Zürich

Diese Idee funktioniert auch ohne einen Business-Plan

Von Thomas Zemp . Aktualisiert am 14.09.2010 2 Kommentare

Rund eine Tonne exotische Früchte importieren Francette Dubach-Obé und Ines Klar pro Woche aus Kamerun. Verkaufen tun sie sie an Märkten und seit ein paar Tagen auch im Viadukt in Zürich.

Francette Dubach-Obé (links) und Ines Klar präsentieren ihren Früchtewarenkorb im Lager von Fruitpassion in Thalwil.

Francette Dubach-Obé (links) und Ines Klar präsentieren ihren Früchtewarenkorb im Lager von Fruitpassion in Thalwil.
Bild: Patrick Gutenberg

Es war eine europäische Reaktion: «Da müssen wir zuerst einen Business-Plan machen», war Ines Klar überzeugt. Doch Francette Dubach-Obé war anderer Meinung: «Nein, wir machen es auf die afrikanische Art.» Und sie bestellte bei ihrer Schwester in Kamerun 200 Kilogramm exotische Früchte.

Das war in den kalten Wintertagen zu Beginn des Jahres 2008. Und zugleich war das der Start eines kleinen Unternehmens unter dem Namen Fruitpassion, das seit dem stetig gewachsen ist – Fremdkapital mussten sie noch nie einsetzen. Am vorvergangenen Mittwoch haben die beiden Geschäftsfrauen ihrem Unternehmen eine neue rechtliche Grundlage gegeben: Sie haben eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) gegründet. Und am vorletzten Samstag haben sie ihr bis anhin ambitiösestes Projekt gestartet: In der neu eröffneten Markthalle im Zürcher Viadukt haben sie einen Stand bezogen und eingerichtet. Sechs Tage die Woche verkaufen sie und ihre Angestellten nun dort von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends ihre fruchtigen Leckereien.

Heute importieren die beiden Frauen pro Woche rund eine Tonne Mangos, Ananas, Papayas, Avocados, Passionsfrüchte, Babybananen, Litschis, Limetten und Erdnüsse aus dem zentralafrikanischen Staat. Per Cargo-Flugzeug werden die Früchte eingeflogen und vom Flughafen Zürich in ihr Lager in einer Scheune mitten in Thalwil gebracht. Von hier aus erfolgt die Feinverteilung: Kunden können per Internet Früchteboxen bestellen. Dubach-Obé und Klar verkaufen vieles auch über Marktstände: zum Beispiel in Thalwil und Wädenswil jeweils am Samstagmorgen. Selber stehen sie immer auf dem Freitagsmarkt in Meilen.

Gute Qualität für hohen Preis

Sie sind sich bewusst, dass ihre Früchte nicht billig sind: «Mit den Grossverteilern können wir vom Preis her nicht konkurrieren», sagt Klar. Trotzdem sind ihre Produkte begehrt: «Unsere Früchte werden in Kamerun reif gepflückt und benötigen für die Reise dank des Flugtransports nur sehr wenig Zeit.» Billigere Früchte bei Grossverteilern würden unreif geerntet, damit sie die wochenlange Reise per Lastwagen und Schiff überstehen. Dabei leide die Qualität, sagt Klar.

Für die 38-jährige Dubach-Obé und die 44-jährige Klar ist es daher wichtig, dass die Kunden die Qualität ihrer Früchte erkennen und sie vor dem Kauf probieren können. «Viele sind dann sehr erstaunt, dass exotische Früchte solche Geschmäcker entwickeln können.»

Vertraute sind vor Ort

Genau diese intensiven Geschmäcker in Früchten, aber auch im Gemüse hat Francette Dubach-Obé vermisst, als sie 2006 mit ihrer Familie aus dem südafrikanischen Johannesburg zurück in die Schweiz gezogen war. Ihre Schwester Marie Owona Andzie versorgte sie mit Paketen aus dem kamerunischen Douala. Heute ist die Schwester als Einkäuferin in der Umgebung der grössten Stadt dieses afrikanischen Landes tätig.

Ehemänner ebneten den Weg

Kennen gelernt haben sich die beiden Geschäftspartnerinnen über ihre Ehemänner, die beide als Banker arbeiten – damals bei einer Schweizer Grossbank. Dubach-Obé hat in Johannesburg ein Management-Studium abgeschlossen, ursprünglich hatte sie an der Universität St. Gallen studiert. Sie ist in Kamerun geboren und aufgewachsen und hat dort die Schulen mit einer Matura abgeschlossen. Sie ist Mutter von vier Kindern und wohnt mit ihrer Familie in Rüschlikon. Ines Klar kommt aus dem süddeutschen Raum und hat Ausbildungen in Public Relations und Marketing absolviert. Sie hat drei Kinder und wohnt in Thalwil.

Spricht man mit den beiden Frauen an einem Tisch und hört ihnen zu, wie sie miteinander diskutieren, macht man bald Unterschiede aus, die man als stereotyp bezeichnen muss: die eher klar denkende Deutsche, die Vor- und Nachteile abwägt; die emotionale Kamerunerin, die so gerne auf Menschen zugeht und spontan entscheidet. Oft sind sie nicht gleicher Meinung oder haben das gleiche anders erlebt. Beide sind sie energisch. «Wir streiten uns oft», sagt Klar. «Nein, nicht so oft», entgegnet Dubach-Obé und lacht ihr offenes, fröhliches, ansteckendes und energiegeladenes Lachen. Das kann durchaus auch entwaffnend sein.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2010, 20:48 Uhr

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2 Kommentare

Ruedi Lais

14.09.2010, 09:28 Uhr
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Sympathisch, die Geschäftsfrauen. Dennoch: Per Flugzeug frische Früchte importieren, während unsere eigene Landwirtschaft genug Äpfel, Zwetschgen, Birnen und Trauben produzieren könnte, die vor unserer Haustüre wachsen, ist ein Verbrechen an der Umwelt und den Erdöl-Reserven unserer Nachkommen. Antworten


Herta Hess

14.09.2010, 18:29 Uhr
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Einverstanden mit dem Vorschreiber! Wollen wir uns wirklich weiterhin rein egoistisch alles leisten, auch wenn wir damit die Umwelt schaedigen? Sind die aktuellen Naturkatastrophen nicht Warnschuesse genug, etwas bescheidener zu werden? Sind es nicht gerade die aermeren Kontinete wie Afrika, welche unsere Suenden schmerzhaft mit ausbaden muessen? Antworten



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