Zürich

Alkohol macht die Vandalen erst stark

Von Sarah Wyss. Aktualisiert am 01.06.2009 3 Kommentare

Jugendliche Vandalen machten in den letzten Wochen im Oberland von sich reden. Auch für Fachleute ist es nicht einfach, dagegenzuhalten.

Ob versprayte Wände oder ausgerissene Abfalleimer – Vandalismus ärgert.

Ob versprayte Wände oder ausgerissene Abfalleimer – Vandalismus ärgert.
Bild: Nathalie Guinand

Patrouille gegen Vandalen

In den Frühlingsferien wüteten Vandalen auf der Schulanlage in Bauma. Sie zündeten ein Spielhäuschen und Papierkörbe an. Die Schulpflege hat deswegen eine Anzeige gegen unbekannt eingereicht, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Weiter bittet sie die Bevölkerung um Mithilfe. «Schauen Sie hin, handeln Sie, und melden Sie Ihre Beobachtungen den Behörden oder der Polizei», bittet die Schulpflege.

Um weitere Vandalenakte zu verhindern, wird in Bauma in den Sommermonaten wie in den Jahren zuvor ein privater Patrouillendienst eingesetzt.

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Vandalen wüteten am Ufer des Greifensees, Sprayer verunstalteten Wände in Wald, und in Bauma brannte ein Holzhäuschen auf dem Pausenplatz – Meldungen von Vandalenakten im Oberland häufen sich.

Zora Buner, Leiterin der Jugendarbeit in Fällanden kennt das Problem. «Momentan ist es bei uns sehr ruhig. Doch vergangenen Sommer hatten wir auch Probleme mit Vandalen», sagt Buner. Hauptursache für solche Aktionen sei, dass die Jugendlichen heutzutage zu wenig Freiraum hätten. Sie sagt auch, dass die Bevölkerung sensibler auf solche Aktionen reagiere. «Vandalenakte sind nichts Neues, allerdings werden die Vorfälle immer extremer», sagt Buner. In der Jugendarbeit thematisiere sie solche Vorfälle mit den Jugendlichen. «Die meisten wissen, dass es nicht gut ist, etwas kaputt zu machen. Es ist ein kleiner Teil der Jugendlichen, der sich in der Öffentlichkeit nicht anständig benimmt.»

Dies bestätigt auch Hans-Werner Reinfried. Er ist Jugendpsychologe in Uster. «Einige Jugendliche wissen mit ihrer Freizeit nichts anzufangen und fallen gerne und schnell auf.» Vandalenakte würden zudem meist von Gruppen verübt – häufig in Zusammenhang mit Alkohol- und/oder Drogenkonsum. «Die Schweiz ist ein sehr drogenfreundliches Land. Die Erwachsenen leben den Kindern vor, dass es in Ordnung ist, sich zu betrinken», sagt Reinfried. Die enthemmenden Substanzen seien ein wesentlicher Faktor. Dazu komme, dass einige Eltern ihren Kindern die «Freiheit» gönnten. «Wer die Grenzen in der eigenen Jugend als zu eng empfand, kann den eigenen Kindern zu viel Freiheit gönnen.»

Einfache Lösungen gibt es nicht

Dann gebe es auch Eltern, die überfordert seien mit der Erziehung. «Die Belastung der Eltern hat enorm zugenommen», sagt Reinfried. Einige Eltern seien überfordert und hätten gerade wenn die Kinder zu Jugendlichen heranwachsen, nicht genügend Kraft, sich gegen alle Flausen zu wehren. «Jugendliche brauchen enorm viel Kraft», sagt Reinfried. Eine einfache Lösung des Problems gebe es nicht. «Wichtig ist eine langfristige Planung. Präventions-Schnellschüsse bringen nichts. In den vergangenen Jahren wurden die Stellen und Budgets der Familien- und Jugendberatungen gekürzt.

Das hat Auswirkungen.» Nicht förderlich sei, wenn Jugendtreffs ihre Öffnungszeiten immer wieder verlängerten, mit dem Argument, sich den Jugendlichen anzupassen. So seien es wiederum die Jugendlichen, welche die Grenzen setzten und nicht die Erwachsenen. «Es braucht professionelle Hilfestellung für Eltern, die überfordert sind mit der Erziehung. Und die Jugendlichen brauchen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.» Seine Erfahrung sei, dass jene, die zu Strafarbeit verurteilt werden, Spass daran hätten. «Dann werden sie gebraucht und können etwas mitgestalten», sagt Reinfried.

Wichtig sei, dass eine gesellschaftliche Diskussion ausgelöst werde und die Medien nicht nur plakativ über Vandalenakte berichteten.

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Erstellt: 01.06.2009, 21:02 Uhr

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3 Kommentare

Patricia Galli

02.06.2009, 10:32 Uhr
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Frau Buner schweben wohl von professionellen Fachleuten gestaltete Freiräume vor, wo sich Jugendliche ausleben und selbst verwirklichen können. Aber im Erwerbs- und Elternleben angekommen, werden sie sich dann leider schockiert fragen: wo sind meine Freiräume hin? wer animiert mich? wer unterstützt mich? wieso verlangt der Staat so hohe Steuern? Antworten


Stefan Jost

02.06.2009, 09:56 Uhr
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Quatsch, Frau Buner, dass die Jugendlichen heutzutage zu wenig Freiraum hätten. Die Jugendlichen wissen einfach oft nur nicht mehr die Freiräume sinnvoll zu nutzen. Antworten



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