Zürich
Das Rätsel um die geraubten Tauben
Von Yves Ballinari. Aktualisiert am 19.04.2011 1 Kommentar
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Im Weiler Steig oberhalb von Wald scheint die Welt noch in Ordnung. Bussarde kreisen, Kühe muhen, Bauern schwitzen. Auf der Krete gurren in einer alten Scheune die Tauben. Dass dies der Schauplatz eines Verbrechens sein soll, passt nicht ins Bild.
Und doch sind zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen aus genau dieser Scheune 230 Tauben verschwunden, sogenannte Serbische Hochflieger. Gestohlen, wie die Polizei in einem Zeugenaufruf schrieb. Es sei nicht der erste Diebstahl dieser Art im Kanton Zürich. «Das geschieht zwar nicht oft, aber es kommt vor», heisst es auf Anfrage bei der Medienstelle. Die Polizei vermute einen Züchter als Täter, immerhin hätten die Tiere einen Wert von 25'000 Franken; auch Zubehör sei verschwunden.
Finanziell lohnt es sich kaum
Einen finanziellen Anreiz als Grund für den Diebstahl kann sich Peter Reinhard kaum vorstellen. «Im Gegensatz zu Brieftauben sind Hochflieger nicht wertvoll», sagt der Züchter und Gruppenleiter in der Vereinigung Schweizer Flugtaubensportler. «Die 25'000 Franken sind zu hoch geschätzt.» Pro Tier erhalte man 20 bis 30 Franken.
Glaubt man Reinhard, beträgt der Gesamtwert der Vögel also höchstens 7000 Franken. Der Taubenexperte hält es zwar für möglich, dass der neue Besitzer die Tiere für eine Blutauffrischung seiner eigenen Zucht braucht. «Aber schlüssig erscheint mir das nicht.»
Der Besitzer ist verreist
Der mögliche Ertrag aus dem Verkauf der Tiere rechtfertige keinen Diebstahl, sagt auch ein ehemaliger Taubenzüchter in Wald. Er kennt den Besitzer der gestohlenen Vögel. Er habe dem Mann, der aus dem Balkan stamme, Zuchtmaterial überlassen, das er nicht mehr benötigte. Nun rätselt er über den Verbleib der Tiere. «Ich hätte gerne mehr vom Besitzer erfahren, aber sein Sohn sagte mir, der Vater sei nach Albanien gefahren.» Auch für die Presse war der Mann gestern unerreichbar. Der Bauer, dem die Scheune mit dem Taubenschlag gehört, sagt, er habe seinen Mieter noch am Sonntag gesehen. Vom Diebstahl einige Hundert Meter neben seinem Hof habe er erst im Radio gehört. Unbemerkt geblieben ist die Tat auch in der direkten Nachbarschaft. «Ich habe von einem Diebstahl nichts bemerkt», sagt eine ältere Frau. «Hier kommen eigentlich nur Wanderer durch.» Auch die Polizei habe sich bisher nicht hierher bemüht.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.04.2011, 00:29 Uhr
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