Zürich

Giovanni sagt Addio

Von Arthur Schäppi. Aktualisiert am 28.06.2011

Das Spezialitätengeschäft Don Camillo im Zentrum von Wädenswil geht für immer zu. Damit verlieren die Kunden ein Stück liebenswürdige Italianità.

Mit dem Wurstschneiden ist bald fertig: Giovanni Abbondandolo gibt sein Comestiblesgeschäft auf.

Mit dem Wurstschneiden ist bald fertig: Giovanni Abbondandolo gibt sein Comestiblesgeschäft auf.
Bild: Sabine Rock

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Durch die offene Ladentür des Don Camillo weht der Duft von Oliven, Salami, Pizzas und in Olivenöl eingelegten Tomaten auf die Gerbestrasse. Hinter der Ladentheke schneidet Giovanni Abbondandolo gerade mit einer über 80 Jahre alten Berkel-Maschine von Hand riesige Scheiben Mortadella.

Ende 1989 hat er an der Gerbestrasse 3 im Stadtzentrum den Italiener übernommen und unter dem alten Namen Don Camillo bis heute erfolgreich weitergeführt. Und seit 22 Jahren bietet der trotz seiner 74 Lenze noch immer rüstige Mann in seinem Comestiblesgeschäft an, was den Liebhabern der italienischen Küche das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt: nebst Spitzenweinen, Früchten, Frischgemüse und Olivenölen beispielsweise auch «lardo di colonnato», diesen wunderbar weissen Speck, der in Salz und Gewürze eingelegt wird, oder «formiggini die capra» und über Mittag auch warme Gerichte wie Orecchiette mit Broccoli.

Abbruchpläne für Liegenschaft

Doch damit ist bald Schluss. Ende Juni macht Giovanni Abbondandolo sein Geschäft für immer zu – und geht viele Jahre nach dem offiziellen Rentenalter in Pension. Das Haus, in dem er eingemietet ist, sei dem Abbruch geweiht, sagt der Ladenbesitzer zur Begründung.

Tatsächlich stecken im Boden rund um das alte Gebäude längst die Bauvisiere für einen Neubau. Doch der Stadtrat hat das Baugesuch einstweilen noch zurückgestellt, bis die Ergebnisse der Zentrumsplanung vorliegen. Nachdem Giovanni Abbondandolo letztes Jahr seinen Laden aus gesundheitlichen Gründen drei Monate hatte dichtmachen müssen, war in ihm der Entschluss definitiv gereift: «Ich höre auf, solange ich das Leben noch geniessen kann.» Trotzdem verhehlt Abbondandolo nicht, dass er seine tägliche Arbeit und vor allem all die langjährigen treuen Kunden, mit denen er grösstenteils per Du ist, vermissen wird. Der Abschied von Giovanni und seinem Spezialitätenladen fällt auch den Kundinnen und Kunden nicht leicht: «Ich bin wie viele andere sehr traurig, dass er geht und seinen Don Camillo schliesst», bedauert etwa Hedda Kamer aus der Au. «Giovanni und sein Laden haben nicht nur die besten italienischen Spezialitäten weit und breit, sondern verströmen auch mitten in Wädenswil ein Stück südländische Lebensfreude», schwärmt die langjährige Kundin.

Vom Küchenburschen zum Chef

Für Abbondandolo aber, der vor rund 50 Jahren aus Avellino in der Nähe von Neapel in die Schweiz kam und der sich vor seiner Wädenswiler Zeit vom Küchenburschen bis zum Chef im eigenen Restaurant hochgearbeitet hatte, geht ein arbeitsreiches Berufsleben zu Ende. Dafür werde er nun mehr Zeit mit seiner Familie und den Enkelkindern und wohl jedes Jahr auch ein paar Monate in seiner alten Heimat Italien verbringen können, sagt Abbondandolo. Nun denn: Addio Giovanni, addio Don Camillo!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.06.2011, 23:59 Uhr

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