ETH-Forscherin untersucht den Hirzler Hochnebel

Von Arthur Schäppi. Aktualisiert am 17.03.2010

Hochnebel – für die meisten Menschen ist er bloss eine trübe Erscheinung, für eine ETH-Doktorandin aber ein spannendes Forschungsobjekt im Hirzel.

Physikerin Johanna Spiegel und ETH-Atmosphärenwissenschaftler Berko Sierau in ihrem «Feld-Labor».

Physikerin Johanna Spiegel und ETH-Atmosphärenwissenschaftler Berko Sierau in ihrem «Feld-Labor».
Bild: Patrick Gutenberg

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Passanten hielten die beiden weissen Anhängerwagen, die auf dem Höhenzug auf rund 765 Meter ü. M. in der Oberen Chaseren zwischen Hirzel Höchi und Zimmerberghöhe stehen, schon mal für öffentliche Toiletten. Doch die beiden mobilen Container enthalten nicht etwa sanitäre Anlagen, sondern Hightech-Apparaturen und hochkomplexe Messinstrumente des Instituts für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich. Und sie bilden seit Ende November das Feldlabor für die 27-jährige Physikerin Johanna Spiegel. Hier auf einer Weide zwischen einem Wollschweinstall und Obstbäumen betreibt sie, betreut von ETH-Atmosphärenwissenschaftler Berko Sierau (38 ), ein ungewöhnliches Forschungsprojekt als Doktorarbeit.

Aus angesaugter Umgebungsluft misst die junge ETH-Forscherin die Konzentration von Aerosolen und Wolkentröpfchen und eruiert deren chemische Zusammensetzung und mikrophysikalischen Eigenschaften sowie deren Herkunft. Aerosole nennen die Umweltwissenschaftler jene weniger als einen Tausendstel-Millimeter kleinen Partikel, die in der Luft schweben und an denen sich letztendlich der Hochnebel in Form von kleinen Wassertröpfchen bilden kann: Das können beispielsweise Russpartikel aus Auspuffen oder Kaminen sein sowie anderer Feinstaub, aber beispielsweise auch organische Winzlinge, wie Pollen oder Sporen.

Hochnebel machte sich rar

«Bei unserer Forschungsarbeit geht es vor allem darum, im Zusammenhang mit der Entstehung von Mittelland-Hochnebel die Wechselwirkungen zwischen den Aerosolen und Nebeltröpfchen unter unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten zu untersuchen», sagt Berko Sierau. Zur Hochnebelsuppe haben er und seine Forscherkollegin, die die Messstation im Hirzel noch bis Ende Monat betreiben, aus professionellen Gründen ein ganz und gar ungetrübtes Verhältnis. «Am liebsten hätten wir im Hirzel eine mehrmonatige stationäre Hochnebellage gehabt», sagt Sierau lachend. Die Oberi Chaseren im Hirzel als Standort ausgewählt haben die ETH-Forscher, weil sie hier relativ häufig Hochnebellagen erwarteten, weil der Platz innert nützlicher Frist von der ETH Zürich aus erreichbar ist und auch, weil hier ein Stromanschluss gewährleistet ist.

Die Erwartungen bezüglich Hochnebelaufkommen aber blieben weit unter den Erwartungen. Im Dezember war es oft sonnig, später verzog sich die graue Nebeldecke meist in weit höhere Lagen oder sie verharrte neckischerweise manchmal auch kaum dreissig oder vierzig Meter unterhalb des Feldlabors. Nur gerade im Januar seien die Messwagen für länger anhaltende Perioden im Hochnebel gestanden, sagt Johanna Spiegel. Deshalb sei die Datenausbeute bislang auch unter den Erwartungen geblieben. Eine Verlegung der Messwagen dorthin, wo der Hochnebel jeweils gerade lag, sei aber wegen des unverhältnismässigen logistischen Aufwands, weil geeignete Standorte mit Stromanschluss oder auch die erforderliche Zeit für einen kurzfristigen Umzug fehlten, nicht möglich gewesen. Mit den Auswertungen der Daten hat Johanna Spiegel kürzlich begonnen. Konkrete Erkenntnisse der Aerosolforschung im Hirzel liegen aber noch nicht vor.

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Erstellt: 17.03.2010, 04:00 Uhr

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