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Auch Haustiere sind von der Krise betroffen

Von Silvio Seiler. Aktualisiert am 25.02.2009

Unter der Wirtschaftskrise leiden auch Haustiere. Sie werden weniger geimpft oder auch gleich im Volketswiler Tierheim Strubeli abgegeben.

Tierarzt Rico Hauser mit Belko, der ein Bein gebrochen hatte, aber nicht fachgerecht behandelt wurde.

Nathalie Guinand

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Der Fällander Tierarzt Rico Hauser hat festgestellt, «dass infolge der wirtschaftlich harten Zeiten Halter weniger Geld für ihre Tiere ausgeben». Vor allem bei Katzen und Hunden sei dies spürbar. Seit etwa letztem Herbst bemerke er, dass Haustiere weniger geimpft würden. Dadurch nehme die Impfdichte stark ab und die Katzenseuche zu. Oft muss Hauser feststellen, dass Katzen deshalb «qualvoll verenden». Hauser ist überzeugt: «Wegen des Spardrucks wird jetzt weniger geimpft.» Dieser wirke sich sogar auf die Kastration von Tieren aus. Auch hier sei eine Abnahme zu beobachten. Gleiches gelte für den Verkauf von Spezialfutter. Es laufe «wesentlich schlechter als noch zu Beginn des letzten Jahres». Immer mehr würden die Halter auf Produkte von Discountern ausweichen.

«Tiere werden krankgespart»

Ähnlich wie sein Berufskollege beurteilt Veterinär Johannes Howard von der Ustermer Tierpraxis Aabach die Situation. Tierhalter würden ihn neuerdings vielfach erst im letzten Moment und damit zu spät kontaktieren. Vor wenigen Tagen sei jemand mit einer Katze zu ihm gekommen. Diese habe nach einer Bisswunde wochenlang an einem schweren Infekt an der vorderen Pfote gelitten. Das Gewebe und die Knochen seien bereits zerstört gewesen. Das Tier hätte nur noch durch eine Spritze von seinen Qualen erlöst werden können. Seit Beginn der Wirtschaftskrise würden Halter vermehrt versuchen, das Geld für den Tierarzt zu sparen. Mit unsachgemässer Behandlung versuchten sie ihren Tieren selber – meist erfolglos – zu helfen. Vielfach bleibe dem Tierarzt danach nur noch die erlösende Injektion.

Das Verantwortungsbewusstsein der Katzenhalter habe stark abgenommen, sagt Howard. So verzichteten viele Halter auf die jährlich fälligen Impfungen. Wiederholt habe er so an Katzenschnupfen oder Leukose erkrankte Tiere einschläfern müssen. Weiter hätten Halter wiederholt schwer erkrankte Hunde zu spät zur Kontrolle gebracht. Die intensive Behandlung habe jeweils viel Geld gekostet. Wäre die Konsultation früher erfolgt, wäre die Heilung schneller und erst noch günstiger möglich gewesen.

Howard hat weiter festgestellt, «dass sich Leute offenbar aus wirtschaftlichen Gründen sehr schnell von ihren Tieren trennen wollen». Ein Halter habe aus solchen Überlegungen heraus seinen noch nicht einmal zwei Jahre alten und völlig gesunden Hund einschläfern wollen. Das hat der Tierarzt aber abgelehnt: «Jemand, der sich für ein Haustier entschieden hat, muss sich über mögliche finanzielle Aufwendungen bei Krankheiten oder Unfällen klar sein. Es ist unverantwortlich, dass Tiere krank- oder sogar totgespart werden.» Viele Kunden würden zudem Rechnungen nur harzig oder gar nicht bezahlen. Howards Neukunden müssen deshalb bei der ersten Konsultation bar oder mit Kreditkarte bezahlen.

«Strubeli» leidet mit Tieren

Rico Hauser ist Leiter des Tierheims Strubeli in Volketswil. Hier sei die Finanzkrise noch mehr zu spüren als in seiner Tierarztpraxis, sagt er. Immer mehr Halter würden sich «unter Angabe von fadenscheinigen Gründen von ihren Haustieren trennen». Das habe dem «Strubeli» während der letzten Monate enorme Kosten verursacht. Da hätten Halter «vergessen» zu erklären, dass ihre Tiere krank oder havariert waren. In hektischen Phasen habe den Mitarbeitern manchmal die Zeit gefehlt, um Hunde und Katzen genau zu untersuchen. Ein Beispiel dafür ist der knapp zweijährige Spaniel-Mix Belko. Als dessen Halter den Rüden abgab, wies er nicht auf die Verletzungsgeschichte des Hundes hin. Er hatte vor längerer Zeit ein Bein gebrochen. Offenbar wollten die Halter kein Geld für eine Behandlung ausgeben.

Hauser: «Jetzt sind die Knochen falsch zusammengewachsen. Die Gelenke sind längst versteift. Operativ lässt sich dies nicht mehr korrigieren.» So verursacht Belko für das Tierheim hohe Kosten für Pflege und Betreuung. Vermitteln lässt er sich kaum, da er nur noch auf drei Beinen laufen kann. «Jetzt machen wir die Halter darauf aufmerksam, dass sich die von ihnen abgegebenen Tiere einem Gesundheitscheck unterziehen müssen.» Fehlende Impfungen werden jetzt verrechnet. Die Heilung oder Behandlung von Gebrechen müssen «zumindest zu einem guten Teil von den jeweiligen Haltern bezahlt werden». Ausnahmen gewährt das Tierheim nur noch in ausgewiesenen finanziellen Notlagen. Dafür verlangen die Verantwortlichen Bestätigungen von Sozialämtern oder Arbeitslosenkassen.

Zubehör verkauft sich schlecht

Auch Geschäftsführerin Natascha Doretti vom «Fressnapf» Volketswil hat festgestellt, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt: «Der Verkauf von qualitativ gutem Tierfutter verläuft einmal so, einmal so.» Einen klaren Rückgang des Verkaufs hat sie noch nicht festgestellt. Bemerkt hat sie hingegen, dass «die Verkäufe im Zubehörbereich abgenommen haben». Zu spüren sei das bereits bei nicht sehr teuren Neuanschaffungen wie beispielsweise Hundeleinen oder Halsbändern.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2009, 20:54 Uhr

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