Brigitte Fries hielt Dübendorf ein Jahr lang auf Trab

Von Thomas Bacher . Aktualisiert am 02.09.2010

Die Künstlerin Brigitte Fries verabschiedet sich mit einer Ausstellung und einem fotografischen Strassenverzeichnis als Stipendiatin der Stadt Dübendorf.

«Heimwege...»

Die Vernissage findet am Freitag, 3. September, von 18 bis 20?Uhr im Kulturzentrum Obere Mühle in Dübendorf statt. Die Ausstellung dauert bis 19. September.

Noch ein paar Tage, dann geht für Brigitte Fries «eine spannende und intensive» Zeit zu Ende, wie sie selber sagt. Die Gockhauser Künstlerin arbeitet seit Oktober im Atelier der Stadt Dübendorf; genau genommen hat sie mit ihren Interventionen die ganze Stadt zum Atelier gemacht.

Sie sprühte einen See aus Randensaft in den Schnee, brachte einen Baum mit Handys zum Klingeln oder vereinte alte CDs und die trübe Glatt zum glitzernden Datenfluss. Die Dübendorfer reagierten mit Erstaunen oder Kopfschütteln. Und einmal tauchte auch die Polizei auf, um nach dem Rechten zu sehen.

Ein fotografisches Strassenverzeichnis

Ihr Jahr als Stipendiatin fasst Brigitte Fries nun in einer Ausstellung zusammen. Ausserdem macht sie Dübendorf gemeinsam mit der Kulturkommission ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk: ein fotografisches Strassenverzeichnis der Stadt. Auf über 200 Seiten sind die Strassen von Dübendorf zu sehen, mit Fokus auf die entsprechenden Strassenschilder – quasi ein Google Street View in Buchform.

Die Bilder entstanden auf Fries’ Exkursionen durch die Stadt und zeigen Quartiere und Strassenzüge im Wandel der Jahres. «Jetzt kenne ich mich so gut aus, ich könnte auch einen Taxibetrieb aufmachen», sagt die Künstlerin lachend.

Neugierig unterwegs

Zwar ist Fries als Gockhauserin in Dübendorf Stadt keine Fremde. Doch sie erkundete ihre Wirkungsstätte mit einer Mischung aus Neugier und Forscherdrang: die Häuser an der Alpenstrasse, die einer Modelleisenbahn entsprungen sein könnten, die Chriesmatt-Siedlung, die vielen militärischen Bauten, welche sie an Zeiten erinnerten, als die Armee noch das Sagen hatte.

Oder dann die Scheune mitten in der Stadt, die Nähe zwischen Siedlungsraum und Natur, wie auch die idyllische Glatt ohne Zugang zum Wasser. Generell reizte sie das enge Nebeneinander verschiedener Milieus. Allein aus dem Fenster ihres Ateliers sah sie, wie sich Banker, Asylsuchende, aufgekratzte Schüler oder Eltern mit Kinderwagen begegnen.

Zusätzliche Findlinge

Ihre Eindrücke inspirierten sie zu weiteren Werken. So fielen ihr die vielen Findlinge auf – von denen habe sie fast mehr angetroffen als Menschen. Und prompt stellte sie in ihrem Atelier ihre eigenen Felsbrocken her – als Findlinge der heutigen Zivilisation. Sie bestehen aus Gegenständen, welche die Künstlerin im Brockenhaus oder auf der Strasse gefunden hat, sowie ganz viel Klarsichtfolie. Und dann sind da die immer gleichen Hausfassaden mit ihren klaren Linien, die Brigitte Fries aus der Erinnerung als Aquarelle umgesetzt hat. Schliesslich holte sie auf Fotografien auch die grosse weite Welt nach Dübendorf. Dank zweifacher Belichtung schwimmt da plötzlich ein Quallenschwarm durch ihr Atelier, und auf dem Stadthausplatz der Fliegerstadt steht ein mächtiges Verkehrsflugzeug.

Wer das städtische Atelier ein Jahr lang benützen darf, muss sich mit Dübendorf und den Dübendorfern auseinandersetzen. So stehts im Auftrag. Und dem ist Brigitte Fries mit sichtlicher Lust nachgekommen. Nun liegt es am nächsten Stipendiaten, dem Churer Gianin Conrad, diese Geschichte weiterzuschreiben. Doch auch Fries wird sich nicht auf den Hügel zurückziehen. Gerade die Interventionen im öffentlichen Raum haben ihr so gut gefallen, dass sie sich eine Fortsetzung durchaus vorstellen kann.

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Erstellt: 01.09.2010, 20:12 Uhr

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