«Das Zentrum soll als solches wahrgenommen werden»
Wieso muss die Thalwiler Bau- und Zonenordnung (BZO) schon wieder geändert werden. Die gültige BZO ist ja erst fünf Jahre alt.
Die aktuelle BZO stammt aus dem Jahr 1984, bei den letzten Revisionen im März 2000 und Dezember 2003 erfolgten nur kleinere Anpassungen. Die aktuelle Revision ist ein langfristig angelegter Prozess, der im August 2006 gestartet wurde. Ziel war es, mit der Revision ein nachhaltiges, qualitatives Wachstum der Gemeinde zu ermöglichen.
Welches sind nach der Meinung des Gemeinderats die Knackpunkte der neuen BZO?
Die innere Verdichtung so umzusetzen, dass sie von der Bevölkerung mitgetragen werden kann, die Grün- und Erholungsräume am Siedlungsland zu erhalten, preisgünstigen Wohnraum zu fördern und die Identität von Thalwil nicht zu verlieren.
Was erhoffen Sie sich von der Mitwirkung der Bevölkerung?
Eine breit abgestützte Bau- und Zonenordnung, die die hohe Lebensqualität in Thalwil für die nächsten Jahre gewährleistet und uns Möglichkeiten zur Gestaltung unseres Lebensraums lässt. Je mehr Leute sich am Einwendungsverfahren beteiligen, desto näher kommen wir in der endgültigen Fassung den Vorstellungen der Bevölkerung.
Im neuen Artikel 8 der BZO schreiben Sie, dass Verkaufsgeschäfte für den täglichen Bedarf mit einer Fläche von mehr als 200 Quadratmetern im Gewerbegebiet verboten sind. Wollen Sie verhindern, dass ein neuer Aldi oder aber Lidl dorthin zieht?
Es geht nicht ums Verhindern, vielmehr geht es um die Aufwertung des Zentrums. Es besteht in der Region bereits ein grosses Angebot an Einkaufsmöglichkeiten für Güter des täglichen Bedarfs ausserhalb der Zentren; auch in Gattikon wird demnächst eine solche Möglichkeit entstehen. Wir möchten damit erreichen, dass das Einkaufen im Zentrum gefördert wird und im Zusammenhang mit der Zentrumsplanung das Einkaufen in Thalwil ein Erlebnis darstellt.
Was verfolgen Sie mit der Zentrumszone für einen Zweck?
Das Zentrum soll sukzessive den «lähmenden» Zustand der «dörflichen Form mit städtischem Inhalt» überwinden.
Ist das für Sie das Mittel, um die Gotthardstrasse fürs Publikum attraktiver zu machen?
Wir sind die erste Gemeinde am linken Seeufer nach Zürich, welche ein «echtes» Zentrum besitzt. Viele Leute aus den umliegenden Gemeinden kommen zu uns einkaufen. Wir wollen das Zentrum in seiner lokalen und regionalen Bedeutung stärken, hier soll eine Vielfalt von Handel und Dienstleistungen angeboten werden. Angestrebt wird eine angemessene, gestalterisch hochwertige Verdichtung unter Wahrung der städtebaulichen Strukturen. Die Zentrumszone soll auch als Zentrum wahrgenommen werden mit einer hohen Aufenthalts- und Begegnungsqualität. Hier treffen viele Interessengruppen aufeinander, deren Anliegen breit gestreut sind.
Im Zentrum sollen Solaranlagen erlaubt sein. Befürchten Sie nicht Einsprachen, weil dadurch das Ortsbild in Mitleidenschaft gezogen wird?
Jeder Bau einer Solaranlage wird von der Baukommission geprüft und beurteilt. Eine gute Einordnung und Gestaltung sind bei jeder Baubewilligung wichtige Kriterien, Scheusslichkeiten werden dadurch ausgeschlossen. Als Gemeinde, welche dieses Jahr noch mit dem Label Energiestadt ausgezeichnet wird und den Einsatz von erneuerbaren Energien als Teil der Nachhaltigkeit anwendet, ist diese Änderung sinnvoll.
Was bezwecken Sie mit der Vorschrift, dass im gut erschlossenen Zentrum nicht zwingend pro Wohnung ein Parkplatz zu bauen ist?
Mit unseren hervorragenden Verkehrsverbindungen sind wir ein optimaler Wohn- und Arbeitsort, welcher eine Auswahl an geeigneten Fortbewegungsmitteln zulässt. Vermehrt kann auf ein eigenes Auto verzichtet werden. Zudem sind die Tiefgaragen vor allem im Zentrum – aber auch ausserhalb – oft nicht ausgelastet. Fast überall können Garagenplätze gemietet werden, es besteht also ein Überangebot. Wir tragen der Situation Rechnung und wollen ermöglichen, dass keine unnötigen Autoabstellplätze gebaut werden müssen.
Wie soll das Thalwiler Zentrum aufgewertet und gestärkt werden? Genügen hier schon neue Vorschriften in der BZO?
Im Zentrum sind verschiedene Bedürfnisse zu berücksichtigen – auch solche, die in der BZO nicht geregelt werden. Die Ideen zur Aufwertung des Zentrums sind nicht Bestandteil der BZO-Revision, dazu wird zu einem späteren Zeitpunkt informiert.
* Gemeinderat Richard Gautschi (parteilos) ist Bauvorstand in Thalwil.
Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.09.2010, 21:53 Uhr



































