Die Biodiversität als Boxring der Dübendorfer Parteien
Zwei schriftliche Anfragen aus der GEU-Fraktion sorgen bei der SVP für Ärger. So wollen die Dübendorfer Grünliberalen vom Stadtrat wissen, was dieser unternimmt, um das verdichtete Bauen zu fördern und unbebaute Flächen möglichst lange zu erhalten – eine von mehreren Fragen zum Umweltbericht.
Das stösst SVP-Fraktionschef Orlando Wyss sauer auf. Für ihn steht dieses Anliegen im krassen Widerspruch zur Zustimmung der GEU zu einem möglichen Innovationspark auf dem Militärflugplatz Dübendorf. «Man kann doch nicht für den Erhalt möglichst vieler Freiflächen sein und gleichzeitig die riesige Freifläche des Flugplatzes zubetonieren wollen», gibt Wyss zu bedenken.
Politisieren «für die Galerie»?
Auch die Sorge der GEU um die Biodiversität könne er so nicht ernst nehmen, schliesslich hätten verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass auf dem Areal des Militärflugplatzes viele Pflanzen- und vor allem seltene Vogelarten heimisch seien, weil sie dort nicht von Menschen gestört würden. «Wenn man neben dem Innovationspark nun noch ein bisschen Wiese belässt und ein Seeli baut, dann gleicht das den Verlust nie aus», ist der Gemeinderat überzeugt.
Wyss verschweigt nicht, dass es ihm nicht primär um Freiflächen oder die Biodiversität gehe, sondern um den Erhalt des Flugplatzes als militärische Einrichtung. Gleichzeitig ärgert er sich darüber, dass die GEU «für die Galerie» politisieren würde. Er glaubt, dass die Partei nach dem Einzug der Grünen ins Parlament die neue Konkurrenz fürchte und nun daran erinnern wolle, dass sie «ebenfalls grün» sei. Nun sei er gespannt, wie die Antwort des Stadtrats ausfalle. Dieser unterstützt die Idee eines Innovationsparks auf dem Areal des Militärflugplatzes.
Müdes Lächeln für die SVP
Die junge Gemeinderätin Stefanie Huber hat die Anfragen mit Ratskollegin Erika Attinger eingereicht. Sie sieht in ihrem Anliegen keinen Widerspruch zur zustimmenden Haltung der Partei gegenüber einem Innovationspark. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe man davon aus, dass in einem ersten Schritt die bestehenden Gebäude genutzt würden. Auch später blieben zwei Drittel der Fläche unbebaut. Das Areal müsse nachhaltig und längerfristig entwickelt werden, sodass auch künftige Generationen Einfluss darauf nehmen könnten. Von «zubetonieren» könne also keine Rede sein.
Huber will die heutige Bedeutung des Areals als Rückzugsgebiet für Vögel zwar nicht herabspielen. «Die Frage ist aber, was noch alles möglich ist.» Und da sei sie der Überzeugung, dass man für die Artenvielfalt noch viel mehr tun könne. Denn dass der Lärm und die Abgase durch die Flugzeuge und Helikopter für die Natur nicht ideal sein könnten, sei nicht von der Hand zu weisen.
GEU will Massnahmen
Dafür, dass sich die SVP in diesem Fall scheinbar für die Natur einsetzt, hat Huber nur ein müdes Lächeln übrig. Und dass sich die Dübendorfer Grünen in einem Leserbrief im «Glattaler» ebenfalls auf die Seite der SVP geschlagen haben, nimmt sie gelassen zur Kenntnis. Sie sei überzeugt, dass die GP und die GEU in Bezug auf die Entwicklung des Flughafenareals im Grossen und Ganzen die gleichen Ziele verfolgen, sagt Stefanie Huber.
Stefanie Huber und Erika Attinger von der Gruppe für Energie und Umwelt (GEU) wollen wissen, welche Konsequenzen aus den Erkenntnissen im Umweltbericht resultieren. So fragen die beiden Gemeinderätinnen den Stadtrat an, welche konkreten Ziele die Regierung aus dem Bericht ableite und wie die Bevölkerung erfahre, welche Massnahmen ergriffen werden sollten. Ausserdem regen Huber und Attinger an, im nächsten Umweltbericht weitere Umweltbereiche wie die Biodiversität oder die Lichtverschmutzung einzubeziehen.
Weiter wollen sie vom Stadtrat wissen, was dieser tut, um die Ökologisierung der Landwirtschaft auf dem Pachtland der Stadt zu realisieren, wie sich die Regierung die «relativ starke» Zunahme an Stickstoff und Phosphor im Abwasser erklärt und wo die Gründe für die Steigerung des Gesamtstromverbrauchs von Dübendorf liegen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.09.2010, 22:14 Uhr


































