte an den Stadtrand umziehen. Am alten Standort bleiben vorerst die Servicebereiche mit 45 bis 50 Mitarbeitern. Das neue Werk ist auf 600 Drehgestelle pro Jahr ausgelegt, die Kapazität kann auf 1200 erhöht werden, dann wären bis zu 200 Mitarbeiter nötig. Jürg Gygax, Chef von Stadler Winterthur, erwägt zudem, die Entwicklung der Drehgestelle von Bussnang nach Winterthur zu verlegen.

Die Stadler Rail Group mit Hauptsitz im thurgauischen Bussnang ist auf den Bau von Schienenfahrzeugen spezialisiert. Produziert wird an verschiedenen Standorten in der Schweiz sowie in Deutschland, Polen, Ungarn und Algerien. Die Gruppe beschäftigt über 2200 Personen. Stadler Rail kann das Drehgestell-Kompetenzzentrum realisieren, weil das Auftragsvolumen stark zugenommen hat: Vor drei Wochen kam ein Grossauftrag für 640 Millionen aus Norwegen, und im Juni hatten die SBB für eine Milliarde Franken 50 Doppelstockzüge für die Zürcher S-Bahn bestellt. Aus diesem Grund baut Stadler Rail auch das Werk in Altenrhein (SG) für 45 Millionen Franken aus.

Lange Zeit mit Winterthur geliebäugelt

Stadler hat längere Zeit mit einem Neubau in Oberwinterthur geliebäugelt. Ursprünglich bestanden auch Pläne, mit den SBB ein Unterhaltszentrum für Stadler-Züge zu bauen, doch entschieden sich die SBB für den Alleingang. Laut Mediensprecher Daniele Pallechi unterhalten die SBB in ihrer Service-Anlage in Oberwinterthur nicht nur ihre Doppelstockzüge der Zürcher S-Bahn, sondern seit Anfang Jahr auch die Stadler-Kompositionen Flirt und GTW. Mittelfristig werde auch der Fahrzeugunterhalt für Dritte angeboten.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.09.2008, 07:11 Uhr)

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