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Sie nimmt sich der Schwierigen und der Wilden an

Von Nicole Trossmann . Aktualisiert am 04.09.2010

Ihren ersten Esel kaufte Josefine Jacksch aus Hütten schon in der Schulzeit – heimlich. Nun gilt ihre ganze Liebe den Maultieren. In ihrem Stall läuft heute ein Muli-Dokumentarfilm.

Ist auch ohne Handy glücklich: Josefine Jacksch, umgeben von ihren Liebsten.

Ist auch ohne Handy glücklich: Josefine Jacksch, umgeben von ihren Liebsten.

Josefine Jacksch trägt einen feuerroten Pullover. Auf der Höhe des Herzens prangt – wie könnte es anders sein – ein kleines Maultier. Diesen Tieren, einer Kreuzung, die eine Pferdestute zur Mutter und einen Esel zum Vater hat, gilt denn auch ihre ganze Liebe. Die Hüttnerin ist im Vorstand der Interessengemeinschaft (IG) Maultier, welche zum 20-Jahr-Jubiläum einen Muli-Dokumentarfilm in Auftrag gab. Die Filmerin, Ines Meyer aus Richterswil, macht auf ihrer Stall-Tournee heute auch in jenem von Jacksch Halt.

Diese freut sich auf den Film – und staunt mit einem Anflug von Nervosität, welche Strahlkraft das Werk gewann: «Halb Hütten sprach mich schon darauf an, und Wildfremde schrieben mir, sie wollten auch ins Stallkino kommen.» Bereits 60 meldeten sich an; in Samstagern, wo der Film im August lief, kamen letztlich 100 Menschen.

So stur wie eh

Angefangen hat Jackschs Liebe zu Maultieren mit – einem Esel. Als sie im Gymnasium war, nahm sie sich in Hütten eines Ponys an, das als schwierig galt. «Dieses Pony war mein erster Lehrmeister», sagt sie heute. Irgendwann wollte sie damals ein eigenes Tier, sparte ihr Taschengeld, bis sie 400 Franken zusammenkratzen konnte, und kaufte heimlich ihren ersten Esel: den rabenschwarzen Massimo. «Meine Mutter sorgte sich stets, ich bestünde die Matur nicht; sie hätte mir Massimo nie erlaubt», erzählt sie. Da die Schülerin ihn im Stall des schwierigen Ponys unterbringen durfte, merkten die Eltern lange Zeit nichts. «Irgendwann kamen sie mir auf die Schliche und machten mir eine riesige Szene», erinnert sich Jacksch, «aber ich behielt Massimo.»

Da jener für die grossgewachsene Hüttnerin zu klein zum Reiten und ein Pferd zu teuer war, entschied sie sich später für einen Kompromiss: ein Maultier. Ihr Erstes kaufte sie einem Bündner Bauern ab, der sein Lieblingsmuli Zorro erst gar nicht hergeben wollte, dann aber nach Kanada auswanderte. «Lieb», sei Zorro, habe der Bauer versichert. «Aber zuweilen auch etwas bockig.» Das damals ungestüme, dreijährige Maultier ist heute, mit 20 Lenzen, zwar besonnener, «doch so stur wie eh».

Zorro und der Truthahn

Vor einem Jahr bekam Zorro dann ein Gspäändli. Im Reittherapiezentrum in Schönenberg, wo Jacksch arbeitete, war das dortige Maultier Juanito denkbar ungeeignet für die Therapie: «Er war ein junger Wilder, der nur Flausen im Kopf hatte», sagt die 52-Jährige. So kam Juanito zu Jacksch: «Im Eintausch gegen meine Überstunden», wie sie lächelnd verrät.

Heute hat Jacksch neben ihren zwei Maultieren zwei Esel – einer davon ist Marcella, die Tochter Massimos –, ein Pony und vier Katzen. Bei den Mulis fasziniere sie der Charakter: Mutig und zäh seien sie, ausgestattet mit einem starken Willen und dem gewissen Etwas. «Zuweilen erziehen meine Mulis auch mich», sagt Jacksch. «Denn Maultiere hinterfragen einen ständig, testen, ob die Regeln von gestern auch heute noch gelten», sagt sie. Ein Ross trotte auch mal länger geradeaus, bei einem Maultier hingegen müsse man ständig Präsenz markieren: «Zorro etwa kommt sonst sofort auf tausend Ideen, was man sonst noch machen könnte: die Abkürzung durch den Wald nehmen, einen fremden Stall inspizieren, dem Büsi nachspringen.»

Sie lacht, als sie daran denkt, wie Zorro seinem ersten Truthahn begegnete: Auf einem Ausritt plusterte sich in einem Stall plötzlich ein Truthahn auf und krächzte wild. «Zorro erschrak, nahm Reissaus, stoppte abrupt, rannte zurück und studierte den Truthahn minutenlang. Ich konnte ihn nicht vom Fleck bewegen, bis sich Zorro am Fremdling sattgesehen hatte.»

Wenn Jacksch morgens um fünf aufsteht, kümmert sie sich erst um die Maultiere, bevor sie selbst frühstückt. Nach der Arbeit in der Bibliothek des Botanischen Gartens kehrt sie zu den Maultieren zurück, reitet, putzt den Stall. Abends im Bett liest sie gern: entweder Krimis oder Fachliteratur – über Maultiere, selbstredend.

Auch ohne Handy glücklich

Speziell an Josefine Jacksch ist nicht nur ihre Liebe zu den Mulis, sondern auch, dass sie kein Handy besitzt. «Manche Freunde bewundern das, andere nerven sich», sagt sie. Eine Kollegin schenkte ihr zwar mal ein Handy, das verstaubt aber seither in einer Schublade. Einzig in die Ferien nimmt sie es mit: «Damit mich der Nachbar, der zu meinen Mulis schaut, erreichen könnte, falls mit Zorro und Juanito etwas nicht in Ordnung wäre.»

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Erstellt: 03.09.2010, 20:49 Uhr

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