Zürich

Ohne Rauch, kein Schall

Von Moritz Schenk. Aktualisiert am 27.05.2010 7 Kommentare

Die Stimmung ist schlecht bei den Beizern am linken Seeufer. Seit der Einführung des Rauchverbots haben sie weniger Gäste. Nur wer mit kreativen Lösungen vorgesorgt hat, beklagt sich nicht.

Seit die Raucher vor den Türen bleiben müssen, gibt es mehr freie Sitzplätze in den Restaurants.

Patrick Gutenberg

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Seit dem ersten Mai gilt auch im Kanton Zürich in allen Restaurationsbetrieben ein totales Rauchverbot. Nur in Fumoirs, die nach gesetzlichen Vorgaben gebaut sind, dürfen Raucher weiterhin paffen. Auch im Bezirk sorgen gerade die Fumoirs für heisse Diskussionen. «Die Spiesse sind durch die neue Regelung ungleich geworden», findet Manu Brouwer, Pächterin der Engel-Lounge in Wädenswil. Vor allem kleine Betriebe leiden darunter. Das Verbot traf sie hart: Seit erstem Mai hat sich Brouwers Kundschaft halbiert. Aufgrund der engen Platzverhältnisse könne sie kein Fumoir einbauen.

Genau das tat indes ihr Nachbar, die Pizzeria Okay Italia. Seit einem Monat sieht die vormals erfolgreiche Barbetreibern Brouwer, wie ihre Stammgäste im Fumoir auf der anderen Strassenseite ihr Bier trinken. Brouwer überlegt sich nun, ihre Bar in einen Klub umzuwandeln. Diesen Weg hat bereits Heidi Steiner, Wirtin der «Zinne» Oberrieden, gewählt. Ihr Restaurant ist nun ein Klub für Leute, die damit einverstanden sind, dass man im Lokal rauchen darf. «Für 11 Franken wird man per Unterschrift Mitglied bei uns», sagt Steiner. Der Umweg, einen Klub zu gründen, ist allerdings kompliziert und heikel. Der Betrieb ist dann nicht mehr öffentlich, sondern nur noch Mitgliedern zugänglich. Die Liste der Rauchwilligen in der «Zinne» zählt bereits 200 Mitglieder.

Kein zweiter Kaffee

Unmut anderer Art äussern die Betreiber von Handwerkerbeizen, wie etwa der Wädenswiler Schmiedstube und der Bendliker Trotte in Rüschlikon, wo sich gegen 9 Uhr das Gewerbe zum Znüni einfindet. «Statt wie früher nach zwei Kaffee und einer Zigarette ist heute nach einem Kaffee Schluss», sagt Anita Schmid, Service-Angestellte in der Bendliker Trotte. Noch mehr schmerzt die Betreiber aber, dass der abendliche Stammtisch zusammengeschrumpft ist. «Hier geht eine Kultur verloren», klagt Schmiedstube-Wirtin Irma Zeller. Das Feierabendbier war für viele Arbeiter offenbar auch an eine Zigarette gekoppelt. Die Raucher fühlen sich «gevogtet», so Zeller.

Ein anderes Problem beklagt Ueli Burkhart, Betreiber des Kleintheaters Ticino. Der grösste Teil der Theaterbesucher raucht zwar nicht, wohl aber Burkhardt und seine Angestellten. «Wir müssen uns fügen. Mit der Zigarette in der Pause und am Schluss der Aufführungen ist es vorbei», sagt er.

Dreimonatige Durststrecke

Wer sich kreativ auf das Verbot vorbereitet hat, beklagt sich heute nicht. Dogan Yigit, Wirt der Horgner Allmend, einem ehemals bekannten Raucherlokal, ergänzte sein Angebot lange vor dem Verbot mit einem Pizza-Catering. «Wenn die Gäste nicht mehr ins Lokal kommen, müssen wir zu ihnen gehen», sagt er überzeugt.

Bruno Cogliati, Wirt des Engels in Wädenswil, sieht nicht nur schwarz. Von seinem Kaffeelieferanten, der durch die ganze Schweiz tourt, hat er erfahren, dass die Rauchverbote überall ähnlich aufgenommen wurden wie im Kanton Zürich: «Zu Beginn, scheint es, als boykottierten die Raucher die Restaurants. Nach etwa drei Monaten erholt sich die Zahl der Gäste aber wieder», sagt er.

Die meisten Betriebe fürchten sich vor Kontrollen der Polizei und halten sich zähneknirschend, aber strikt an die neuen Vorgaben. Polizeiliche Überraschungsbesuche sind allerdings bisher nicht an der Tagesordnung. So erklärt etwa Paolo Mikus, Chef der Stadtpolizei Wädenswil: «Wir gehen nicht auf Jagd nach Rauchern.» Auch gingen bisher keine Klagen von Bürgern bei der Polizei ein. «In einem solchen Fall würden wir sicher aktiv werden», sagt Mikus. Insgesamt geht er aber davon aus, dass sich die Situation schon bald einpendeln wird. «Im Tessin und in anderen Kantonen schlugen die Wellen anfangs auch hoch. Heute hört man nichts mehr von dort.»

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2010, 21:22 Uhr

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7 Kommentare

Pascal Meister

27.05.2010, 10:36 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Soso, der Betreiber eines Kleintheaters hat ein Problem, weil er und seine Angestellten die zahlende (nichtrauchende) Kundschaft nicht mehr verrauchen dürfen. In was für einer Welt leben wir denn...? Antworten


Thomas Meyer

27.05.2010, 07:20 Uhr
Melden

Das Gejammer ist unwürdig. Wenn die Umsätze nur so hoch waren, weil die Leute ungesund lebten, dann waren sie nie gerechtfertigt. Die neue Situation ist gesünder und darum gut. Auch ohne den zweiten Kaffee. Antworten



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