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Zwillingsmord: «Das normale Leben wird banal»

Wie ging es Franz B., als er nach drei Monaten aus der Untersuchungshaft kam? Seine Betreuerin berichtet von einer «bodenlosen, grenzenlosen Trauer».

1/11 Bianca B. vor dem Geschworenengericht. Die 36-Jährige wurde des mehrfachen Mordes verurteilt.
Linda Graedel

   

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Man kann es sich kaum vorstellen: Wenige Stunden nachdem man seine Kinder erstickt in ihren Betten gefunden hat, sitzt man im Gefängnis. Abgeschnitten von allen Informationen. Getrennt von Menschen, die einen unterstützen könnten. Den Kopf voller unbeantworteter Fragen. Und mit dem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert, etwas mit dem Tod seiner Kinder zu tun zu haben. Dies widerfuhr Franz B. Die Frau, die ihn seit der Haftentlassung psychotherapeutisch begleitet, formulierte es am Donnerstag so: «Er kam in einer Situation in U-Haft, in der normalerweise Care-Teams eingesetzt werden.»

Franz B., dessen Ex-Frau Bianca wegen der Kindstötung vor dem Geschworenengericht seit sieben Tagen der Prozess gemacht wird, erlitt «schwerste Traumatisierungen». Seine Therapeutin spricht von einem «extremen Leiden», von einer «bodenlosen, grenzenlosen Trauer». Eindrücklich schilderte sie, wie hinter einer vordergründigen Stabilität «alles, was mit dem Trauma zu tun hat, weggesperrt wird, damit die Seele überlebt». Um angesichts von «erdrückenden Bildern» äusserlich weiter funktionieren zu können, «verschwindet man als Mensch hinter einem übergrossen Schmerz, der abgespalten wird».

In Lisas Grab vereint

Der 41-Jährige, von seinem Hausarzt als «anständiger, gewissenhafter, sympathischer und ruhiger Schaffer» charakterisiert, hat nicht nur seine Zwillinge an Weihnachten 2007 gewaltsam verloren. Er hatte schon im Sommer 1999 den plötzlichen Kindstod seiner Tochter Lisa verkraften müssen. Die drei Kinder sind jetzt vereint in Lisas Grab.

Franz B. sei extrem sensibel und dünnhäutig geworden. «Das normale Leben wird banal nach so extremen Ereignissen», sagte seine Therapeutin. Alles sei anders, alle Beziehungen seien schwierig. Als Franz B. aus der U-Haft entlassen wurde, stand er gleich mehrfach vor dem Nichts. Er hatte nicht nur seine Familie von einem auf den anderen Moment verloren. Er konnte nicht arbeiten, benötigte Kleider, die in der Wohnung waren, musste später die Wohnung räumen - zusammen mit seiner Schwester und Biancas Bruder. Kleine, aber wichtige Schritte, um wieder Fuss fassen zu können im Leben. Franz B. gehe es heute etwas besser, doch das Trauma bleibt unberechenbar. Und die gegenwärtig stattfindende Gerichtsverhandlung und die Berichterstattung sind grauenhaft, wühlen ihn auf, werfen ihn zurück. «Er braucht noch eine ganze Weile Hilfe», sagte seine Therapeutin.

Heute Freitag wird Frank Urbaniok vom Psychiatrisch-Psychologischer Dienst der Universität Zürich sein psychiatrisches Gutachten von Bianca B. vor Gericht präsentieren. Aktuelle Informationen finden Sie laufend auf Tagesanzeiger.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2010, 10:01 Uhr

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