Zürich
Starke Worte von jungen Menschen aus Horgen
Carla Chiellino, Regisseur Patrick Merz und Davis Cardoso (v. l.). (Bild: Flurin Bertschinger)
Die Premiere
«Home Is where My Heart Is» (40 Min., Regie Patrick Merz, mit Annika Eigenmann, Luis Kuster, Fatmir Beqiri, Carla Chiellino, Davis Cardoso und Sibel Kacar), Freitag, 3. September, 19.30 Uhr, Saal See La Vie, Eintritt frei.
Davis Cardoso hat die Hände im Nacken verschränkt, lacht verhalten oder verzieht das Gesicht. Manchmal schaut er weg. Zum ersten Mal sieht er im Lokal der Offenen Jugendarbeit Horgen Ausschnitte aus «Home Is where My Heart Is». «Irgendwie ist es ja schon krass. Jetzt bin ich plötzlich so im Film», sagt der 16-Jährige. Zusammen mit fünf anderen Horgner Jugendlichen spielt er in diesem Dokumentarfilm die Hauptrolle. Er erzählt, wie er immer dominant sein müsse, sich früher oft geprügelt habe und fast nie nüchtern sei. Keine Wichtigtuerei, sondern ehrliche Worte.
Starke Auftritte
«Es ist diese Authentizität der Jugendlichen, die Offenheit, die mich an diesem Projekt beeindruckt hat», sagt Patrick Merz, der Regisseur des Films. Die Jugendlichen haben zwar einen breiten Fragenkatalog erhalten, zu dem sie sich Gedanken machen mussten. Vor der Kamera aber berichteten sie völlig frei von dem, was sie bewegt.
Als Merz sich nach dem viermonatigen Dreh mit 100 Stunden Filmmaterial ans Schneidpult setzte, hatte er noch Bedenken, ob er seine Idee vom Film verwirklichen könne. Der erfahrene Filmer aus Horgen wollte die fünf Porträts der Jugendlichen ohne Kommentar zu einem Ganzen verflechten. «Aber die Jugendlichen haben vor der Kamera so starke Dinge gesagt, dass meine Bedenken schnell verflogen. Die Geschichten wurden, wie gewünscht, zum Selbstläufer», sagt Merz.
Hinter dem Filmprojekt steht die Offene Jugendarbeit Horgen, die ihr Jahresthema «Heimat» mit einem visuellen Element bereichern wollte. Das Medium Film sei bei den Jugendlichen dauernd präsent, jedoch eher in einer schnellen Form wie auf dem Handy oder auf Youtube, sagt Adrian Weiss, Leiter der Jugendarbeit. «Deshalb wollten wir mit ihnen ein geordneteres Projekt wie den Dokumentarfilm realisieren», sagt Weiss. Er war es denn auch, der die sechs Jugendlichen für das Projekt, das ursprünglich mit vier Hauptdarstellern geplant war, angesprochen hat. Sie wollten Jugendliche aus allen Schichten und mit verschiedenem Hintergrund berücksichtigen. Da alle sechs Jugendlichen so begeistert waren und beim Casting so professionell vor der Kamera auftraten, änderten die Initianten kurzerhand ihre Projektidee.
Vorbild sein
Begeistert von der Idee war auch Carla Chiellino. Sie ist eigentlich keine, die sich in den Vordergrund drängt. «Aber ich will damit auch anderen Jugendlichen Mut machen, dass sie in Zukunft bei solchen Projekten mitmachen», sagt die 14-Jährige. Auch sie sieht sich zum ersten Mal im Film. Sie schaut konzentriert, lächelt ab und zu und erinnert sich wieder, wie das an diesem Samstag war, als Patrick Merz sie mit der Kamera zum Shoppen nach Zürich begleitet hat. Sie ist zufrieden mit dem Produkt. «Nur dass meine Stimme so komisch tönt», sagt sie. Dieses Gefühl hat auch Cardoso, wenn er sich im Film reden hört. Merz, der bereits Erfahrung mit Jugendlichen vor der Kamera hat, klärt sie über den physikalischen Sachverhalt auf.
Dass Jugendliche Einblick ins professionelle Filmschaffen erhalten, war denn auch ein wichtiges Ziel der Jugendarbeit. Eine Aussage transportieren will der Film aber nicht. «Es geht mir um das Porträt der sechs jungen Menschen», sagt Patrick Merz. «Und darum, zu zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen von heute ganz toll ist.»
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Erstellt: 31.08.2010, 20:20 Uhr


