Im Shakespeare-Stück im Sihlwald spielt die Natur die Hauptrolle

Von Nicole Trossmann. Aktualisiert am 27.07.2010

Übermorgen feiert die neuste Eigenproduktion des Turbine Theaters Premiere. Die Proben für das Shakespeare-Stück «Wie es euch gefällt» sind intensiv – noch läuft nicht alles rund.

Alles passt bei «Wie es euch gefällt»: Ort, Stück, Besetzung (Celia Endlicher als Rosalinde, Kamil Krejci als Jacques).

Alles passt bei «Wie es euch gefällt»: Ort, Stück, Besetzung (Celia Endlicher als Rosalinde, Kamil Krejci als Jacques).
Bild: P. Gutenberg

Das Stück

«Wie es euch gefällt», Komödie von William Shakespeare in einer neuen Übersetzung von Peter Niklaus Steiner. Besucherzentrum Sihlwald, Premiere am Donnerstag, 29. Juli, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Freitag, 30. Juli, Samstag, 31. Juli, und dann jeweils Mittwoch bis Sonntag. Derniere am Sonntag, 22. August. Tickets: www.turbinetheater.ch.

Auch die nahe Sihl vermag keine Linderung zu bringen. Es ist kaum Mittag und schon brütend heiss an diesem Freitag in Langnau. Davon aber ist im Turbine Theater nichts zu spüren: Der Raum ist herrlich kühl.

Die Schauspieler wissen es zu schätzen. Intensiv proben sie für das Shakespeare-Stück «Wie es euch gefällt», das am 29. Juli startet; als Freilichtaufführung im Besucherzentrum Sihlwald. Noch sitzt der Text nicht perfekt, und auch die Gestik bedarf eines gewissen Schliffs. Zuweilen müssen die Schauspieler selbst lachen ob ihrer Versprecher. Oft unterbricht Regisseur Peter Niklaus Steiner die Szene, will einen Satz, ein Wort mal schneller gesprochen haben, mal langsamer, eine Geste mal intensiver, mal bedächtiger ausgeführt sehen. Unermüdlich proben die Schauspieler, und unerbittlich klingt es immer wieder durchs Theater: «Nochmals!»

Krejci spielt Theatertennis

Kamil Krejci spielt in der Eigenproduktion des Turbine Theaters heuer zwei Rollen. Paradox: Seine Lieblingsszene ist jene, in der eine seiner Figuren einen berühmten Monolog hält – dabei kann Krejci Monologe eigentlich gar nicht ausstehen. So versuchte er, die Szene lebendig zu gestalten, im Austausch mit den anderen Schauspielern, die auf seine Worte reagieren; hier mal kurz dazwischenrufen, eine Bemerkung «hineinwerfen» und mit Gestik und Mimik stetig auf Krejcis Rede antworten. So wird der Monolog zum aktiven Hin und Her zwischen den Schauspielern. «Theater ist ja sowieso immer auch Tennis», schliesst Krejci.

Shakespeare spreche für sich, findet er zwar, doch die hochstehende Schreibe des grossen englischen Dichters ist für das Massenpublikum mitunter schwer verständlich. Auf die Frage, ob das Stück nicht an Gehalt verliere, wenn man Shakespeares anspruchsvolle Sprache für das Publikum vereinfache, schüttelt Krejci den Kopf. «Wenn die Leute Shakespeare so besser verstehen, dann gewinnt das Stück.» Er fügt an: «Zudem passt eine Sprache, die nicht so schwer verdaulich ist, zum luftig-leichten Charakter eines Sommertheaters.»

Bettler und König

Auch Regisseur Peter Niklaus Steiner findet, Ort und Stück passten perfekt zusammen: «Eine Hauptrolle spielt die heilende Kraft der Natur – und genau jene hat sich der Wildnispark auf die Fahne geschrieben: So gehen Natur und Kultur Hand in Hand.» Steiner verrät, dass er auch die Kulisse mit der Sihl und den auf der anderen Seite weidenden Schafen spielerisch ins Stück aufnehmen will.

Mitunter war es auch die schwierige Sprache Shakespeares, welche Steiner am Stück reizte: «Es kitzelte meinen Ehrgeiz, den grossen Dichter in einer komplett neuen Übersetzung für alle verständlich zu machen.» Von den Motiven her zumindest habe Shakespeare sowieso für das Volk geschrieben, so Steiner weiter: «Im Stück geht es um Liebe, um Intrigen und Macht; es ist ein Krimi, der in der verdorbenen höfischen Welt spielt, sich im Wald zur Romanze wandelt und schliesslich unter Verwirrungen und lustig-grotesken Situationen auf das Happy End zusteuert.» Shakespeare habe auf Steiner seit je eine tiefe Faszination ausgeübt, eben weil in seinem Kosmos eine derartige Vielzahl an Figuren Platz fänden: «Der Dichter erkannte das Wesen der Menschen aller Schichten: Shakespeare verstand den Bettler wie den König.»

«Wie es euch gefällt» ist nicht das erste Shakespeare-Stück Steiners: Vor einem Jahrzehnt produzierte er den «Sommernachtstraum», ebenfalls als Freilichtinszenierung. Lachend sagt er: «Gut möglich also, dass ich Shakespeare in einem Jahrzehnt zum dritten Mal in den Sihlwald bringe.»

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Erstellt: 26.07.2010, 20:45 Uhr

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