«Die Böötler leiden unter dem Unfall»

Von Daniel Stehula. Aktualisiert am 22.07.2010 10 Kommentare

Der tödliche Motorbootunfall vom Bielersee ist immer noch Gesprächsthema auf dem Zürichsee. Auch hier gibt es Probleme. Bootsfahrlehrer wünschen sich deshalb mehr Präsenz der Seepolizei.

Beni Winiger aus Horgen ist Fahrlehrer für Motorboote auf dem Zürichsee.

Silvia Luckner

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Die Uferzone: Mit dem Gummiboot bis 150 Meter

Auf dem ganzen Gebiet des Zürichsees existieren Schutzzonen. Es gibt die innere und die äussere Uferzone, die jeweils 150 Meter breit ist. In der inneren Zone halten sich Schwimmer, Ruderer und Gummiboote auf. Motorboote dürfen hier nur im rechten Winkel zum Ufer fahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10 Kilometern pro Stunde. Das schützt die übrigen Wassersportler und schont den Uferbereich. In der äusseren Uferzone dürfen die Bootskapitäne ebenfalls höchstens mit 10 Kilometern pro Stunde fahren, aber es ist erlaubt, parallel zum Ufer zu fahren. Ausserhalb dieser Zonen ist die Geschwindigkeitsbegrenzung über eine Lärmobergrenze geregelt: Der Motor eines Bootes darf nicht lauter sein als 72 Dezibel.

Im Zürcher Seebecken und im Bereich der Inseln Ufenau und Lützelau vor Pfäffikon sind die Uferzonen erweitert.

Unter anderem Gummiboote haben sich in der inneren Uferzone aufzuhalten. Von Seeüberquerungen als Schwimmer auf eigene Faust rät die Polizei ab.

Im Verkehr auf dem See sei es das Gleiche wie auf der Strasse, sagt der Horgner Motorbootfahrlehrer André Magnani. «Es gibt die Anständigen und die, die meinen, sie hätten alles im Griff und dann über ihre Verhältnisse fahren.»

Eineinhalb Wochen ist es her seit dem tödlichen Unfall auf dem Bielersee, in den ein Motor- und ein Gummiboot involviert waren. Noch immer ist das tragische Ereignis ein Thema unter den Motorbootkapitänen auf dem Zürichsee.

Ein Unfall wie jener auf dem Bielersee schadet auch dem Image. Magnani sagt: «Die ganze Motorbootbranche leidet unter dem Unfall. Ich hoffe, dass man diesen Mann erwischt.»

Die heilige Uferzone

Der Horgner Fahrlehrer Beni Winiger schult seine Fahrschüler im Schnitt während 15 Lektionen à eineinhalb Stunden. Man übt das Anlegen und das Ablegen, das Manövrieren auf engstem Raum. Winiger zeigt den Schülern, wie sie einen Passagier retten, der über Bord gegangen ist und er übt mit ihnen das Abschätzen von Distanzen. Etwa: Wie weit sind 150 Meter? So breit ist die Uferzone (siehe Kasten), in der man besonders vorsichtig sein muss.

Dort gelten bestimmte Regeln betreffend Geschwindigkeit und Fahrtrichtung. Das dient dem Schutz von Ruderern, Seglern und Schwimmern sowie der Uferböschungen. «Wir legen viel Wert auf das richtige Verhalten innerhalb der innern und äusseren Uferzone», sagt Magnani. Winiger ergänzt, die innere Uferzone sei gewissermassen heilig, denn: «Wenn man sich dort falsch verhält, wird es gefährlich.»

Winiger sagt, laut Binnenschifffahrtsverordnung habe der Motorbootfahrer die Verantwortung, wenn er beispielsweise ein Gummiboot kreuze. «Er muss den Verhältnissen angepasst fahren», sagt er. Dass das nicht immer eingehalten wird, erlebt er jeden Tag.

Denn aller Ausbildung zum Trotz, auch auf dem Zürichsee gibt es Kapitäne, die verantwortungslos fahren. «Es ist nicht einmal das Rasen», sagt Winiger, «es reicht schon, wenn ein Bootsführer unaufmerksam ist.»

Magnani aber sieht gerade in den Rasern die grösste Gefahr. Motorboote können mit 80 Kilometern pro Stunde durch das Wasser schiessen. «Die Kraft der Motoren ist nach oben so gut wie offen», sagt er, «es richtet sich nach dem Portemonnaie.»

Bechern vor der Au

Obwohl die Fahrlehrer bestätigen, dass die Böötler auf dem See auch mal mit Alkohol im Blut navigieren, sehen sie hier kein Problem. Winiger sagt, in der Binnenschifffahrtsverordnung stehe, man müsse ein Schiff sicher führen können. Der eine vertrage mehr Alkohol als der andere, bis er nicht mehr fahrtüchtig sei. Magnani sagt: «Wer bei der Halbinsel Au ankert, bechert und dort schläft, macht keine Probleme.» Sorgen macht er sich aber um jene Kapitäne, die ohne Führerschein ein Boot steuern. Er weiss von etlichen und sagt auch deshalb : «Es wäre gut, wenn die Seepolizei präsenter wäre. Nicht nur während einer Grosskontrolle wie letztes Wochenende.»

Werner Schaub von der Kantonspolizei erklärt: «Die Seepolizei gewährleistet mit 25 Polizistinnen und Polizisten rund um die Uhr eine hohe Präsenz auf dem Zürichsee.» Sie hat drei Patrouillenschiffe zur Verfügung. «Die Zahl der eingesetzten Patrouillen hängt von der Jahreszeit und vom Verkehrsaufkommen ab» sagt Schaub. Das Hauptaugenmerk liege auf der Kontrolle der Uferzonen.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2010, 22:09 Uhr

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10 Kommentare

Elisabeth Lüthi

22.07.2010, 08:54 Uhr
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Auch wir sehen leider immer wieder Bootsführer welche sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen z.B. vor der Insel Ufenau und dem grossen Druchstich halten! Leider ist die Polizeipräsenz wirklich sehr selten! Was mir aber noch mehr zu denken gibt, das sind Schwimmer welche waghalsig weite Strecken ohne Begleitung durchführen, bitte denkt dran bei Wellengang sieht man einen Kopf zu spät! Antworten


Christian Gehrig

22.07.2010, 10:36 Uhr
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Ich gehe oft fotografieren und bin viel am See unterwegs. Warten Sie mal abends an einem Hafen, da spielen sich Szenen ab, unglaublich. Einige sind sturzbetrunken, tütschen mit ihren Booten an die Hafenmauer, streiten sich lauthals wer nun zuerst anlegen darf. Schlägereien habe ich schon unzählige gesehen. Mir scheint die Motorbootprüfung ist viel zu einfach und müsste verschärft werden. Antworten



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