Zürich

«Das Gefühl, etwas bewirken zu können, gibt Kraft»

Von Ev Manz. Aktualisiert am 20.10.2008

«Umdenken, jetzt!» heisst das neuste Buch von Sonja A. Buholzer. Dazu referiert sie morgen vor dem Hauseigen- tümerverband Thalwil- Rüschlikon-Oberrieden.

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Ihre Message ist das Umdenken. Wie können Hauseigentümer diese Botschaft umsetzen?
Die Einladungen richten sich nicht nur an Hauseigentümer, sondern an jeden einzelnen Menschen mit Herz und Verstand. Jeder kann sich bewusst werden, was er mit seinem Handeln ethisch und gesellschaftlich bewirken kann. Ich zeige in meinen Referaten konkrete Strategien auf.

Welche?
Nehmen wir die Wirtschaft und deren Führungskräfte, von denen es wohl einige an der Veranstaltung haben wird. Heute muss eine Führungsperson unbedingt Wert legen auf Menschlichkeit und Ethik. Das heisst, dass bei der Auswahl von Kandidaten der Charakter einer Person miteinbezogen werden oder ein offener Austausch zwischen den Mitarbeitenden möglich sein muss. Menschlich zu den Menschen und konsequent in der Sache, lautet das Prinzip, das in letzter Zeit leider genau umgekehrt angewendet wurde.

Und warum ist das nötig?
Nur so kann ein Unternehmen gute Mitarbeiter für sich gewinnen und diese auch halten.

Warum?
Wir erleben momentan einen Paradigmenwechsel, bei dem nicht nur finanzielle oder karrieremässige Motive zählen. Arbeitnehmer suchen verstärkt Arbeitgeber mit Herz, mit Sinn-Motiven, mit Respekt und einer Kultur, die den Menschen ins Zentrum rückt.

Wie setzen Sie das in Ihrer Firma um?
Wir leben Respekt und Direktheit. Ehrlichkeit und Loyalität sind für mich Grundwerte, ohne die nichts geht. Freude an der Arbeit, Leistungsbereitschaft und ein gesunder Wettbewerb sind wichtig.

Sie sind einige der wenigen Frauen in der Führungsetage. Die Message, mehr Frauen in die Führungspositionen zu befördern, ist noch nicht angekommen.
Die Schweizer Mühlen mahlen langsam. Aber die demografische Entwicklung wird die Arbeitgeber auch da zu einem Umdenken zwingen, weil ihnen die fähigen Männer ausgehen. Und es gibt viele Frauen, die für Führungspositionen in den Startlöchern stehen.

Ihr neues Buch richtet sich nicht nur an Führungspersonen, sondern an alle Mutigen, wie der Untertitel sagt. Wie kann der normale Arbeiter nachhaltig handeln?
Jeder kann als Konsument einen Beitrag leisten. Wer bewusst einkauft, verzichtet automatisch auf alle Tierquälprodukte, von denen die ganz Verwerflichen – Foie Gras oder Froschschenkel komplett unethisch sind. Jeder hat eine Stimme, zu intervenieren.

Das machen Sie?
Ja, klar. Man muss den Mut haben, sich im Dienst der Umwelt, der Umwelt und der Tiere auch mal unbeliebt zu machen. Ich habe schon manchen Wirt auf das Angebot auf seiner Speisekarte hingewiesen, auch am linken Seeufer.

Aber es ist doch einfacher und bequemer, nichts zu sagen. Warum also sollte ich mich auf eine Auseinandersetzung einlassen?
Ich glaube, das Gefühl, etwas bewirkt zu haben, tut jedem gut. Das gibt. Ich bin klar der Meinung, dass wir uns von den Opfermentalität, in die wir uns in der Wohlstandsinsel Schweiz besonders gern flüchten, verabschieden müssen. Wir brauchen Menschen mit Meinung und Mut, die ehrlich sind.

Gilt das auch in der momentanen Finanzkrise?
Sicher ist jetzt ganz besonders viel Umdenken gefragt. Aber eigentlich ist das ganze Leben eine Krise, denn wir leben in totaler Ungewissheit, weil wir nicht wissen, woher wir kommen und wohin unser Weg führt. Was uns Sinn gibt, müssen wir selber definieren, unsere Werte geben uns Stabilität und ein eigenes Rückgrat gibt Kraft, für seine Ziele zu kämpfen. Träume müssen stärker sein als Realitäten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2008, 22:30 Uhr

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