Zürich

167 schwimmen nackt um die Wette

Von Nicole Trossmann. Aktualisiert am 08.11.2010

Am Samstag hat im Hallenbad Adliswil das internationale Schwimmturnier der Naturisten stattgefunden. Es kamen Nacktschwimmer aus neun Nationen – das Bad war so voll wie kaum je.

Ein Wettrennen der anderen Art: Die Deutschen kamen an die Nacktschwimmgala, um zu gewinnen, die Schweizer nur zum Spass.

Ein Wettrennen der anderen Art: Die Deutschen kamen an die Nacktschwimmgala, um zu gewinnen, die Schweizer nur zum Spass.
Bild: Sabine Rock

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Das Adliswiler Hallenbad mutet seltsam verlassen an. Gäste gehen keine ein und aus, alle Türen sind verschlossen. Stoffbahnen an den Fenstern verwehren die Sicht auf die Schwimm-becken. Es klingen laute Rufe heraus. Es wird gejohlt und gepfiffen.

Ein ungewohntes Bild gibt auch das Innere ab: Nicht weniger als 167 Athleten und fast so viele Zuschauer tummeln sich dort – und alle sind nackt. An der 39. Schwimmgala der Schweizerischen Naturistenunion (SNU-UNS) sowie der Internationalen Naturistenföderation ist manches anders. Und vieles nicht. Es hängen Länderflaggen; so etwa von Schweden und Spanien, Italien und Frankreich. Athleten stärken sich mit Sandwiches und Bananen, wärmen sich konzentriert auf, dehnen und strecken sich. Sie tragen Kappen, Schwimmbrillen, Flipflops – nur die Badehose fehlt.

Nichts als die Medaillen

Während etwa Deutschland 31 Schwimmer stellte, kam aus Schweden nur eine Person, aus der Schweiz nahmen 13 teil. Medaillen ergattern konnten die Naturisten in den Kategorien Freistil, Brust- und Rückenschwimmen sowie Familien- und Länderstaffel.

Bei der Siegerehrung, wenn die strahlenden Gewinner auf dem Podest stehen, nichts als die Medaillen um den Hals, fragt der Fotograf für das obligate Foto stets um Erlaubnis.

Befreiende Nacktheit

Sieglinde Ivo aus Österreich, Präsidentin der Internationalen Naturistenföderation, freut sich, findet die Schwimmgala doch erstmals in der Schweiz statt. Ivo sagt, als Minderheit würden die Naturisten um Akzeptanz ringen. «Man sollte die Vielfalt menschlicher Vorlieben respektieren: Einige mögen etwa Jeans, einige tragen lieber Hemd und Hut und andere eben am liebsten gar nichts.»

Der Vizepräsident der Internationalen Naturistenföderation, Mick Ayers aus England, ist auch in Adliswil – obwohl er selber keinen Fuss ins Wasser setzt. «Ich komme aus einer traditionellen Fischerfamilie, und Fischer schwimmen nicht.» Für ihn bedeutet Nacktheit körperliche und geistige Freiheit. Früher hätten sich Naturisten sogar untereinander nur mit dem Vornamen, doch nie mit dem Familiennamen vorgestellt, heute werde Naturismus offener zelebriert.

Nur einer trägt Textil

Peter Horyna arbeitet seit 21 Jahren als Bademeister im Hallenbad Adliswil und fällt an diesem Tag auf wie ein bunter Hund – er ist der Einzige, der Kleider trägt. Doch ihm ist es wohl. «Alle Ferien zusammengerechnet, habe ich mit meiner Familie wohl schon ein ganzes Jahr nackt am FKK-Strand der Kanaren verbracht», sagt Horyna und fügt an: «Es war die schönste Zeit meines Lebens.» Wenn er also an diesem Samstag nicht arbeiten müsste, hätte er wohl ebenfalls auf Kleider verzichtet. «Aber einer muss ja als Bademeister erkennbar sein.»

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Erstellt: 07.11.2010, 21:52 Uhr

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