Grünen stinkt die Bauwut
Von Lukas Nussbaumer. Aktualisiert am 05.05.2010 3 Kommentare
Zur Initiative der Grünen Wädenswil
Es sei extrem, wie viel Land in Adliswil bereits verbaut sei, sagt Ueli Gräflein, Vorstandsmitglied der Grünen Adliswil/Langnau. «Vor allem dem Landverkauf müssen wir Einhalt gebieten.» Um seine finanziellen Probleme zu lösen, stosse Adliswil kopflos Land an private Investoren ab. «Wenn das so weitergeht, hat die nächste Generation kein Land mehr zur Verfügung.» Dagegen will Gräflein etwas unternehmen – und kündigt an: «Sobald die Initiative in Wädenswil steht, kupfere ich sie für Adliswil ab.» Er rechnet sich gute Chancen aus, da er aus der Bevölkerung immer wieder zu hören bekomme, dass die fortschreitende Überbauung den Leuten Sorgen bereite.
Auch in Richterswil stösst die geplante Initiative auf Anklang. Alessandro Barbon, Präsident der Richterswiler SP, sagt, dass er sich auch schon überlegt habe, einen ähnlichen Vorstoss zu lancieren: «Wir haben uns noch nicht definitiv entschieden, aber wenn weiterhin so gebaut wird, ist eine ähnliche Initiative vorstellbar.» Auch Barbon sagt, er sei der Meinung, dass der hemmungslosen Bauwut Grenzen gesetzt werden sollten. «Ich finde es frappant: Überall um den Zürichsee wird alles verbaut.»
Auch in Thalwil, wo laut Jürg Stünzi, Präsident der Grünen, die Landreserven beinahe aufgebraucht seien, kommt die Initiative an. Stünzi sagt, die Thalwiler Grünen hätten sich einen solchen Vorstoss noch nicht überlegt. «Allerdings ist klar, dass wir gegen eine Einzonung der jetzt noch offenen Fläche wären.» Die unbebauten Gebiete müssten grün bleiben und der Entscheid über eine Einzonung der künftigen Generation überlassen werden.
Kanton setzt auf Verdichtung
Am linken Seeufer verbreitet sich die Idee der Einschränkung von Um- und Einzonungen von Landreserven. Beim Amt für Raumordnung und Vermessung (ARV) des Kantons beobachtet man die Vorgänge mit Interesse. Raumplaner Dominik Bonderer vom ARV findet es spannend, dass man sich in Horgen für die Begrenzung des Siedlungsgebiets entschieden hat und dass die Grünen in Wädenswil die Idee übernehmen. «Die Ausweitung von Bauzonen scheint in der Bevölkerung teilweise ein Akzeptanzproblem zu haben.» Weitreichende Auswirkungen erwartete er aber nicht. «Es gibt in der Region noch genügend Umnutzungs- und Entwicklungsgebiete.» Verdichtetes Bauen könne viel vom Siedlungsdruck auffangen. «Eine Abwanderung erwarten wir nicht.» (dst)
Stichworte
Was Adrian Stucki, Präsident der Grünen Ortssektion, kürzlich in einem Leserbrief angekündigt hat, wird jetzt Realität: Eine Volksinitiative, die den Stadtrat verpflichtet, in den kommenden 10 bis 15 Jahren keine Anträge auf Umzonung der bestehenden Reservezonen in Bauland zu stellen und entsprechende Anträge von Privaten abzulehnen. Am exakten Wortlaut des Initiativtextes feilen die Grünen zwar noch, mit dem Unterschriftensammeln möchten Stucki und seine Parteifreunde aber «möglichst schon Ende Monat» beginnen. Damit die Initiative zustande kommt, sind 600 Unterschriften nötig.
Laut dem Ende Januar ins Parlament gewählten Stucki haben sich die Grünen bereits im März entschieden, eine Initiative zu lancieren. Gefehlt habe damals jedoch der aktuelle Anlass dazu. «Jetzt ist das anders: Der Stadtrat hat uns mit der geplanten Umzonung im Gebiet Stoffel in die Hände gespielt», freut sich Stucki. Der Stadtrat hat im Stoffel vor, eine Fläche von knapp 7000 Quadratmetern von der Reserve- in die Bauzone umzuwandeln und im Gegenzug ein kleineres, aus Sicht des Stadtrats weniger gut überbaubares Stück Land von der Bau- in die Freihaltezone umzuteilen. Dieser Plan missfällt nicht nur den Grünen, sondern auch der SP, die den Stoffel via Volksinitiative von der Reserve- in die Freihaltezone verschieben will. Damit wollen die Sozialdemokraten sicherstellen, dass der Stoffel grün bleibt.
Grüne und SP sind uneins
Obwohl auch die Grünen den Stoffel als «grüne Lunge» erhalten wollen, geht ihnen die SP-Initiative zu wenig weit. «Wir können den Stoffel nicht isoliert betrachten», sagt Adrian Stucki. Die Grünen wollten «nicht tatenlos zuschauen, wie auch noch die letzten Grünflächen in Wädenswil überbaut werden». Es gehe nicht an, den kommenden Generationen einen Betondschungel zu hinterlassen. Stucki hofft, dass die SP auf den Zug der Grünen aufspringt.
Davon will SP-Präsident Willy Rüegg vorderhand nichts wissen. «Ein generelles Entwicklungsverbot schiesst über das Ziel hinaus. Ich zweifle daran, dass dieses Anliegen mehrheitsfähig ist.» Die eigene Initiative zugunsten derjenigen der Grünen aufzugeben, komme jedenfalls nicht infrage. Ob die SP die Grünen unterstütze, kann laut Rüegg erst nach Kenntnis des genauen Initiativtextes beurteilt werden.
Keine Unterstützung erwarten dürfen die Grünen von den Bürgerlichen. Für SVP-Präsident und Gemeinderat Erich Schärer geht der Vorschlag der Grünen zu weit. «Der Stoffel ist ein Spezialfall. Man kann von diesem Gebiet nicht auf ganz Wädenswil schliessen.» Ähnlich argumentiert Astrid Furrer, FDP-Präsidentin und wie Schärer Parlamentsmitglied. Moratorien seien «generell ungeschickte Lösungen. Wer weiss denn schon, was in 10 Jahren ist?» Sie wolle damit keinesfalls sagen, dass der Stoffel zu überbauen sei. «Ich unterstütze die Idee, den von weither sichtbaren Teil des Stoffels als grüne Lunge zu erhalten», sagt Furrer.
Für Heini Hauser (SVP), den neuen Planungs- und Bauvorstand der Stadt, würde ein Ja zur Initiative der Grünen «die Entwicklung von Wädenswil blockieren». Reservezonen seien schliesslich das Potenzial der Stadt. Obwohl in Wädenswil laut Hauser «noch ein paar Tausend Quadratmeter Bauland» bereit stehen, könnte es zu einem Engpass kommen. «Es garantiert uns niemand, dass die Baulandbesitzer ihre Grundstücke auch tatsächlich überbauen wollen», warnt Hauser.
Wädenswil wäre Nummer drei
Garantiert ist hingegen, dass die Initiative der Grünen in Wädenswil noch viel zu diskutieren geben wird. Aus diesem Grund – «die Bauerei ist ein Riesenthema» – rechnet sich Adrian Stucki grosse Chancen auf ein Ja des Volks zur Initiative aus. Wädenswil wäre damit landesweit die dritte Gemeinde, die einen Siedlungsstopp beschliesst. In Köniz BE verfügte das Parlament die Begrenzung des Siedlungsgebiets, in Horgen im vergangenen Dezember die Gemeindeversammlung: das Volk hiess eine Einzelinitiative von SP und Grünen mit 164 zu 162 Stimmen hauchdünn gut.
Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.05.2010, 20:51 Uhr
Kommentar schreiben
3 Kommentare
Für einmal haben die Grünen doch tatsächlich recht. Das zubetonieren der CH muss aufhören - Jetzt und schweizweit! In der CH leben mittlerweile 8 Millionen Menschen, die Schweiz ist vom Platz her aber nur für 6 Millionen gemacht. Die CH ist also überbevölkert. Würde die Schweizerische Volkspartei sich und die SchweizerInnen ernst nehmen, würde sie sich für ein CH-weites Baumoratorium einsetzen. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

