Wädenswil stellt sich ganz privat aus
Von Daniela Haag. Aktualisiert am 13.03.2010
Das Projekt
Kunstprojekt «Wädenswil zeigt sich»: Die Einwohnerinnen und Einwohner können ihr Lieblingsfoto bis Freitag, 26. März, im Stadthaus abgeben. Alle Ölgemälde werden am Samstag, 3. Juli, im Schlosspark (Forschungsanstalt) in einem Freilichtmuseum präsentiert. Die Gemälde kosten 100 Franken. Nach der Ausstellung gehören sie den Besitzern.
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Der Stadt steht ein Kunstanlass der besonderen Art bevor. Er heisst «Wädenswil zeigt sich» und gelingt nur, wenn möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner ihn mitgestalten, wie die Kuratorin Susann Wintsch sagt. So funktioniert das Kunstprojekt: Die Wädenswilerinnen und Wädenswiler geben ihr Lieblingsfoto im Stadthaus ab. Chinesische Reproduktionskünstler kopieren die Fotos naturgetreu in Öl. Die Ölgemälde werden an einem einzigen Tag, dem Samstag, 3. Juli, im Schlosspark ausgestellt. Danach dürfen die Leute ihr Ölbild, das die Grösse von A3 besitzt und für das sie 100 Franken bezahlt haben, mitnehmen.
Der Zürcher Künstler Markus Weiss realisiert dieses Projekt. Es steht unter dem Patronat von Stadtpräsident Ernst Stocker (SVP) und dem Verein Landart. «Ich will die Wädenswiler Bevölkerung in das Kunstprojekt einbeziehen», sagt Markus Weiss.
Einblick geben und erhalten
Die Idee sei, dass man sich auf einen wichtigen Einblick in sein Leben besinne, hält der Künstler fest. Die Leute müssten sich überlegen, was ihnen wichtig ist, aber auch, wie sie von anderen wahrgenommen werden und wie viel Privatsphäre sie öffentlich machen wollen – wenn auch nur für einen kurzen Moment. Soll es ein Bild des Haustiers sein, eines von der Hochzeit oder etwa eine Ferienerinnerung?
Wer sich bei «Wädenswil zeigt sich» beteiligt und ein Ölbild malen lässt, gibt einerseits etwas von sich preis. Erhält andererseits aber beim Besuch der Ausstellung auch Einblick ins Leben anderer Menschen. Man sieht, was anderen Wädenswilern wichtig ist im Leben, erkennt Nachbarn, Bekannte, Leute von der Strasse wieder in persönlichen Situationen. Markus Weiss sagt denn auch: «Die Exhibitionisten werden auch zu Voyeuren.»
Dies hätte der Künstler auch mit den Fotos erreichen können. «Wädenswil zeigt sich» geht aber weiter, sagt er. Zuerst wird ein Foto in Öl transformiert und kurze Zeit ausgestellt. Hier sei aber nicht Schluss, denn die Besitzer können ihr Gemälde zu Hause aufhängen. Damit passiere eine Überhöhung, sagt der Künstler. «Das ist mir wichtig.»
Markus Weiss hat schon zahlreiche Installationen im öffentlichen Raum realisiert, «Wädenswil zeigt sich» ist aber auch für ihn Neuland mit unsicherem Ausgang. Das Projekt bleibe bis zum Schluss in der Schwebe. Ob das Wetter am 3. Juli gut sei, wenn die Ölbilder im Freilichtmuseum ausgestellt werden, sei nur der letzte Risikofaktor. Die Frage sei auch, ob sich genügend Einwohnerinnen und Einwohner beteiligten oder der Transport klappe. Für den Künstler sind diese Unwägbarkeiten kein Problem. Im Gegenteil: «Das Projekt muss lebendig bleiben.»
Ein Gemeinschaftswerk
Gemalt werden die Ölbilder in einer chinesischen Manufaktur. In China hat das Kopieren von Bildern eine jahrhundertelange Geschichte. Kopieren habe auch keinen anrüchigen Beigeschmack wie in unserer westlichen Kultur, sagt Susann Wintsch. Vielmehr sei es eine akzeptierte Tradition. Es gehe darum, Kunstwerke weiterzugeben und mehr Menschen zugänglich zu machen. In China hätten sich ganze Dörfer auf das Kopieren spezialisiert.
Ein Ölbild entsteht in einem halben bis dreiviertel Tag, hält Markus Weiss fest. Jedes Bild ist ein Gemeinschaftswerk. Ein Kopist überträgt das Muster des Fotos. Der nächste malt die Grüntöne, ein weiterer ist spezialisiert auf Gesichter. «Etwa 20 Personen arbeiten an einem Gemälde, jeder nur ein paar Minuten lang», sagt er. Insgesamt werden 70 bis 100 Reproduktionskünstler für «Wädenswil zeigt sich» im Einsatz sein. Es sei eine maschinenähnliche Produktion. Das sei ihm aber auch ganz recht. So erhielten alle Ölbilder den gleichen, objektiven Ausdruck, und die Sprache des Malers sei nicht erkennbar.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.03.2010, 04:00 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


