Zürich

Altpapier sammeln ist kein Geschäft mehr

Von Peter Früh. Aktualisiert am 25.11.2008

Gehts der Wirtschaft schlechter, ist Altpapier weniger gefragt, der Preis dafür sinkt. Mit der Altpapiersammlung füllen aber viele Vereine ihre Kasse. Müssen sie nun um den Zustupf bangen?

Das Altpapier gelangt mit dem Papierexpress direkt in die Papierfabrik.

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«Noch nie war ein so drastischer Preiszerfall in kürzester Zeit festzustellen», schreibt der Verband Stahl-, Metall- und Papierrecycling Schweiz (VSMR). Seit Jahren seien beim Altpapier keine so tiefen Preise notiert worden. Auch Werner Gut, Geschäftsleiter des Zweckverbandes für Abfallverwertung im Bezirk Horgen, hat ein entsprechendes «Jammeri-Schreiben», wie er sagt, von der Recyclingbranche erhalten. Ein Recyclingunternehmer aus Regensdorf bezeichnete gegenüber dem «Tages-Anzeiger» die Situation als katastrophal. Wer bei ihm Altpapier anliefere, werde in nächster Zeit dafür nichts erhalten, sondern müsse für die Abnahme bezahlen.

Der Zweckverband für Abfallverwertung, der das in den Sammlungen von neun Bezirksgemeinden anfallende Altpapier vermarktet, hat aber vorgesorgt. Vor zwei Jahren hat er nach öffentlicher Ausschreibung einen dreijährigen Abnahmevertrag mit der M.F. Hügler AG in Dübendorf abgeschlossen. Darin ist ein fixer Abnahmepreis fürs Altpapier vereinbart. Das Risiko schwankender Marktpreise trägt also die Firma Hügler.

Auch Vereine erhalten Fixpreis

Eine wichtige Rolle bei den Altpapiersammlungen spielen die örtlichen Vereine. Sie stellen Helfer, Chauffeure und oft auch die Fahrzeuge. Die Vereinskassiere brauchen wegen der Preisbaisse im Altpapiermarkt aber noch keine schlaflosen Nächte zu haben. Die Vereine erhalten von den Gemeinden eine fixe Entschädigung pro Kilo oder Tonne, die vom aktuellen Marktpreis unabhängig ist. Wädenswil zum Beispiel zahlt den Vereinen momentan 100 Franken pro Tonne, wie Rolf Baumbach von den städtischen Werken erklärt.

Auch die Gemeinde Thalwil bezahlt den Vereinen einen Fixpreis. Laut Margrit Thalmann, Sekretärin des zuständigen Dienstleistungszentrums Gesellschaft, schauen so für einen Verein 3000 bis 4000 Franken pro Papiersammlung heraus – netto. Denn die Gemeinde übernimmt auch die Kosten für die angemieteten Sammelfahrzeuge. Entsprechend gross ist das Interesse der Thalwiler Vereine: 21 sind es, die im Turnus, allein oder zu zweit, eine der jährlich zwölf Sammlungen durchführen.

In Wädenswil haben bisher die immer 14 gleichen Vereine das Altpapier gesammelt. Das könnte sich nun ändern: Seit kurzem ist ein Reglement für die Altpapiersammlungen in Kraft. Prompt haben sich laut Rolf Baumbach bereits zwei Vereine gemeldet, die bei den Sammlungen auch gerne mitmachen würden.

Der Fixpreis für die Vereine ist allerdings nicht in Stein gemeisselt. Sowohl Margrit Thalmann als auch Rolf Baumbach schliessen nicht aus, dass er gesenkt werden könnte, sollte der Marktpreis für Altpapier lange Zeit auf tiefem Niveau verharren.

Baumbach, der mit Vertretern anderer Gemeinden eine Arbeitsgruppe zum Thema Separatsammlungen im Bezirk bildet, hofft nicht nur im Interesse der Vereine auf eine Preiserholung spätestens bis Ende 2009. Dann läuft der Abnahmevertrag mit der Firma Hügler aus und ein neuer Vertrag wird auszuhandeln sein.

Eine halbe Million für die Gemeinden

Dabei geht es um grosse Mengen und um viel Geld. 7243 Tonnen Altpapier wurden in neun Gemeinden des Bezirks (ohne Adliswil, Hirzel und Hütten) 2007 gesammelt. Dafür löste der Abfall-Zweckverband 723'000 Franken. Abzüglich der Logistikkosten von 226'000 Franken resultierte ein Überschuss von rund einer halben Million Franken, das sind fast 69 Franken pro Tonne. Der Überschuss wird unter die Gemeinden verteilt. Entsprechend der gesammelten Menge erhielt Wädenswil am meisten Geld, rund 112'000 Franken, gefolgt von Horgen mit knapp 100'000 und Thalwil mit gut 86'000 Franken.

Das Altpapier-Konzept des Abfall-Zweckverbandes gilt als wegweisend: Die Gemeinden sammeln alle am gleichen Tag. Das Papier wird an mehreren Bahnhöfen auf Bahnwagen verladen und mit dem sogenannten Papierexpress direkt in die Papierfabrik gefahren. Dieses Konzept klappt sehr gut», sagt Rolf Baumbach. Es werde fortgeführt, «wenn SBB Cargo uns keinen Strich durch die Rechnung macht».

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Erstellt: 25.11.2008, 10:37 Uhr

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