Ein giftiger Superstar und essbare Statisten im Reich der Pilze
Pilzausstellung
Am Dorfmärt Horgen: Samstag, 27. September, 9 bis 16 Uhr. Im Naturzentrum Sihlwald (mit Pilzsuppe): Sonntag, 28. September, 10 bis 17 Uhr.
Die wichtigsten Tipps für Sammler
- Die gesammelten Pilze nie in einer Plastiktüte transportieren.
- Nur Pilze pflücken, die in einwandfreiem Zustand sind.
- Pilze nie roh essen (nur wenige Exemplare eignen sich für den rohen Verzehr).
- Alle selbst gesammelten Pilze dem Pilzkontrolleur zeigen (Standorte der Pilzkontrollstellen auf www.vapko.ch).
- Sofort mit dem nächstgelegenen Spital oder einem Arzt Kontakt aufnehmen.
- Ambulanz mittels Notrufnummer 144 und/oder das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum in Zürich per 145 kontaktieren.
- Der betroffenen Person ohne ärztliche Weisung nichts zu essen und zu trinken geben.
- Die vergiftete Person sollte unbedingt versuchen, sich zu übergeben.
- Allfällige Rüstabfälle und Speisereste aufbewahren.
- Zeitpunkt der letzten Pilzmahlzeit und des Auftretens der ersten Symptome feststellen.
- Generell gilt: Je länger die Latenzzeit, also die Zeit zwischen der Pilzaufnahme und den ersten auftretenden Symptomen, desto erheblicher die Vergiftung.
- Schonzeit für Pilze im Kanton Zürich: 1. bis 10. jeden Monats.
- Begrenzte Menge von 1 Kilogramm pro Person und Tag.
- Nur dem Sammler bekannte Pilzarten pflücken. Zudem ist das Zerstören von Pilzen verboten (parasitäre und für Pflanzen schädliche Pilze sind vom Verbot ausgenommen).
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Wer kennt ihn nicht, den Pilz mit seinen leuchtend roten Fruchtkörpern und den weissen Flöckchen auf dem Hut? Der Fliegenpilz ist der unbestrittene Star unserer Pilzwelt und spielte schon bei vielen alten Kulturen und Völkern eine wichtige Rolle. Im kalten Norden etwa diente er als Rauschmittel. Durch den Genuss kam man den Göttern näher. Und die Rolle des Fliegenpilzes als Glückssymbol hat sich bei uns bis heute erhalten.
Die moderne Pilzwissenschaft hat ihm seine auffällige Schönheit zwar nicht nehmen können, wohl aber seine dämonische Seite. Nüchtern reiht sie den Fliegenpilz mit botanischem Namen Amanita muscaria (aus dem lateinischen musca = «Fliege») in die Gattung der Wulstlinge (Amanita) ein, zu denen noch weit gefährlichere Giftpilze wie die Knollenblätterpilze gehören.
Tödlicher Cocktail
Vergiftungen durch Fliegenpilze enden zwar selten tödlich. Von seinem Genuss zu Rauschzwecken ist aber dennoch dringend abzuraten. Zudem scheint seine Rauschwirkung, deren chemischer Hintergrund bis heute nicht restlos geklärt ist, stark vom kulturellen Umfeld abhängig zu sein. Im 19. Jahrhundert machte man für die psychischen Wirkungen des Fliegenpilzes den Stoff Muscarin verantwortlich.
Vor rund 50 Jahren zeigten dann genauere Untersuchungen – unter anderem durch die Zürcher Chemiker Konrad Eugster und Peter G. Waser –, dass offenbar andere Stoffe wie Muscimol, Muscazon und Ibotensäure dabei eine wichtige Rolle spielen.
Doch wie kam der Fliegenpilz zu seinem Namen? Eine Erklärung sagt, dass die weissen Tupfen auf seinem Hut eben wie Fliegen aussähen. Sie sind die Reste jener Haut (Velum universale), die den jungen Pilz anfänglich ganz umhüllte und die mit dessen Wachstum dann in kleine Flocken zerriss. Eine andere Erklärung leitet sich von seiner Verwendung zum Einfangen von Fliegen ab: Als Lockmittel für die Fliegen dienten gezuckerte Fliegenpilzstückchen eingelegt in Milch – ein für Fliegen tödlicher Cocktail.
Ohne Pilze kein Wald
Das Reich der Grosspilze besteht jedoch nicht nur aus dem Superstar Fliegenpilz. In unseren Breiten sind es etwa 5500 Grosspilze, die in Wäldern und Fluren vorkommen. Viele von ihnen spielen ihre Hauptrolle unterirdisch: Als sogenannte Wurzelpilze (Mykorhizza) umhüllen sie als watteähnliches Pilzfadengeflecht die Wurzeln von Nadel- und Laubbäumen und ermöglichen ihnen dadurch erst die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen. Pilze leisten also einen wichtigen Beitrag zum Ökosystem Wald.
Einen Einblick in die Vielfalt der Pilze mit so spannenden, viel versprechenden Namen wie Hexenröhrling, Ritterling, Schneckling, aber auch Porling geben an diesem Wochenende die Mitglieder des Vereins für Pilzkunde Horgen. Es gibt einfach zu bestimmende Pilze wie den Eierschwamm, aber auch solche, die sich so sehr gleichen, dass man schon ein Mikroskop und ein geschultes Auge braucht, um sie voneinander unterscheiden zu können.
Wie nahe Verdruss und Genuss in der Pilzwelt beieinanderliegen, beweisen die jedes Jahr gemeldeten Pilzvergiftungen mit nicht kontrollierten Pilzen, obschon es ein gut ausgebautes Netz an Pilzkontrollstellen gibt. – Weniger zur Unterhaltung als zu ihrer eigenen Sicherheit werden Besucher auf die Verwechslungsgefahr von Speisepilzen mit ihren giftigen Doppelgängern aufmerksam gemacht. In Abhängigkeit von den aktuellen Fundmöglichkeiten werden dem Publikum verschiedene frische Pilze aus der Region vorgestellt – mit ihren deutschen und wissenschaftlichen Namen sowie allen Angaben zu Vorkommen, Standort und Speisewert. Dabei wird das Publikum nicht sich selbst überlassen, sondern an beiden Tagen beantworten Experten Fragen.
Pilzsuppe – garantiert kontrolliert
An der am Sonntag im Naturzentrum Sihlwald organisierten Veranstaltung sollen aber nicht nur Geist und Seele mit Informationen und Geheimnissen aus der Pilzwelt genährt werden, sondern auch der Magen. Pilzgourmets können sich mit einer Pilzsuppe verwöhnen lassen. Die Pilze für die Suppe werden von Mitgliedern des Vereins gesammelt. Selbstverständlich sind alle angebotenen Pilze von Kontrolleuren geprüft, damit das Ganze auch ein Genuss bleibt, sagt Godi Leuthold, Organisator und Vereinspräsident. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.09.2008, 08:29 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



