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Der neue GSBA-Direktor will, dass alle 900 Studenten ihn duzen

Peter Lorange kaufte Ende Juli die Horgener Business-Schule GSBA. Lorange verrät deren Preis, seine neuste Koch-Passion und welches Instrument er in sein Boot einbaute.

Peter Lorange findet Rektoren, die sich wie Götter gebärden, unzeitgemäss.

Peter Lorange findet Rektoren, die sich wie Götter gebärden, unzeitgemäss. (Bild: Patrick Gutenberg)

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GSBA

Die Graduate School of Business Zürich (GSBA) in Horgen bietet berufsbegleitende Management-Studiengänge. Die Schule zählt 900 Studienteilnehmer und 49 Fakultätsmitglieder, der Umsatz lag letztes Jahr bei 8,7 Millionen Franken. Im Juli verkaufte Mitbegründer Dr. Albert Stähli die GSBA nach vierzig Jahren an Peter Lorange.

Zur Person

Peter Lorange

Der Norweger Peter Lorange wuchs in Oslo auf, erlangte den Doktortitel in Business Administration an der Harvard University und arbeitete 22Jahre lang in Amerika an der Universität von Pennsylvania. Dann präsidierte er vier Jahre lang die School of Management in Oslo und kam hernach in die Schweiz. Hier amtete er für 15 Jahre als Präsident der renommierten Business-Schule IMD in Lausanne. Als Autor und Ko-Autor schrieb er 18 Bücher und veröffentlichte mehr als 120 wissenschaftliche Artikel. Er spricht sieben Sprachen; von Deutsch über Italienisch bis zu Isländisch. Der 66-Jährige ist geschieden, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder.

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In der 10-Uhr-Pause tummeln sich auf der Wiese vor der Horgener Graduate School of Business Zürich (GSBA) ein gutes Dutzend Studienteilnehmer. Sie trinken Kaffee, rauchen, lassen den Blick über den See schweifen. Viele telefonieren, einige sprechen Englisch. Alle tragen Hemd, nur einer trägt ein Poloshirt.

«Unzeitgemäss»

In Anzug und Krawatte hingegen zeigt sich der neue GSBA-Besitzer Peter Lorange. Trotz seiner beeindruckenden Karriere umgibt ihn keine autoritäre Direktoren-Aura – im Gegenteil. Er scherzt mit dem Fotografen, plaudert über den FCZ und witzelt über seinen nicht unbeachtlichen Bauch. Die sechs Doktoren- und Ehrentitel seien ihm egal, er winkt lachend ab und scheint nicht damit zu kokettieren. Erstarrte Hierarchien – Lorange formt mit den Armen eine steile Pyramide in der Luft – mit Rektoren, die sich wie Götter gebärdeten, tadelt er als «unzeitgemäss». Er besteht darauf, dass sämtliche 900 Studenten ihn duzen.

Lorange kaufte die Business-Schule im Juli für 4.5 Millionen Franken. Nicht, weil er sich grosse Gewinne erhoffe, sondern weil ihn der Ehrgeiz treibe, mit der GSBA den Prototyp einer erfolgreichen Business-Schule zu entwickeln, sagt er. Dafür will er das Ruder zwar nicht abrupt herumreissen, doch den Kurs leicht ändern: Die GSBA soll noch mehr gute Professoren an Bord holen, enger und praxisorientierter mit grossen Firmen zusammen arbeiten sowie spezialisierte Master-Lehrgänge einführen. «Gerade in Krisenzeiten muss man investieren – und nicht nur krampfhaft Kosten senken», sagt Lorange. Die Krise beeinflusste den Zulauf an Studenten nicht; deren Anzahl an der Schule blieb unverändert.

Ein Dorn im Auge der Konkurrenz

Ein Dorn im Auge könnte der neue GSBA-Besitzer der Business-Schule IMD in Lausanne sein; Lorange amtete 15 Jahre lang als deren Präsident. Der Norweger sagt jedoch, er werde weder Kunden noch Mitarbeiter abwerben. «IMD tanzt sowieso auf einem grösseren und internationalen Parkett», sagt er. Obwohl er jegliche Konkurrenz zu verhindern suche, gibt er zu, dass im hiesigen Markt ein gewisser Wettbewerb entstehen könne.

Heikel könnte auch Loranges frühere Subventionsverbindung zu Nestlé sein; der Nahrungsmittelkonzern steht weltweit immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, etwa wegen rücksichtsloser Gewinnmaximierung oder des Kaufs von Trinkwasserquellen. «Wir bekamen drei Millionen Franken von Nestlé», verrät Lorange. «Doch ich bleibe unabhängig und lasse mir nichts diktieren: Akademische Freiheit ist unbezahlbar.»

Wecker klingelt um fünf

Lorange arbeitet rund 14 Stunden täglich. Auch mit 66 Jahren denkt er nicht ans Aufhören: «Ans Konzept Pensionierung glaube ich nicht.» Er steht morgens um fünf auf und schreibt vor der Arbeit gut zwei Stunden wissenschaftliche Texte, die er spätabends zu Hause bei einem Glas Rotwein durchliest. Überhaupt ist der Norweger ein Weinliebhaber, besass einen eigenen Rebstock. Der Schalk blitzt ihm aus den Augen, als er erklärt: «Ich trinke meinen Kaffee stets schwarz; wenn ich schon Kalorien zu mir nehme, sündige ich lieber mit einem guten Glas Wein.»

Zudem kocht Lorange leidenschaftlich gern: Als junger Student gewann er in der Heimat mit einem Fischmenü den Kochwettbewerb eines Frauenmagazins. «Zurzeit bin ich ganz verrückt nach Wokgerichten; mit Bohnen, Broccoli, Blumenkohl», erzählt er. «Vorher hatte ich eine Fonduephase, als nächstes kommt vielleicht eine Kotelettschwärmerei.»

«13 Jahre Klavier gespielt»

Daneben liebt er klassische Musik. «Zurzeit ist eine CD von Mendelssohn in meiner Musikanlage. Ich mag Pianostücke, da ich selber in der Schule 13 Jahre Klavier spielte.» Den Musikliebhaber prägt ein gewisser unkonventioneller Charakter. Das zeigt sich in besagtem lässig-lockeren Umgang mit den Studenten. Oder darin, dass er auch in seinen Booten, er hatte deren fünf, nicht auf Livemusik verzichten wollte: So baute er in jedes kurzerhand – eine Orgel ein.

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Erstellt: 21.08.2009, 19:37 Uhr

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