Zürich

Solarfähre wäre zukunftsweisend

Von Ev Manz. Aktualisiert am 28.04.2010 2 Kommentare

Der Horgner Niels Büchi hat der Zürichsee-Fähre AG ein Optimierungskonzept unterbreitet. Er will damit den Standort Zürichsee stärken. Geschäftsführer Hans Isler wird an zwei Ideen anknüpfen.

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Freitagabend, Pendlerzeit. Auf dem Zubringer zur Fährstation in Horgen stehen die Fahrzeuge Schlange und behindern den Verkehr auf der Seestrasse in beiden Richtungen. Es ist nicht nur wegen des Unfalls auf dem Damm. Die Autolenker schätzen die schnelle Verbindung über den See – und sie lieben den nostalgischen Charme des trägen Schwimmkörpers, nehmen das Warten in Kauf. Unter ihnen ist auch der Horgner Niels Büchi. Er benutzt die Fähre oft und nutzt die zehn Minuten jeweils für Gedankenexperimente. Zum Beispiel über die Attraktivität der Fähre. Aus der Schwärmerei wurde bald die Idee, die Fähre auch für eine weitere Generation attraktiv zu machen. «Die Fähre der Zukunft soll Signalwirkung haben und den Standort Zürichsee stärken», sagt der 36-jährige Berufsoffizier. Deshalb hat er Geschäftsführer Hans Isler letzte Woche ein Optimierungskonzept unterbreitet. Das Unternehmen habe 60 Jahre gut funktioniert, aber jetzt brauche es einige Anregungen, sagt Büchi.

Solarenergie statt Diesel

Dem Horgner liegt vor allem der ökologische Aspekt am Herzen. Obwohl selber ein passionierter Autofahrer, ist für ihn die Ökobilanz der Fähre in einigen Jahren nicht mehr zu verantworten. Teile man den jährlichen Treibstoffverbrauch der Fähre durch die Anzahl transportierter Fahrzeuge, so gebe das rund einen Liter verbrauchten Diesel pro Fahrzeug auf die Strecke von 2,8 Kilometern. Büchis Lösung und Vision für das Jahr 2020: eine Solar-Hybridfähre. «Das hätte nicht nur Signalwirkung für die Zürichseeregion, sondern würde längerfristig für die Fähre auch Einsparungen bringen», sagt der dreifache Familienvater. Laut der Unternehmensstudie Swiss Equity Research von 2008/2009 werden die explodierenden Dieselkosten nämlich längerfristig die Rechnung stark belasten.

Die Idee der Solarfähre ist nicht einfach aus der Luft gegriffen. «Vergleichbare Schiffe existieren in Australien», sagt Büchi. Er hat zusammen mit dem Hersteller auch bereits die Möglichkeiten für einen Fährbetrieb eruiert, ein entsprechender Schiffskörper müsste aber erst entwickelt werden. Da sieht Büchi Synergien mit Schifffahrtsgesellschaften und Hochschulen. Die Sonnenbestrahlung am Zürichsee sei sicher nicht mit der in Australien zu vergleichen, sagt Büchi. «Aber bei der Überfahrt ist die Fähre mit einer Seite immer der direkten Sonne ausgesetzt, was eine wichtige Voraussetzung für den Solarbetrieb ist.» Zudem sei die Fahrt kurz, sodass verglichen mit den Ladezeiten wenig Energie verbraucht werde.

Fahrzeit nutzen

Entgegenwirken müsste man auch dem zunehmenden Verkehrsaufkommen und den entsprechenden Folgen. Niels Büchi skizziert zwei Ansatzpunkte: «Das Ladevolumen ausbauen und ein modernes Verkehrsleitsystem.» Die Höhe der Fähre werde bei drei Vierteln aller Überfahrten nicht voll ausgenützt, und die Schiffsstatik würde es zulassen, mit flexiblen Autoliften relativ einfach eine zweite Ladeebene anzubieten. Allenfalls könnte auch ein Tandembetrieb, das Hintereinanderherfahren von zwei Fähren, in Betracht gezogen werden. Ein Verkehrsleitsystem böte die Möglichkeit, auch schon an den Autobahnzubringern über die Auslastung der Fähre zu informieren. «Meine Idee wäre ein virtueller Warteraum: eine Applikation fürs Mobiltelefon, welche die Fährkunden auf dem aktuellen Stand halten könnte», sagt Büchi. Allenfalls könnte man auch über eine definierte Nutzergruppe ein Reservationssystem für eine Nachtfähre anbieten, denn dieses Angebot würde sicher einer Nachfrage entsprechen.

Zuletzt ortet Büchi auch im Neben-betrieb Verbesserungsmöglichkeiten, schliesslich seien die Automobilisten zehn Minuten unbeschäftigt auf der Fähre. «Da muss es doch unbedingt ein Verpflegungsangebot auf der Fähre haben», sagt Büchi. Dort habe man eher Zeit zum Kaffeetrinken als in der Warteschlange, wo bereits ein Kiosk existiert. Weitere findige Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus: Kunstausstellung, Fährenradio, Kurz-Wellness. Und auch die Werbung müsste mit kreativen Ansätzen verbessert werden und auf den neusten Stand der Technik gebracht werden. Büchi denkt an Informations- und Werbebildschirme.

Nachtfähre als Pendenz

«Das Konzept hat durchaus interes- sante Anknüpfungspunkte aus der Optik eines regelmässigen Benutzers», sagt Hans Isler von der Zürichsee-Fähre. Doch viele Ideen seien nicht umsetzbar, da der Fährbetrieb doch etwas komplizierter sei als von aussen betrachtet. Alternative Antriebssysteme wie Gas oder Elektrobetrieb hätten sie auch schon geprüft, wegen des noch ungenügenden Entwicklungsstandes aber noch nicht weiterverfolgt. «Für einen Solarbetrieb generiert die Fläche auf der Fähre nicht genügend Energie für den Antrieb», sagt Isler. Sie versuchten deshalb, mit einer neuen Motorengeneration den Treibstoffverbrauch zu minimieren.

Aufnehmen will er jedoch die Idee des virtuellen Warteraums. Internetkameras könnten die Warteschlange zeigen. Einen ähnlichen Ansatz hätten sie schon vor einigen Jahren verfolgt. «Aber damals konnte man auf dem Mobiltelefon noch keine Internetseiten lesen.» Dass sie die Werbeplattformen auf der Fähre besser nutzen könnten, ist Isler bewusst. In diese Richtung sind auch Veränderungen geplant. «Wir dachten mehr an Infotainment, zum Beispiel mit Grossleinwand, oder an eine Krimihörserie», sagt Isler. Zuletzt ist auch die Nachtfähre auf der Pendenzenliste von Isler. In der Nacht auf Samstag und Sonntag wäre ein Bedürfnis vorhanden, hat eine Umfrage gezeigt. Doch dagegen stellen sich heute noch Lärmschutz- vorschriften. Als Gewerbebetrieb darf die Fähre nämlich nicht länger als bis 22 Uhr fahren.

Falls eine Idee real würde, will Hans Isler erneut das Gespräch mit Niels Büchi suchen. «Er kann uns eine gute Kundenperspektive geben.»

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Erstellt: 27.04.2010, 21:06 Uhr

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2 Kommentare

Max Meier

28.04.2010, 08:24 Uhr
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Endlich mal einer der etwas weiter denkt, solche Leute brauchen wir!! Antworten


Heinz Aschmann

28.04.2010, 13:16 Uhr
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Lösungen entwickeln statt bloss reklamieren. Das hat Zukunft, - hoffentlich auch bei der Erhaltung eines weiterhin attraktiven Fährebetriebs. Antworten



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