Zürich

Ein Flugplatz voller Fallen und Hindernisse

Die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf ist offen. Ideen für eine Umnutzung gibt es viele. Hürden aber auch. Und nicht alle sind so leicht aus dem Weg zu räumen wie alte Wegerechte oder einmal geäusserte Standpunkte.

Fern einer Realisierung: Nutzungsideen für das über 400 Fussballfelder grosse Flugplatzgelände in Dübendorf gibt es viele.

pd/Luftwaffe

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Um kaum ein Gelände in der Schweiz wird gegenwärtig so gerungen wie um den Militärflugplatz Dübendorf. Die einen wollen dort weiterhin Flugzeuge starten und landen sehen. Andere träumen von einer Autorennstrecke, einem Forschungszentrum oder einem Vergnügungspark. Und dann gibt es jene, denen ein Naturreservat oder zumindest ein gigantischer Park vorschwebt.

Noch bis 2014 wird der Flugplatz – wenn auch in bescheidenem Rahmen – vom Militär genutzt. Ju-Air, Rega und TCS haben Gastrecht. Was dann kommt, ist offen. Und umstritten. Dass es nicht vorwärtsgeht, liegt am Bundesrat. Denn der will zuerst ein Stationierungskonzept für seine militärische Infrastruktur erarbeiten. Doch solange der bundesrätliche Sicherheitsbericht noch nicht vorliegt und der Ersatz der Kampfjets F-5 Tiger offen ist, muss das Stationierungskonzept warten. Der Sicherheitsbericht soll der Landesregierung nach Angaben von VBS-Sprecher Martin Bühler in einigen Wochen vorgelegt werden, ehe er in die Vernehmlassung geht. Diese dauert voraussichtlich bis zum Herbst. Das Stationierungskonzept dürfte demnach nicht mehr in diesem Jahr verabschiedet werden. Von ihm hängt im Wesentlichen ab, wie es mit dem Flugplatz Dübendorf weitergeht. Der Grundsatzentscheid ist also frühestens im kommenden Jahr zu erwarten. Wie auch immer die Zukunft des Areals aussieht – auf dem Weg dorthin gibt es viele Fallen und Hürden.

Ohne Umzonung läuft nichts

Sollte der Bund die aviatische Infrastruktur weiterhin dem Militär zur Verfügung stellen, könnte sich Dübendorf weiterhin mit dem Etikett «Wiege der Schweizer Luftfahrt» schmücken. Von hier starteten in den 1920er-Jahren die Maschinen von Flugpionier Walter Mittelholzer. Und von 1932 bis 1948 war Dübendorf der Heimatflughafen der Swissair, ehe das Überwachungsgeschwader den Flugplatz ganz übernahm. Eine Entwicklung des Areals und des Umlands ist dann aber nur marginal möglich. Auf dem Flugplatz selbst, weil eine grossangelegte Rückkehr des lärmintensiven Kampfjetbetriebs mit Blick auf die Bevölkerung nicht denkbar ist. In der unmittelbaren Umgebung des Flugplatzes, weil der heutige Lärmkataster, also der Plan, der die Lärmbelastung aufzeigt, gewisse Nutzungsmöglichkeiten wie den Bau neuer Schulhäuser verunmöglicht.

Benötigt der Bund das Gelände nach 2014 aber nicht mehr, ist damit noch lange nicht gesagt, dass gleich die Bagger auffahren können. Zuerst müsste der Bund das Land verkaufen. Oder Parzellen im Baurecht abgeben. Doch auch dann ist eine Überbauung erst möglich, wenn das Areal eingezont wird. Heute liegt praktisch die ganze Fläche in der Landwirtschaftszone. Lediglich der Randbereich mit Dienstgebäuden und Hangars ist Zone für öffentliche Bauten. Im jetzigen Status sind private Baupläne nicht zu verwirklichen.

Kein Ausbau ohne Mehrverkehr

Eher geringe Schwierigkeiten dürften mögliche alte Nutzungsrechte bereiten, die bei einem Landverkauf auftauchen könnten. Laut Marcel Stulz, Leiter des Dübendorfer Grundbuchamts, ist es zwar möglich, dass noch Dienstbarkeiten wie zum Beispiel Wegerechte auf gewissen Grundstücken bestehen. Bedeutsam für die Entwicklung des Flugplatzgeländes wären diese aber kaum.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem für künftige Nutzungen ist hingegen der Verkehr. Eine Studie des Ingenieurbüros Ernst Basler und Partner aus dem Jahr 2002, die der Dübendorfer Stadtrat in Auftrag gegeben hat, kommt zum Schluss, dass eine grossflächige Überbauung des Geländes in der Region zwischen 34'000 und 78'000 zusätzliche Autofahrten am Tag zur Folge hätte. Das heute in Stosszeiten hoffnungslos überlastete Brüttiseller Autobahnkreuz kann ohne teuren Ausbau aber keinen zusätzlichen Verkehr bewältigen. Dasselbe gilt für das übrige regionale Strassennetz. Mehrverkehr ist weder in Dübendorf noch ostwärts in Volketswil verkraftbar. Ob die im kantonalen Richtplan vorgesehene Ringbahn von Dübendorf über Wangen und Bassersdorf nach Kloten das Verkehrsproblem lösen würde, ist fraglich, auch wenn heute immer wieder darauf verwiesen wird. Sie würde nie den ganzen Zusatzverkehr absorbieren können.

Überbauung kommt nicht in Frage

Im August 2002 hatten die Anstössergemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen sowie Vertreter von Bund, Kanton, Gewerbe, Industrie, Parteien und Verbänden mögliche Entwicklungsszenarien erarbeitet. Mit dem klaren Ergebnis: Eine Überbauung eines Grossteils des heutigen Flugplatzgeländes kommt wegen des Mehrverkehrs und der hohen Infrastrukturkosten nicht infrage. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist, ebenso wie die apodiktische Absage der drei Anstössergemeinden an die Zivilfliegerei, stets wiederholtes Mantra der lokalen Entscheidungsträger. Je nach favorisiertem Zukunftsprojekt könnten sich diese Äusserungen als Fallgrube erweisen. Dann nämlich, wenn doch ein Grossprojekt ins Auge gefasst werden sollte. Ein nationaler Innovationspark beispielsweise würde mehr mit sich bringen als eine etwas umfassendere Umnutzung der heutigen Gebäude am Rand des Flugplatzes. Ein Grossteil des Geländes müsste überbaut werden. Mit möglicherweise gravierenden Verkehrsfolgen. Überdies sind einige der heutigen Gebäude gar nicht so leicht umzunutzen, weil sie nationale Baudenkmäler sind.

Diese Auslegeordnung zeigt eines klar: Auf dem Weg in die Zukunft des Militärflugplatzes sind nicht alle Hürden hoch. Aber hindernisfrei ist der Weg beileibe nicht.

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Erstellt: 05.03.2010, 04:00 Uhr

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19 Kommentare

Carlo Müller

05.03.2010, 17:17 Uhr
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Der Flugplatz Dübendorf muss unbedingt erhalten bleiben. a) Ist es strategisch höchst fragwürdig, dass das Militär nur noch in der Zentral- und Westschweiz Basen betreibt. b) Könnte Dübendorf die Privatfliegerei/General Aviation übernehmen und dadurch ZRH entlasten, falls das Militär sich doch noch vollständig zurückzieht. Antworten


Markus Döbeli

05.03.2010, 16:32 Uhr
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@ Michael Meier: Glauben Sie mir, trotz meines Flieger-Herzens würde mir die Errichtung einer Naturschutzzone am Flugplatz Dübendorf auch viel besser gefallen. Aber wenn die Situation am Flughafen Zürich so weiter geht, dann wird es spätestens in 20 Jahren zu extremen Verspätungen kommen, was zur Folge hat, dass viele Airlines abwandern werden. Darum darf man diese Chance nicht aus der Hand geben. Antworten


Remo Kundert

05.03.2010, 13:53 Uhr
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@Wolfgang Haas: Ihre Idee ist wirklich toll! Das würde einerseits für die Wirtschaft in der CH interessant werden, andererseits für Menschen die gerne "anders" leben würden. Entweder ein tolles Naturschutzgebiet aufbauen oder eine Eco City. Ideen sind da, es wird schon irgendwann was sinvolles daraus gemacht. Antworten


Michael Meier

05.03.2010, 12:43 Uhr
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@Dominic Wirth und @Markus Döbeli: Dübendorf ist endlich zur Ruhe gekommen und die umliegenden Naturschutzgebiete sind uns dankbar dafür, wie auch all die Menschen die im Glattal leben. Es braucht keine Businessfliegerei und schon gar keine Kampfjets in Dübendorf. Das einzig richtige wäre, die Naturschutzzonen auszuweiten. Die Fliegerfreunde können ja mit dem Feldstecher nach Kloten gehen. Antworten


Markus Döbeli

05.03.2010, 11:41 Uhr
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Der Flugplatz Dübendorf verschenkt 2014 eine vollständige Infrastruktur, welche in der näheren europäischen Umgebung wahrscheinlich einzigartig ist. Zusätzlich dazu lässt der Flughafen Zürich, europaweit ebenfalls aussergewöhnlich, Flugbewegungen von Privatfliegern und Business-Jets zu, obwohl der Flughafen völlig überlastet ist. Die Chance für eine Verteilung bietet sich 2014, also let's go Bund! Antworten


Adrian Frey

05.03.2010, 10:53 Uhr
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@ John Tobler: Perfekt! Ein Multi-Sport-Tempel wäre wohl eine der inteligentesten Umnutzungs-Ideen... Antworten


Patrick Feusi

05.03.2010, 10:24 Uhr
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Eishockey- und Fussballarena auf dem riesigen Flugplatz-Areal erstellen! Aber welcher Anwohner möchte schon in den Genuss von Fan-Krawallen im Quartier kommen? Egal wo, der Gegenwind wird immer bestehen! Antworten


Paolo Rossi

05.03.2010, 10:21 Uhr
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Das Gelände würde sich sehr gut eignen um eine Test-Rennstrecke zu realisieren. Die ganze Verkehrserziehung für Neulenker (Auto, Motos, ecc.) sowie auch für rezidive Raser könnte hierdurchgeführt werden. Man hätte eine "Drive-Area" die man sicherlich gut auslasten könnte. All die Jungtalente aus dem Motorsport (Kart, Auto, Motorrad) könnten hier optimal trainieren ohne ins Ausland zu gehen. Antworten


ruth leemann

05.03.2010, 10:18 Uhr
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Auf jedenfall darf kein Wirtschafts-Zentrum gebaut werden, wie es von der FDP gewünscht wird - der Flugplatz Dübendorf sollte für Freizeit / Sport / Vergnügen umgebaut werden - Einkaufscentrum's braucht es wirkliche keine mehr. Antworten


Thierry Pasteur

05.03.2010, 09:53 Uhr
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Das schönste wäre für mich eine Rennstrecke die auch dann für Fahrsicherheitstrainings des TCS und der Polizei nutzbar wäre. Aber ich hätte auch nichts gegen Kampfjets. Das war immer ein schönes Bild, wenn diese Vögel in den Himmel empor schossen. Antworten


Werner Winkler

05.03.2010, 09:48 Uhr
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Wer in Dübendorf aufgewachsen ist, weiss, dass der Flughafen zu uns gehört. Eine Grossüberbauung würde das Fass zum überlaufen bringen, definitiv. Ein Albtraum! Noch mehr Verkehr, Züge, Staus usw. Wie im Bericht bereits gut beschrieben. . . Etwas mehr Natur (Naturschutzgebiet) würde Dübendorf mit fast 25'000 Einwohnern bestimmt besser tun. Antworten


timo gerhard

05.03.2010, 09:36 Uhr
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die glattbahn kann m.e. den verkehr NICHT entlasten, nur an für angenehmer machen für solche, die kein auto haben. denn die ringstrasse ist ja meistens nur einspurig. Antworten


WolFgang A. Haas

05.03.2010, 09:19 Uhr
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Das wäre doch eine ideale Ausgangssituation für wirklich neue, zukunftsweisende Ideen. Ich denke dabei an das Projekt Eco City in Abu Dabi. Ein nachhaltiges Stadtprojekt nur mit ÖV, also auch keine Probleme mit Verkehrsüberlastungen. Die bisherigen Ideen basieren einfach ausschliesslich auf alten Paradigmen und die sind nun wirklich passé! Antworten


John Tobler

05.03.2010, 09:17 Uhr
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Der Ideale Standort für den ZSC, FCZ und GC und ihr Duplex Stadion. Antworten


Wolfgang Schwarz

05.03.2010, 09:16 Uhr
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@ Anton Keller: Wieso sollte ein S-Bahnanschluss realisiert werden? In allernächster Nähe gibt es doch schon den Dübendorfer Bahnhof ;-) Antworten


Susi Kohler

05.03.2010, 08:41 Uhr
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@Keller. der Bau eines S-Bahn-Anschlusses ist wohl sicher möglich. Dieser wird dann aber nicht nur von den Flugplatz-Anrainern genutzt, sondern wie alle Bahnhöfe auch von Auswärtigen. Ergo braucht es eine P+R-Anlage mit zugehörigem Verkehr. Falls Sie Zeit haben, können Sie auch gerne einemal den heute bereits vorhandeen Feierabendverkehr beim Kreisel Richtung Autobahnanschluss beobachten. Antworten


Dominic Wirth

05.03.2010, 08:02 Uhr
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Ich würde es sehr begrüssen, wieder Kampfjets von Dübendorf starten zu sehen. Mag mich an die Zeit mit den Hornets sehr gut erinnern. Welch Freude, wenn es Samstags kurz laut dröhnte und nach ein paar wenigen Sekunden die Vögel aus Stahl in den blauen Himmel empor stiegen... Antworten


Anton Keller

05.03.2010, 07:31 Uhr
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Eine Überbauung kommt einzig nicht in Frage, weil sonst die Wohnungsnot gemildert werden könnte. Ohne Wohnungsnot und Staus würde dann aber niemand mehr SP oder Grüne wählen. Ein S-Bahnanschluss würde ohne grössere Hindernisse realisiert werden können. Was man den Stadtzürcher zumutet - mit den ÖV - zur Arbeit zu fahren sollte auch in Dübendordf möglich sein. Antworten


stoffel peter

05.03.2010, 06:54 Uhr
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dies verhindert der, das ist nicht möglich, jenes geht sowieso nicht. ich sehe es komme, ab 2014 ist das gebiet verlassen und verkommt zur wildniss und zum schandfleck von dübendorf weil sich niemand zuständig fühlt oder sich was getraut! Antworten



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