Die grüne Stadt wird bürgerlicher
Von Helene Arnet. Aktualisiert am 11.07.2011 2 Kommentare
Tritt die Nachfolge von Martin Graf an: Ueli Müller (SP).
Wird nicht Stadtpräsident, aber Stadtrat: Urs Weiss (SVP).
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Kantonsrätin Esther Hildebrand (Grüne) ist schwer enttäuscht. Sie hat den Einzug in den Stadtrat von Illnau-Effretikon um nur gerade 70 Stimmen verfehlt. «Am bittersten für mich ist, dass damit die grüne Bewegung nicht mehr im Stadtrat vertreten ist», kommentiert sie ihre Niederlage. Selbst Ueli Müller (SP) freut sich nur halbherzig über das Wahlresultat von gestern. Der 54-jährige Historiker und derzeitige Stadtrat distanzierte seinen Konkurrenten Urs Weiss (SVP) um 416 Stimmen und tritt damit die Nachfolge von Martin Graf (Grüne) an, der im Frühling in den Regierungsrat gewählt wurde. «Durch das Ausscheiden der Grünen hat sich das Gewicht verschoben.» Der Stadtrat ist mit drei SVP-, drei SP- und zwei FDP-Vertretern sowie einem Jungliberalen klar bürgerlicher als zuvor.
Urs Weiss ist über seine Wahl «sehr freudig überrascht». Ihm haftete während des Wahlkampfs das Etikett «Quereinsteiger» an. Er empfinde diese Bezeichnung als positiv, sagte er gestern. «Es tut der Stadt gut, wenn einer neue Fragen stellt und neue Gedanken einbringt.» Dass er, obwohl nur von der FDP und den Jungliberalen unterstützt, die bekannte Esther Hildebrand ausstach und somit den 1994 verlorenen dritten SVP-Sitz zurückholt, mache ihn besonders stolz. Im Wahlkampf hatte er sich eher gegen die Mitte orientiert. «Ich finde dieses Rechts-links-Schema zwar spannend, es geht aber vor allem darum, vernünftige Politik zu machen.»
Esther Hildebrand hat den Eindruck, dass sie etwas vergessen gegangen sei, weil der Kampf um das Präsidium stark im Vordergrund gestanden sei. Auch könnten bei einem solch knappen Resultat Nebenschauplätze den Ausschlag gegeben haben. «Zum Beispiel, dass ich die Partnerin von Martin Graf bin.»
Knapper Entscheid
Die Wahl um das Stadtpräsidium entschied der bisherige Tiefbauvorstand Ueli Müller (SP) mit 2126 Stimmen für sich. Urs Weiss (SVP) erhielt 1710 Stimmen. Das absolute Mehr lag bei 1988. In den Stadtrat wurde Urs Weiss bei einem absoluten Mehr von 1901 mit 1928 Stimmen gewählt. Esther Hildebrand (Grüne) erzielte 1858 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41 Prozent. Heute wird die Ressortverteilung vorgenommen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.07.2011, 07:50 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Weder ist Ueli Müller ein ausgesprochen Linker noch ist Urs Weiss betont rechts. Die Wahl der beiden - als Stadtpräsident der eine, als Stadtrat der andere - drückt den Wunsch der Wähler nach Sachpolitik aus. Da der Stadtrat von Illnau-Effretikon bereits mit Max Binder einen Nationalrat stellt, ist mit Esther Hildebrand eine zweite Parlamentarierin nicht gewünscht. Das gibt Sinn. Antworten

Bitte warten
