Zürich

Spitalfusion: Feuer im Dach

Von Patrick Gut. Aktualisiert am 11.12.2009 2 Kommentare

Das Spital Sanitas verliert überraschend seine Geburtsabteilung. Kinder sollen künftig nur noch im Zimmerbergspital auf die Welt kommen. Betroffene kritisieren den Entscheid.

Stichworte

Grundversorgung sichern

Die Spitäler Zimmerberg und Sanitas wollen mit der Fusion die Grundversorgung in der Region langfristig sichern. Dazu müssen sie gute Qualität anbieten und wirtschaftlich konkurrenzfähig sein. Das fusionierte Spital muss die jährlichen Kosten um 10 Prozent oder 10 bis 12 Millionen Franken senken. Gespart wird etwa bei der Administration.

Jetzt ist der Entscheid über die Schwerpunkte an den beiden Spitalstandorten gefallen. Das Spital Zimmerberg am Standort Horgen wird zum Zentrum für die regionale Grundversorgung mit den zentralen Bereichen Notfall, Intensivstation, Innere Medizin, Chirurgie und Geburten.

Das Spital Sanitas am Standort Kilchberg wird als überregionaler Spezialanbieter positioniert. Mit den Schwerpunkten Orthopädie, Urologie, Gynäkologie, Augenheilkunde, Gefässchirurgie, Hals-Nasen-Ohren sowie Langzeitpflege. Die Konzentration der Fachgebiete soll auf den 1. Januar 2011 umgesetzt werden.

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Die Geburtsabteilung der fusionierten Spitäler Zimmerberg in Horgen und Sanitas in Kilchberg kommt nach Horgen. In Kilchberg finden ab 2011 keine Geburten mehr statt. Das teilten die Verantwortlichen der beiden Spitäler gestern an einer Medienkonferenz mit.

Der Entscheid stellt auf den Kopf, was bisher mit der Spitalfusion geplant war. Vor ein paar Monaten war kommuniziert worden, die Geburtsabteilung werde im Sanitas in Kilchberg konzentriert. Momentan kommen in Horgen pro Jahr rund 400 Kinder zur Welt. Im Sanitas in Kilchberg sind es 600.

Ökonomische Argumente

Die Verantwortlichen begründeten die Kehrtwende mit ökonomischen Argumenten. Eine Geburtsabteilung bedinge, dass im Notfall innerhalb von 15 Minuten operiert werden könne. Um das zu gewährleisten, müsse das notwendige Personal im Spital anwesend sein. Im Zimmerbergspital, wo die Intensivstation und ein 24-Stunden-Notfallbetrieb unterhalten werden, braucht es dieses Personal ohnehin.

Es sei aber schlicht zu teuer, diesen Aufwand an beiden Standorten zu betreiben. Mit einer statt zwei Geburtsabteilungen spare man rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr ein, sagt Markus Gautschi, Spitaldirektor des Zimmerbergspitals. Laut Gautschi werde man rund die Hälfte der bisherigen Geburten im Sanitas nach Zürich verlieren.

Sanitas-Ärzte sind konsterniert

Die Belegschaft im Spital Sanitas hat die Hiobsbotschaft am Mittwoch erhalten. «Wir waren völlig konsterniert», sagt Bruno Studer, Leitender Arzt der Geburtshilfe und Gynäkologie im Sanitas. Im Frühling habe man noch unter völlig anderen Voraussetzungen über eine Fusion der beiden Spitäler diskutiert. Einer solchen Fusion stehe er grundsätzlich positiv gegenüber. «Der Entscheid, die Geburtsabteilung in Horgen zu konzentrieren, ist mehr als fragwürdig.»

Das Sanitas sei eine der beliebtesten Geburtskliniken für Patientinnen aus Zürich und den umliegenden Gemeinden. Die Anzahl der Geburten sei in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Zudem habe das Sanitas erst kürzlich in den Gebärsaal und die Wochenbettabteilung investiert.

20 Personen könnten Stelle verlieren

«Es handelt sich um einen politischen Entscheid mit dem Ziel, den Standort Horgen zu stärken», sagt Studer. Mit ökonomischen Faktoren allein lasse er sich nicht begründen. «Die Belegschaft im Sanitas fühlt sich etwas verschaukelt», sagt Studer. Bis zu 20 Personen könnten ihre Stelle verlieren.

«Mit der Geburtshilfe schliesst man nicht irgendeine Abteilung.» Eine qualitativ hochstehende Geburtsabteilung sei beste Werbung für ein Spital. Mit dieser Abteilung seien positive Gedanken verknüpft, weil sich der Alltag nicht um Krankheiten drehe. Zufriedene Gebärende würden neue Patienten für andere Abteilungen ins Spital bringen.

Flächenbrand droht

Profitieren werden laut Studer die Zürcher Privatspitäler. Patientinnen und Ärzte würden Privatspitäler gegenüber dem Spital Zimmerberg bevorzugen. Nach der Schliessung der Geburtsabteilung könnte laut Studer auch anderen Disziplinen im Sanitas das Aus drohen, beispielsweise der Kinderchirurgie oder der Gynäkologie. «Für das Sanitas könnte sich ein kleines Feuerchen so zu einem Flächenbrand ausweiten», sagt Studer.

Ob das fusionierte Spital so die angepeilte Patientenzahl erreiche, sei fraglich. Der Entscheid, die Geburtsabteilung im Sanitas aufzuheben, lasse sich aber wohl nur noch umstossen, wenn die ganze Spitalfusion scheitere.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.12.2009, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Alex Fässler

11.12.2009, 12:58 Uhr
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Ein unglaublicher Fehlentscheid des Managements!! Diese Geburtsabteilung ist eine Perle im Kanton Zürich und sollte nicht einfach so weggeworfen werden! Macht das rückgängig!! Antworten


Michael Hochuli

11.12.2009, 15:12 Uhr
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Neben den Medikamentenkosten spielen Spitäler einen Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Wir alle spühren das in höheren Prämien. Sobald jedoch eine kleine Abteilung, hier Geburtsabteilung im Spital Santas in Kilchberg, ist der Aufschrei gross! Bei dieser Spitaldichte in der ganzen Schweiz, bin ich froh, das ca. 40 % geschlossen werden! Antworten



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