Neuer Hofladen zieht auch Bocken-Kunden an
Von Arthur Schäppi. Aktualisiert am 07.03.2011 1 Kommentar
Mehr Arbeit – höhere Kosten
Direktverkauf
Direktvermarktung ist in landwirtschaftlichen Kreisen ein Dauerbrenner. Im Bezirk Horgen hat es mindestens 30 Betriebe, die einen Hofladen unterhalten. Die Zahlen stammen von der letzten Erhebung 2008. Laut Zürcher Bauernverband (ZBV) nimmt die Zahl der Hofläden stetig zu.
Ausschlaggebend sind Markt und Konsumenten. Die Landwirte bekommen von den Grossverteilern immer weniger für ihre Ware. So ist der Milchpreis von 76 Rappen pro Kilo 2008 auf rund 60 Rappen 2009 gefallen. Seit der Milchmarkt frei von Kontingentierungen ist, lässt die Überproduktion den Preis fallen. Ein Milchsee und ein Butterberg stehen den geringen Einnahmen der Milchbauern gegenüber. Da ist der Direktverkauf ein Ausweg.
Der ZBV erklärt, dass die Landwirte im Hofladen die Preise unabhängiger und attraktiver gestalten könnten. Konsumenten schätzen es, die Herkunft der Nahrungsmittel zu kennen und saisonal einzukaufen. Doch auf das Einkommen habe Direktvermarktung im Durchschnitt keinen Einfluss, weil sie mit mehr Arbeit und höheren Kosten verbunden sei. (dst)
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Am Samstag haben Doris und Remo Blank-Läubli vom Hof zur Matte in der Arn in Horgen alte und neue Kunden zu Kuchen und Glühmost eingeladen – und zur Besichtigung ihres neuen, hellen und einladenden Verkaufslokals mit Kühlregal.
Landwirt Remo Blank hat den neuen, mit Fichtenholztäfer verkleideten Hofladen weitgehend selbst gebaut – als Ersatz für die erheblich kleinere, alte Verkaufsstelle, die an gleicher Stelle stand. Im neuen, bedienten Hofladen werden seit Mitte Januar nebst hofeigenem Obst, Most, Eiern und Honig neu auch landwirtschaftliche Produkte von andern Bauern aus der nahen Region angeboten: etwa Milch, Joghurts, Rauchwürste und weitere Fleischwaren aus dem Horgenberg, Gemüse aus der Au und Rapsöl und Rosoli-Likör vom Wädenswiler Berg. Künftig will Doris Blank jeweils am Samstag selbst gebackenes Brot und Zöpfe für ihre Kunden bereitstellen.
Alternative zu Bocken-Laden
Der neue Matte-Laden befindet sich nur wenige Hundert Meter vom Bockengut entfernt, wo die Familie Vögeli wegen der Pachtkündigung durch die Credit Suisse (CS) vor zweieinhalb Monaten ihren Hofladen aufgeben musste. «Für mich und andere ehemalige Bocken-Kunden ist der neue Bauernhof-Laden nun eine willkommene Alternative», sagt etwa Neukunde Fritz Marti aus dem nahen Kalkofenquartier, während er Nüsslisalat, Eier und Lauch postet.
«Wir haben tatsächlich etliche ehemalige Bocken-Kunden hinzugewonnen und von der CS auch 1,5 Hektaren Wiesland für unsere Kühe gepachtet», sagt Remo Blank. Den Entschluss, einen neuen, attraktiveren Hofladen einzurichten, hätten er und seine Frau aber unabhängig vom Aus für den Bocken-Laden gefasst, und zwar im letzten Mai, bei der Übernahme des elterlichen Bauernguts seiner Frau.
Existenz dank Direktabsatz
Wie schon ihre Grosseltern und Eltern in den letzten 35 Jahren will Doris Blank-Läubli auf dem Matte-Hof zusammen mit ihrem Mann Milchkühe halten und – wichtiger noch – auch künftig Obstbau betreiben und die gesamte Ernte direkt ab Hof verkaufen. «Ohne diese Direktvermarktung wäre unser Familienbetrieb gar nicht überlebensfähig.»
Erntefrisch oder ab Kühllager in den Hofverkauf gelangt somit auch weiterhin, was an den rund 1800 Niederstamm- und etlichen Hochstammbäumen auf dem Matte-Hof und auf zugepachtetem Land im Ebnet in Horgen reift: rund zwei Dutzend verschiedene Apfelsorten und sechs Birnenarten und dazu Kirschen und Zwetschgen.
Hofladen Matte, Einsiedlerstrasse 425, Horgen, Telefon 043 244 60 03 oder 079 213 10 44. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8 bis 20 Uhr (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.03.2011, 23:19 Uhr
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