Serviert Ernst Stocker Speck und Blutwürste, wird er gewählt

Von Daniela Haag. Aktualisiert am 26.10.2009

Ernst Stocker und die Wädenswiler SVP luden zu Gnagi, Blutwurst und Sauerkraut – und 500 Personen kamen.

Ein charmanter Gastgeber: SVP-Regierungsratskandidat Ernst Stocker.

Ein charmanter Gastgeber: SVP-Regierungsratskandidat Ernst Stocker. (Bild: Sabine Rock)

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Metzgete bei Ernst Stocker ist Tradition. Die erste organisierte er, als er für den Stadtrat Wädenswil kandidierte. Stocker wurde 1998 auch gewählt. Nicht immer stand er im Wahlkampf, wenn er in seiner Scheune im Wädenswiler Berg Deftiges servierte, aber oft. Als es vor vier Jahren Blut- und Leberwürste gab, wollte er Stadtpräsident werden. Auch diese Wahl gewann er. Jetzt kandidiert Stocker für den Regierungsrat. Ob ihm die geschlachteten Schweine auch diesmal Glück bringen?

Entscheid vor einem Jahr

Dass er als Regierungsrat kandidieren würde, hätte er aber nicht gedacht, als der Entschluss fiel, wieder eine Metzgete durchzuführen. Vor einem Jahr schon sei der Entscheid gefallen. Und so lange sei seine Frau auch schon am Vorbereiten. «Es hängt ja alles an ihr», sagt Stocker und zuckt mit den Schultern – als wollte er noch sagen, ihm fehle dafür die Zeit, leider.

Stocker begrüsst die Gäste, die in die Feststube eintreten, wechselt ein paar Worte mit Leuten, die sich schon gesetzt haben. Er wirft immer wieder einen Blick über die Tische und in die Küche, um sicherzugehen, dass alles rund läuft – Stocker ist ganz Gastgeber. Seine Kandidatur sei hier an der Metzgete kein grosses Thema, sagt er. Die Unterstützung der Gäste dürfte ihm ohnehin gewiss sein. Er werde aber angesprochen von Leuten, die scherzten, sie wüssten gar nicht, wen sie in den Regierungsrat wählen sollten, weil sie ihn als Stadtpräsidenten behalten möchten.

Die Scheune ist dekoriert mit grossen Blumenarrangements, alle Festtische sind belegt. Über 500 Personen besuchen die Metzgete, die auch dieses Jahr ausgebucht ist. Dass die SVP die Organisatorin ist, sieht man einzig an zwei Plakaten an der Scheunenwand: Auf einem wirbt Stocker für seine Wahl in den Regierungsrat. Auf dem anderen die beiden Wädenswiler Gemeinderäte Martin Lampert und Heini Hauser für den Stadtrat. Es handelt sich aber keineswegs um eine parteiinterne Veranstaltung. Wädenswiler Politiker von FDP, CVP und SP assen bei Stocker.

Die ganze Familie hilft

In der Küche dampft es aus grossen Töpfen und Behältern. Viele Helferinnen und Helfer schöpfen, servieren, räumen ab. Man arbeitet in einem eingespielten Team, die Leute sehen sich nicht zum ersten Mal. Stockers ganze Familie ist im Einsatz. Und die SVP, die stärkste Partei in Wädenswil, mobilisiert ihre Leute auch für die Metzgete. Martin Lampert bedient Gäste, auch der abtretende Stadtrat Christian Huber. Heini Hauser weist Parkplätze zu.

«Ich habe gleich zwei Teller erhalten», sagt ein Gast. Das sei ihm noch nie passiert. Er hat offenbar zu viele Speisen ausgewählt. Verlockend ist das Angebot ja: Blut- und Leberwurst, Speck, Schinken, Gnagi, Schweinsbratwurst, Schweinssteak. Dazu Sauerkraut, Salzkartoffeln, Pommes-Frites und Apfelmus. Und das alles zu moderaten Preisen. Eine Blut- oder Leberwurst, das Gnagi und der Speck beispielsweise kosten nur 3 Franken. Und weil es nicht nur günstig, sondern auch schmackhaft ist, bestellen viele einen zweiten Teller.

Eine junge Frau befürchtet, dass die Leberwurst spritzt, wenn sie sie anschneidet. Es entsteht eine Diskussion, bis die Frau schliesslich beherzt die Gabel in die Wurst sticht. Und siehe da: kein Spritzer. Die Würste sind kompakt und von guter Qualität.

Das Fleisch stammt vom eigenen Hof. Drei bis vier Schweine müssen zum Wädenswiler Metzger Gerber. Hausgemacht ist auch das Apfelmus, eine Gaumenfreude. Es schmeckt nach frischen Äpfeln und ist genau richtig süss. «Meine Mutter kocht es», sagt Stocker. Er wollte das Apfelmus dieses Jahr eigentlich einkaufen. «Meine Mutter ist jetzt 82 Jahre alt, und sie verarbeitet für eine Metzgete eine Harasse Äpfel.» Aber Stockers Mutter bestand darauf, das Apfelmus selber zuzubereiten.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2009, 04:00 Uhr

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