Zürich

Die Schweinegrippe hält Kinderärzte auf Trab

Von Ev Manz. Aktualisiert am 06.11.2009

Auch am Zimmerberg überrennen Eltern die Kinderärzte. Diese fordern eine gute Aufklärung bei der Kinderimpfung.

Artikel zum Thema

Diese Personen werden in der ersten Phase geimpft

Personen zwischen 6 Monaten und 64 Jahren mit chronischen Krankheiten (z. B. Herz- oder Lungenkrankheiten, Immunschwäche).

ehemalige Frühgeborene zwischen 6 Monaten und 2 Jahren.

enge Kontaktpersonen (Eltern, Geschwister, Betreuungspersonen) von ehemaligen Frühgeborenen und Säuglingen unter 6 Monaten.

Personen, beruflich im Kontakt mit Säuglingen unter 6 Monaten. Beschäftigte im Gesundheitswesen. Schwangere.

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Das Telefon klingelt im Minutentakt. Nimmt Diana Brunner den ersten Anruf entgegen, geht auf der zweiten Leitung schon der nächste ein. Die Praxisassistentin der Kinderärztin Andrea Brack in Adliswil sagt, was sie seit Anfang Woche schon unzählige Male gesagt hat: «Wir erhalten den Impfstoff gegen Schweinegrippe frühstens Ende nächster Woche.» Sie informiert über die Risikogruppen, die in einer ersten Phase geimpft werden, und bittet die Eltern, sich doch innert Wochenfrist nochmals zu melden. Gleichzeitig führt sie eine Liste mit Impfkandidaten.

Empfehlungen unklar

«Wir werden seit Montag überrannt», sagt auch Ulrike Kramer, Kinderärztin mit Praxis in Richterswil. «Die Eltern sind beunruhigt durch die jüngsten Berichterstattungen», sagt sie. Da könne man einerseits von den Schreckensmeldungen in der Ukraine lesen, und anderseits heisse es, der Impfstoff sei jetzt auch in der Schweiz verfügbar. «Die genauen Impfempfehlungen sind für die Bevölkerung jedoch unklar», sagt Kramer. Deshalb hat sie Verständnis, dass Eltern sie deswegen kontaktieren und in jedem zweiten Beratungsgespräch das Thema Schweinegrippe zur Sprache kommt. Doch die Kinderärztin kann nur vertrösten: «Wir haben den Impfstoff bestellt. Voraussichtlich ab Mitte November ist er vorhanden.»

Über den Verlauf der Schweinegrippe kann Ulrike Kramer keine Prognose abgeben, wie es besorgte Eltern erwarten. Im Moment sei die Grippe noch moderat. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Mutationen komme, treffe die Schweingrippe im Winter auf die saisonale Grippe.»

Debatte über Nebenwirkungen

Andrea Brack ist dem Impfen gegenüber zurückhaltend eingestellt und bedacht darauf, dass die Eltern genügend aufgeklärt werden. «Der Impfstoff wurde so schnell entwickelt, dass die Langzeitnebenwirkungen noch unbekannt sind», sagt sie. In ihrer Praxis in Adliswil hat sie stattdessen vermehrt Kinder gegen die normale Grippe geimpft. «Deren Nebenwirkungen sind minim und bekannt.»

Anders sieht das Peter Tomasi. Er ist Allgemeinpraktiker in Wädenswil und hatte gestern Notfalldienst im Bezirk Horgen. «Ich hatte keine Anfragen wegen der Schweinegrippe bei Kindern, rate aber, sich impfen zu lassen.» Die Nebenwirkungen seien gering verglichen mit der Heftigkeit der Grippe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2009, 08:04 Uhr

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