250 Freunde, die aufrüsten, was andere abrüsten

Von Mano Reichling. Aktualisiert am 18.04.2011

Die Militärfahrzeugfreunde haben am Wochenende in Hinwil ihre Oldtimer gezeigt, die sie mit grossem Aufwand instand gestellt haben.

Passionierte Schwärmer: Wo immer einer die Haube seines Fahrzeugs öffnet, wird er gleich von Neugierigen umringt.

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Bild: Mano Reichling

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Hinter der Panzerpiste in Hinwil sieht es aus, als hätte jemand das Set eines alten Kriegsfilms nachgebaut. Die militärfarbenen Fahrzeuge, die hier in Reih und Glied stehen, haben offenkundig schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, und doch glänzen sie, als kämen sie direkt aus der Fabrik. Kein Wunder: Die Militärfahrzeugfreunde Schweiz, die hier zu einem Treffen eingeladen haben, sind Enthusiasten, die sich mit viel Einsatz um ihre Wagen kümmern.

Einer der Organisatoren des Anlasses ist Robert Steiner aus Volketswil. Er ist stolzer Besitzer eines Dodge WC aus dem Jahr 1943. «‹WC› steht nicht etwa für ‹Klo›», sagt er, «sondern bedeutet ‹Weapon Carrier›.» Er kommt ins Schwärmen, wenn er von seinem «Charlie» spricht. 20'000 Franken hat er dafür bezahlt, und zahllose Arbeitsstunden hat er mit seinen Kollegen in den Oldtimer investiert. Wie viele genau es waren, weiss er nicht, aber es müssen Hunderte gewesen sein. Robert Steiner weiss alles über seinen Dodge, und er kennt auch die Geschichte des danebenstehenden Jeeps: Das Modell wurde in den Kriegsjahren zu Hunderttausenden gebaut. Als die US-Armee aus Europa abzog, wurden die noch fahrtauglichen und vor allem in Frankreich zurückgebliebenen Fahrzeuge an andere Armeen verkauft.

Alle arbeiten ehrenamtlich

Auch das Schweizer Militär deckte sich damals mit solchen Fahrzeugen ein. Nach vielen Betriebsjahren wurden diese schliesslich aber ausgemustert und in Thun versteigert. Einen der Wagen sicherte sich die Feuerwehr Fällanden, die ihn bis Mitte der Neunzigerjahre benutzte. Danach kaufte ihn ein Mitglied der Militärfahrzeugfreunde und versetzte ihn in den Originalzustand zurück.

Die Interessengemeinschaft restauriert solche Fahrzeuge ehrenamtlich. Der Besitzer bezahlt das Material, die Arbeit führen die Mitglieder zusammen und unentgeltlich aus. Rund 250 Leute gehören der Vereinigung an – zusammen besitzen sie gut 200 Jeeps. Hermann Weber aus Ernetschwil hat einen besonders seltenen Dodge erstanden, eine «Grossraum-Limousine» der ersten Generation. Sie war den Generälen und anderen Kadern vorbehalten und wurde 1942 gebaut. «Nur noch vier Wagen dieses Typs sind in der Schweiz zu finden», sagt Weber. Er öffnet den Motorraum, und sogleich ist ein Dutzend neugieriger Leute um das Fahrzeug versammelt. Sie belächeln das «Ölstitzli», ein kleines Kännchen, das unter der Haube versteckt ist. Der Motor ist, verglichen mit zeitgenössischen Modellen, puritanisch ausgestattet, aber das ist genau im Sinne der Militärfahrzeugfreunde, die mit der einfachen Technik gut umgehen können. Robert Steiner ist mit seinem Wagen auch schon zweimal in die Normandie gefahren. Dort findet alle fünf Jahre ein internationales Treffen zum Gedenken an die Invasion der Alliierten statt. «Ein riesiger Anlass», schwärmt Steiner. «Dann sieht man dort entlang der rund 60 Kilometer langen Küste Tausende alter Militärfahrzeuge.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2011, 21:34 Uhr

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