Baupfusch liess Tankstelle einstürzen
An den 5. Februar 2010 erinnert sich das Verkaufspersonal der Esso-Tankstelle an der Rapperswilerstrasse in Rüti ungern. Um 17 Uhr hörte es kurz hintereinander zweimal einen lauten Knall, dann spürte es heftige Erschütterungen. Als eine Verkäuferin nachschauen wollte, was passiert sei, klemmte die automatische Ladentür.
Über den Personalausgang gelangte sie doch noch nach draussen. Was sie dort sah, schockierte sie: Das Flachdach der Tankstelle war unter der Schneelast teilweise eingestürzt. Ein Glück, dass eine Katastrophe ausblieb. Denn obwohl das Verkaufspersonal sofort begann, die Tankstelle provisorisch abzusperren, bewegten sich bis zum Eintreffen von Feuerwehr und Polizei noch Dutzende Leute im einsturzgefährdeten Bereich.
Konstruktions- und Materialfehler
Jetzt steht fest, wie es zum Dacheinsturz kam. Eine Untersuchung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) zeigt: Das Dach wies Konstruktions- und Materialfehler auf. Es brach deshalb ein, obwohl das Gewicht des nassen Schnees nicht einmal 60 Prozent der Belastungsgrenze erreicht hatte. Gemäss Untersuchungsbericht reduzierte ein starker Versatz der oberen und unteren Stützenhälften die Tragkraft. Zudem fehlte beim Anschluss eines Dachträgers eine Verstärkungsrippe. Und eine Zwischenplatte bestand aus einer Metallqualität, die nicht den Anforderung für eine Anwendung im Freien entspricht; sie neigt bei Kälte dazu, brüchig zu werden.
Die Tankstelle konnte den Betrieb wenige Tage nach dem Einsturz wieder aufnehmen. Trotzdem bleibt der Besitzerin, der Landi Bachtel, ein Schaden von rund 100'000?Franken, wie Geschäftsführer Stephan Ryffel bestätigt. Denn die Gebäudeversicherung kommt nicht für die Reparaturkosten auf, weil es sich um keinen Elementarschaden handelt. Und die Firma, die das Dach gebaut hat, beruft sich auf abgelaufene ÂGarantiefristen. Tankstelle und Shop wurden 2004 total erneuert. Als das Dach einstürzte, war die Frist für verdeckte Baumängel von fünf Jahren um einige Monate überschritten. Die Landi Bachtel verzichtete deshalb darauf, die Firma einzuklagen. «Wir einigten uns vor dem Friedensrichter darauf, die Kosten von 200'000?Franken zu teilen».
Esso spricht von Sonderfall
Der Landi sei nichts anderes übrig geblieben, als die Hälfte des Schadens selbst zu tragen, obwohl sie diesen weder verursacht noch durch Kontrollen und Wartung hätte vermeiden können, bedauert Ryffel. «Ein Gerichtsverfahren wäre zu riskant gewesen und mit grosser Wahrscheinlichkeit teurer geworden.» Die Reparaturarbeiten sind bereits im Gang und sollten Ende September abgeschlossen werden. Die Landi Bachtel hatte die Tankstelle 1993 gekauft und den Liefervertrag mit Esso übernommen. «Wir liefern wie für rund 125 weitere Tankstellen in der Schweiz bloss den Treibstoff», betont Esso-Mediensprecher Bertrand Cornaz. «Für die Gebäude sind wir nicht verantwortlich.» Und bei den 58 Tankstellen, die Esso schweizweit in Eigenregie betreibt, sei es noch nie zu einem vergleichbaren Einsturz gekommen, versichert Cornaz.
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Erstellt: 08.09.2010, 19:42 Uhr


































