Eine Standseilbahn für Horgen
Von Daniel Stehula. Aktualisiert am 03.09.2010 17 Kommentare
Man stelle sich Folgendes vor. Am Horgner Bahnhof kommt die S2 an, oder die S8. Die Pendler steigen aus, gehen die paar Schritte zum Schinzenhof, wo das «Bähnli» auf sie wartet. Dieses bringt sie zu ihrem Büro oder ihrer Wohnung im Oberdorf bringt.
Das «Bähnli» ist ein Schräglift, der auf einem Hochtrassee vom Schinzenhof, über den Kirchrain, am Friedhof vorbei, die Einsiedlerstrasse querend, die Passagiere schliesslich zum Bahnhof Oberdorf bringt (siehe Grafik). Bequem und schnell ist die Verbindung. Und wie die Zürichsee Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe schrieb, ist das Projekt grundsätzlich möglich.
Idee aus dem Jahre 2007
Das «Bähnli» erschien 2007 als «Schräglift» auf der Karte des kommunalen Verkehrsrichtplans. Damals war es noch eine gestrichelte rote Linie.
Im Jahr 2009 aber gab der Horgner Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Das Planungsbüro Metron arbeitete die Studie in Zusammenarbeit mit der Garaventa AG aus. Diese Firma realisiert Hoch- und Seilbahnen weltweit. Die Kosten für die Studie teilten sich die Gemeinde Horgen und die Credit Suisse zur Hälfte.
Metron kommt zum Schluss: «Die drei Haltestellen würden optimal Wohn- und Arbeitsplatzgebiete erschliessen. Unsere Machbarkeitsstudie beweist die technische, finanzielle Machbarkeit und bestätigt den Eintrag im kommunalen und regionalen Verkehrsrichtplan.» Mit dieser Bestätigung ist der Schräglift einen Schritt weiter auf dem Weg zur Verwirklichung.
«Mehr als eine Idee»
Bauvorstand Joggi Riedtmann (SP) sagt: «Der Schräglift ist mehr als eine Idee.» Es geht dem Gemeinderat um eine schnelle Verbindung zwischen den beiden Bahnhöfen. Mit der geographischen Situation in Horgen kommt entweder ein Bus- oder ein Bahnsystem in Frage. Die Bahn lässt sich auf die Dauer kostensparender betreiben als der Bus, denn das «Bähnli» würde vollautomatisch verkehren. «Beim Bussystem», sagt Riedtmann, «ist nicht das Fahrzeug teuer, sondern der Chauffeur.»
Nach dem positiven Ergebnis der Studie geht es darum, den Schräglift im Verkehrsrichtplan eintragen zu lassen – der entsprechende Antrag liegt bei der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg. Nach dem Eintrag würde man das Trassee sichern, erklärt Riedtmann. Es würden keine Baugesuche mehr bewilligt, die mit der Streckenführung kollidieren.
Nicht in den nächsten vier Jahren
Allerdings ist das Seilbahnprojekt noch nicht so konkret, dass ein Zeitplan bestünde oder eine Finanzierung. «Der Schräglift kommt sicher nicht mehr in dieser Legislaturperiode», sagt Riedtmann. Wo das Geld dafür herkommen soll, ist nicht klar. Ein möglicher Partner ist aber die Credit Suisse, welche die Studie mittrug und Interesse an einer Verbindung ins Oberdorf hat. Neben einer Niederlassung an der Neugasse plant die CS auch ein Bauprojekt für Wohnungen auf dem Schweiter-Areal. Mit dem «Bähnli» könnte der heutige Shuttle-Bus-Service ersetzt werden.
Die CS ist am Schräglift-Projekt interessiert, teilt aber mit, es sei ein «Gemeindeprojekt». Ausserdem sei es noch zu früh, um über eine Mitfinanzierung zu sprechen. Horgen ist für die CS ein wichtiger Standort und es ist möglich, dass sich die Grossbank zu einem späteren Zeitpunkt als Partner engagieren könnte. Die CS erklärt, das Interesse am Schräglift sei nicht an das Bauprojekt auf dem Schweiter-Areal geknüpft. Denn dagegen sind einige Rekurse eingegangen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2010, 22:03 Uhr
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17 Kommentare
@Enrico Griesser: Dann ziehen Sie doch ins Unterdorf @marie berner: Sie haben recht - es ist zu spaet, alles ist verloren und es lohnt sich nicht mehr Horgen sorg zu geben... schlage vor, wir reissen die alte Fussgaengerzone komplett ab und stellen auf der gesamten Flaeche einen 20 stoeckigen CS operations komplex hin. Dann waeren wir vielleicht auch dem Herrn Griesser visionaer genug. Antworten
Mit jedem Jahr, das zugewartet wird, steigen die Kosten,auch wenn (scheinbar) nichts gemacht wird! Siehe Gotthardtunnel, Tiefbahnhof in Luzern, durchgehende Bahnverbindung Brünig-Montreux etc. etc. Sollen das alles unsere Grosskinder bezahlen, nur weil wir zu feige sind, zum Fortschritt ja zu sagen ? C.Brunner Antworten
Endlich würde das Stadtbild von Horgen verschönert werden durch dieses Projekt. Unbedingt mit 150% vorausplanen und realisieren. Die verkehrstechnische Verbindung Horgen Bhf. und Horgen Oberdorf ist aktuell eine mühsame Angelegenheit. Denken Sie zukunftsweisend und auch an künftige Generationen die nicht in ener verstaubten/alten Stadt leben wollen. Den Rest gibt es dann eh nicht mehr. Gruss Antworten
Ach Gottchen Herr Mayer...noch so ein Bünzli dem man es auch auf keine Art und Weise rechtmachen kann! So ein "Bähnchen" täte noch vielen Gemeinden gut, nicht wahr? Hierzulande können leider viel zu viele dreinquatschen und deshalb können viele Projekte nicht realisiert werden!! Was heisst denn schon Ortsbild, sitzen Sie ganztags zuhause und schauen sich nur das Ortsbild an? Antworten
Der Fortschritt ist nicht auf zu halten. Das ist eine gute und sicher umweltfreundliche Idee, die weiterverfolgt werden sollte. Ich denke, dass Horgen eine zukunftsorientierte Gemeinde ist und das ist der richtige Weg um zu zeigen, wie fortschrittlich Horgen ist. Antworten
Da kommt eine Super-Gute-Idee, und schon hat diese wieder Gegner. Ich möchte Schreibern R.Blumis, Peter Mayer, und Hans Walder widersprechen: Dieses Bähnli ist nicht nur für die Banker gut, sondern auch für die Wohnbevölkerung von Horgen. Als Beispiel: Man wohnt im Oberdorf und will mit den OeV ins Unterdorf zum Einkauf. Und noch was: Es ist nicht zu visionär, schliesslich leben wir im Jahre 2010. Antworten
Herr Mayer: Das Stadtbild! Horgen hat seine Landreserven in den letzten 10 Jahren so unverschämt überbaut, weil die Nachfrage nach Wohnungen im Umfeld von Zürich vorhanden ist, dass Sie jetzt bestimmt nicht mehr mit dem Ortsbild argumentieren können. Horgen ist längst eine Agglomerationsgemeinde von Zürich geworden, und kein Bauerndorf mehr, auch wenn weiterhin stramm SVP gewählt wird. Antworten
Und wer bedenkt die Konsequenzen fuer das Stadtbild Horgens? Fuer die Menschen, die hier wohnen ist Horgen eine attraktive Seegemeinde mit historischem Dorfkern... und das soll auch so bleiben! Warum bauen wir nicht gleich einen Flughafen neben beiden Bahnhoefen, damit die Herren CS Banker bequem mit ihren Learjets pendeln koennen?! Antworten



Enrico Griesser
@Peter Mayer: Lesen Sie mal wieviele Kommentare FUER dieses Bähnli sind, und wieviele DAGEGEN. Und so einfach ist das Umziehen heute auch nicht mehr. Am besten ist Sie werden in 50 Jahren wiedergeboren, und schauen sich dann das Ortsbild von Horgen an, was meinen Sie ist dann noch übrig von dem alten Ortsbild? Antworten